"Entlarvend für das Kulturverständnis der SPÖ"

18. September 2008, 18:29
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Liste möglicher Kürzungen: Herbe Kritik an Schmied - Die Beamten schlugen u.a. vor, die DVD-Edition "Der österreichische Film" nicht mehr zu fördern

Wien - Kulturministerin Claudia Schmied soll, wie die SPÖ meldet, beim Besuch des Haus des Meeres, wo sie eine Patenschaft für das Aquarium mit den Orange-Ringel-Anemonenfischen übernommen hat, über die Seepferdchen-Zuchtstation "besonders begeistert" gewesen sein. Ganz und gar nicht begeistert war sie hingegen über die im Standard veröffentlichte Liste der Förderungen, die aus Sicht der Kunstsektion "nicht mehr sinnvoll erscheinen" und auslaufen sollten.

In einer Aussendung wies sie jede Schuld von sich: Die Liste sei "ohne Auftrag" erstellt worden. Was ÖVP-Kultursprecher Franz Morak nicht akzeptiert: "Zur Klarstellung: Es sind Ihre Beamten, Ihr Ressort, Ihre Verantwortung!" Schmied hatte 2007 Andrea Ecker zur Leiterin der Kunstsektion ernannt. Und diese wies die Beamten an, Einsparpotenziale zu nennen.

Manche ließen ihrem Unmut freien Lauf. Die Abteilung Film schlug vor, die Subvention für das Kurzfilmfestival Tricky Women einzusparen: "Die Gesamtlänge der präsentierten Filme entspricht ganzen sechs (!) 90-min-Filmen", die Qualität würde "eher nicht entsprechen". Zur Filmakademie merkt man an, sie rühme sich, dass "Drehbuchstudenten dort NICHT Drehbuchschreiben lernen"; die Veranstaltungen fänden "im studentischen Umfeld und auf qualitativ niedrigem Niveau statt".

Wäre es nach den Beamten gegangen, hätte Schmied am Dienstag nicht die dritte Staffel der DVD-Edition Der österreichische Film von Hoanzl und STANDARD präsentieren dürfen. Denn sie vertraten die Meinung: "Die DVD-Editionen sollte (sic!) 2008 nicht mehr unterstützt werden, da es beachtlichen kommerziellen Gewinn erwirtschaftet." Schmied entschuldigte sich - und meinte zu verwendeten Werturteilen wie "mediokre Qualität": "Die Formulierungen der Beamten sind untragbar. Einen solchen Ton dulde ich nicht."

Wolfgang Zinggl, Kultursprecher der Grünen, findet die Wortwahl zwar "erschütternd", die Liste sei aber "harmlos". Er ist mit Andrea Ecker gut bekannt. Zinggls Kollegin Marie Ringler hingegen, Kultursprecherin der Wiener Grünen, meinte in einer Aussendung, dass die Kürzungsvorschläge von Schmieds Beamten "entlarvend für das Kulturverständnis der SPÖ" und ein "Armutszeugnis" für deren Kulturpolitik seien.

Rudolf Berger, Kultursprecher des Liberalen Forums, fühlt sich in seinem Ansatz bestätigt, die Kulturförderung aus der direkten Einflusssphäre der Politik zu befreien: "Wir brauchen einen vom Ministerium abgekoppelten Kulturrat, der objektiv über die Vergabe der Kulturförderungen waltet."

Schmied lädt zum Fest

Obwohl die Kunst- und die Kultursektion schon seit einem halben Jahr am Concordiaplatz "unter einem Dach" vereint sind, feiert Schmied die Fusion erst jetzt - just fünf Tage vor der Wahl. Hunderte Künstler wurden eingeladen. Gerhard Ruiss, Sprecher der IG Autorinnen und Autoren, meint: "Damit dieses Fest seinen Titel ‚Kunst und Kultur unter einem Dach‘ einlösen kann, ist eine Klarstellung der handelnden Instanzen, dass sich Kunst- und Kulturförderung ausschließlich auf objektiv nachvollziehbare Kriterien zu stützen hat und Förderungen nicht nach Gutdünken mit saloppen bis diskreditierenden Etikettierungen vergeben werden können, unerlässlich." (Thomas Trenkler, DER STANDARD/Printausgabe, 19.09.2008)

  • Kulturpolitik mit dem Rotstift: Die Beamten schlugen u.a. vor, die
DVD-Edition "Der österreichische Film" nicht mehr zu fördern.
    bild: der standard

    Kulturpolitik mit dem Rotstift: Die Beamten schlugen u.a. vor, die DVD-Edition "Der österreichische Film" nicht mehr zu fördern.

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