Prozess Sirny: Vater von Natascha Kampusch ging auf Zeugen los

18. September 2008, 18:20
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Tumult nach Zeugeneinvernahme - Nach der Aussage von ehemaligem Mitarbeiter des Entführers Wolfgang Priklopil kam es zum Handgemenge

Gleisdorf - Am Donnerstag wurde der Prozess, den die Mutter von Natascha Kampusch, Brigitte Sirny, gegen den pensionierten Richter Martin Wabl anstrengt, in Gleisdorf fortgesetzt. Sirny will mit ihrer Unterlassungsklage erreichen, dass Wabl nicht mehr behaupten darf, dass sie in die Entführung ihrer Tochter involviert gewesen sein soll. Nachdem im Mai in Graz Natascha Kampusch selbst vor Gericht aussagte, wurden nun weitere Zeugen einvernommen.

Chef des Sicherheitsbüros: Starke Anzeichen von sexuellen Missbrauch

Der ehemalige Chef des Sicherheitsbüros, Max Edelbacher, erklärte Richter Jürgen Schweiger, dass es 1998 "starke Anzeichen von sexuellen Missbrauch" in der Causa gegeben habe. Das Mädchen habe vor der Entführung "zehn Kilo abgenommen, sich in der Schule verändert" und sei "plötzlich lethargisch geworden". Aufgrund des Gutachtens des Kinderarztes Max Friedrich habe man Ermittlungen in diese Richtung aber eingestellt.

Friedrich hatte bei der Verhandlung im Mai bestätigt, dass er das damalige Gutachten lediglich aufgrund von Gesprächen mit den Eltern von Kampusch, Ludwig Koch und Sirny und der ORF-Sendung "Report" erstellte. Der heute pensionierte Edelbacher beschrieb sein "persönliches Gefühl" damals so: "Wenn irgendwas in der Familie passiert ist, dann ist die Schiene zur Mutter wahrscheinlicher als die zum Vater." Sirny habe nie von sich aus Kontakt zu den Ermittlern gesucht.

Schlag ins Gesicht

Ein weiterer Zeuge, der Unternehmer H., ein einstiger Mitarbeiter und Freund des Entführers Wolfgang Priklopil sorgte - nicht nur wegen seinem Auftritt mit Perücke und Sonnenbrille vor Gericht - für Aufregung. Er schlug einen Fotografen am Gerichtsgang ins Gesicht. Nach seiner Aussage kam es auch zum Handgemenge mit Ludwig Koch, nachdem dieser versucht hatte, H. am Gang aufzuhalten.

Wann und wo H. Priklopil am Tag nach dem Auftauchen von Kampusch 2006 noch traf, wollte H. nicht mehr genau wissen. "Genaue Details weiß ich nicht mehr." Das Urteil in der Causa wird schriftlich ergehen. (cms/ DER STANDARD Printausgabe 19.9.2008)

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