Berg- und Talfahrt macht Staatsanleihen attraktiv

18. September 2008, 18:50
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Der Run auf mündelsichere Wertpapiere hat in der letzten Woche zu einem Anstieg der Kurse und somit zu einer Reduktion der Verzinsung geführt

Wien - Während die Finanzkrise den Markt für Unternehmensanleihen praktisch ausgetrocknet hat, machen Krise und Berg- und Talfahrt an den Aktienbörsen Staatsanleihen ungewöhnlich attraktiv. Der Run auf mündelsichere Wertpapiere hat in der letzten Woche zu einem Anstieg der Kurse und somit zu einer Reduktion der Verzinsung geführt.

Österreichische Bundesanleihen rentieren derzeit bei 4,43 Prozent und damit zehn Basispunkte tiefer als vor wenigen Wochen. Das ist für die Republik Österreich (deren Schulden die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur Öbfa gestioniert, Anm.) die gute Nachricht. "Staaten mit Triple-A-Rating profitieren von der Volatilität der Märkte", sagt Öbfa-Geschäftsführerin Martha Oberndorfer, "wir haben und heuer rund 300 Millionen an Zinskosten erspart."

Allerdings: In Deutschland sanken die Renditen viel stärker, nämlich von 4,20 auf rund vier Prozent. Damit erhöht sich der Abstand zu österreichischen Anleihen auf fast 40 Basispunkte. Weil deutsche Bundesanleihen eine hundertprozentige Korrelation mit dem Bund-Future (i.e. Terminkontrakt, der zu hundert Prozent an deutsche Anleihen gelinkt ist Anm.) hätten, erklärt Oberndorfer, was im volatilen Bereich wiederum das Lukrieren einer Liquiditätsprämie ermögliche.

Der staatliche Infrastrukturausbau in Österreich kann von dieser Entwicklung trotzdem nicht spürbar profitieren, er wird langfristig nicht billiger. Dies deshalb, weil sie es bei Investoren schwerer haben als ständig präsente Staatsagenturen wie die Öbfa. Für längerfristige Ausleihungen bekommen die staatliche Bundesbahn und der staatliche Autobahnbauer nicht so niedrige Zinsen wie die Republik. Außerdem werden allfällige Zinsgewinne von Asfinag und ÖBB durch die massiv gestiegenen Bau-, Stahl- und Dieselpreise egalisiert, der millionenschweren Zinsendienst bleibt.

Von den 10,57 Milliarden Euro ÖBB-Finanzverbindlichkeiten Ende 2007 entfielen 6,7 Mrd. Euro auf Anleihen und davon 5,7 Mrd. Euro solche mit einer Laufzeit von mehr als fünf Jahren. Der Zinsendienst belief sich auf 490 Millionen Euro. Für die insgesamt 10,65 Milliarden Euro Schulden der Asfinag betrug der Zinsaufwand im Vorjahr 535,3 Mio. Euro. Tendenz steigend, denn sowohl von ÖBB-Infrastruktur Bau AG als auch seitens der Asfinag sind im Herbst weitere Tranchen ihres Mid-Term-Note-Programms zu erwarten, jeweils in der Höhe von gut einer Milliarde Euro. Bei beiden Unternehmen versichert man, die Verteuerungen seien nicht besorgniserregend und kein Problem für die ÖBB-Bilanz. (ung, sulu, DER STANDARD, Printausgabe, 19.9.2008)

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