Japan: Zurückhaltung macht sich bezahlt

18. September 2008, 18:52
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Die Nippon-Banken haben aus ihrer schwierigsten Zeit (1997 bis 2005) gelernt

Tokio - Japans Banken waren vor fünf Jahren da, wo die amerikanischen noch hinmüssen. Ganz unten am Boden. "Japans Finanzinstitute sind nur in beschränktem Maß Belastungen der Lehman-Brothers-Gruppe ausgesetzt", so die Kreditbewerter Standard & Poor's. Das höchste Risiko einer japanischen Bank betrage 3,8 Prozent ihres Nettowerts. Das sei "handhabbar".

Die vor wenigen Jahren selbst noch maroden Banken Japans fahren damit die Früchte ihrer konservativen Anlagestrategien ein. Nach einer Studie der Credit Suisse drohen Japans Banken insgesamt 377 Milliarden Yen (2,5 Mrd. Euro) durch Lehmans Pleite zu verlieren. Davon entfallen 311 Mrd. Yen auf acht Großbanken, und der Rest entfällt auf 39 kleinere Regionalbanken. Die Verluste können die Banken verkraften. Denn sie sind von ihrer Krise genesen, die zwischen 1997 und 2003 wie in den USA zu Zusammenbrüchen und Megafusionen geführt hatte.

Allerdings ist das Risiko sehr ungleich verteilt. Am stärksten ist Japans drittgrößte Bankengruppe Sumitomo Mitsui mit 103 Mrd. Yen betroffen. Danach folgen die Aozora Bank mit 60 Mrd. Yen, Japans zweitgrößte Finanzgruppe Mizuho mit 40 Mrd. Yen und die Shinsei Bank mit 38 Mrd. Yen. Japans Branchenprimus Mitsubishi UFJ, der über die beste Kapitalbasis aller Megabanken verfügt, kommt mit 29 Mrd. Yen fast ungeschoren davon.

Die größeren Risiken gehen vielmehr von einer weltweiten Wirtschaftskrise mit Börsencrash, Pleitewellen und Immobilienpreisverfall aus.

Die Saat ist bereits gelegt. Bereits vor der Verschärfung der Finanzkrise stieg die Zahl der Unternehmenspleiten in Japan und drückte deutlich die Bankengewinne im ersten Quartal. (Martin Kölling aus Tokio, DER STANDARD, Printausgabe, 19.9.2008)

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