LSD-Brunnen in der Secession

18. September 2008, 15:05
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Klaus Weber und Tilo Schulz, Ralo Mayer und Saso Sedlacek bespielen auf eigenwillige Weise verschiedene Ausstellungs-Räume

Wien - Wer in der Kunst die Zeit des Tafelbildes für abgelaufen hält, der ist in den kommenden Wochen in der Wiener Secession richtig: Gleich vier parallele Ausstellungen, die heute Abend eröffnet werden, liefern in der Buntheit ihrer Zugänge und Umsetzungen ein breites Spektrum von Gegenwartskunst, ebenso unterhaltend wie intellektuell. Ein sprudelnder LSD-Brunnen oder unter einer Asphaltdecke wachsende Pilze im Hauptraum, aus Mahagoni-Platten gezimmerte Räume in der Galerie, eine als geschlossenes Ökosystem fungierende Glaskugel im Grafik-Kabinett und eine als Immobilien-Umschlagplatz genutzte Vitrine in der Karlsplatzpassage - der Kunstfreund bekommt bis 9. November einiges geboten.

Klaus Weber

Der in Berlin lebende Künstler Klaus Weber (Jahrgang 1967) hat für seine erste große Einzelausstellung in Österreich u.a. verschiedene Arbeiten der vergangenen Jahre im Hauptraum versammelt und lässt diese mittels eines auf dem Dach der Secession montierten Heliostats und eines Spiegelsystems von der Sonne beleuchten. Vorausgesetzt sie scheint. Das scheint aber für die meisten der gezeigten Installationen nicht wirklich relevant, denn die erzielen ihre Wirkung auch ohne Sonnenstrahlen. Wasser, angeblich mit "homöopathischem LSD" angereichert, sprudelt in einem gläsernen Brunnen oder wird über ein Rohrsystem auf ein Auto gesprüht, dessen Scheibenwischer rastlos in Tätigkeit sind. Warten muss man jedoch auf das Erscheinen jener "Trottoir-Champígnons", die laut Weber in 10 bis 14 Tagen durch eine extra aufgetragene Asphaltfläche brechen sollen. Und das sind nur ein paar Stationen des aufgebauten Parcours, in dem es laut dem Künstler u.a. um Verwandlung und Fluchtwege geht, um Natur, Autonomie und Kontrollverlust.

Tilo Schulz

Ebenfalls um viele verschiedene Aspekte, nämlich um Kunst und Kunsthandwerk, um Realismus vs. Formalismus, um Architektur und Design, Hoch- und Populärkultur und manches andere geht es Tilo Schulz in seiner Installation "Stage Diver" in der Galerie. Der 1972 geborene Leipziger präsentierte sich bei der vormittägigen Presseführung "stolz wie Bolle" über die Einladung der Secession, deren Fan er seit langem sei, und zeigte sich auch über die Arbeit der beigezogenen Tischler, die drei Räume auftragsgemäß mit Mahagoni-Platten ausgekleidet haben, begeistert: "Ich bin ganz glücklich, weil es genau die Qualität hat, die ich wollte." Die Räume, die sich von einer Bühnensituation über ein hermetisch wirkendes Kabinett, in dem Schulz auch eigene, abstrakte Zeichnungen aufgehängt hat, bis zu einer Art Laufsteg verändern, sollen in ihrer Unmittelbarkeit die Besucher zu "Akteuren" machen.

Ralo Mayer

"Die zentrale Frage, die mich in diesem Projekt beschäftigt, ist: Was ist Leben?", lautete dagegen die klare Ansage des 1976 in Eisenstadt geborenen und in Wien lebenden Künstlers Ralo Mayer. Jene Objekte (wie eine Glaskugel als Ökosystem oder eine vertrocknende Bananenstaude) und Videos, die er dazu im Grafischen Kabinett ausstellt, benötigen zum Verständnis allerdings ebenso einen Beipacktext wie die Installation "Ö-U Immobilien" des in Laibach geborenen slowenischen Künstlers Saso Sedlacek. In einer Vitrine der Karlsplatzpassage zeigt er Computeraquarelle von Immobilien, die in Pressburg, Triest, Prag oder Marburg zum Verkauf angeboten werden. Der Witz dabei: Die in jeweils drei Stück aufgelegten Bilder kosten genau 0,1 Prozent der jeweiligen Immobilien. Und diese existierten tatsächlich, versicherte der Künstler. Gerade jetzt, wo die Immobilienpreise in den Keller rasseln, sollte man rasch zuschlagen, meinte er schmunzelnd. (APA)

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