Innsbruck: Das Boot ist voll

18. September 2008, 17:10
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SPÖ, FPÖ und Grüne wollen Studienplätze ausbauen - Innsbrucker Medizin-Uni hat jetzt schon ihr "volles Maximum" erreicht

Innsbruck  - Mit 400 vergebenen Studienplätzen an der Medizinuniversität Innsbruck sei das "volle Maximum" erreicht, hat der stellvertretende Rektor, Univ.-Prof. Manfred Dierich, auf die jüngsten Vorschläge von SPÖ, FPÖ und Grünen reagiert. "Österreich nimmt schon mehr Studenten auf als es müsste", sagte er. Ginge es nach den Parteien, sollte der Zugang zum Medizinstudium zwar nicht völlig freigegeben, dafür aber die Anfängerplätze von derzeit 1.500 auf 2.400 bis zum Wintersemester 2011 aufgestockt werden.

Neue Unis bauen

"Unser Land ist ein Zehntel von Deutschland, wo von 40.000 Interessenten 10.000 aufgenommen werden", berechnete der Universitätsprofessor. Vergleiche man die Situation mit der Bundesrepublik, müsse Österreich lediglich 1.000 Medizinanwärter aufnehmen. Das müsse ins Kalkül gezogen werden. Eine Erhöhung der Studienplätze sei für Dierich nur durch den Bau von neuen Universitäten möglich. Ansonst werde die Lehrqualität unter dem Andrang leiden.

Kein Platz im Anatomiekurs

"Unser einziger Hörsaal für 300 Personen muss jetzt schon audiovisuell mit kleineren verknüpft werden, weil wir die Kapazitäten nicht haben", schilderte Dierich im APA-Gespräch. Weiters seien die Anatomiekurse "bis zum geht nicht mehr ausgereizt". Die jährlich 400 Studenten können mit "Müh' und Not" in den Sezierkursen untergebracht werden, "stehen sich allerdings gegenseitig im Weg".

Schwierig sei die Situation jetzt schon für das klinisch praktische Jahr im elften und zwölften Semester des dritten Studienabschnittes. "In den Abteilungen der Inneren Medizin und der Chirurgie können jährlich 134 Studenten betreut werden, der Rest muss entweder im Ausland oder in anderen Lehrkrankenhäusern untergebracht werden", erklärte der Rektor-Stellvertreter die Engpässe. Im kommenden Wintersemester müsse schon die Hälfte der Studierenden außerhalb arbeiten, bis 2010 werden 350 Anwärter für 134 Plätze erwartet.

Wenig Freude auch in Wien und Graz

Auf wenig Gegenliebe waren jene Vorschläge auch vonseiten der Vertreter der Medizinischen Universitäten Wien und Graz gestoßen. Für den Vizerektor der Medizin-Uni Wien, Rudolf Mallinger, wären für die Umsetzung der Vorschläge "zwei bis drei neue Unis" nötig. Und auch das wäre "nicht in drei Jahren" zu bewältigen, sagte er. Der Rektor der Medizinischen Universität Graz, Josef Smolle, habe sich lediglich "eine moderate Erhöhung" vorstellen können. (APA)

 

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    Das Boot ist voll - an der Innsbrucker Medizin-Uni können angeblich nicht mehr als 400 StudentInnen pro Jahr aufgenommen werden.

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