Kühldefekt in der Riesenmaschine

24. September 2008, 18:33
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Der Teilchenbeschleuniger LHC bleibt bis zum Frühjahr 2009 abgeschaltet

Genf/Wien - Christian Fabjan bemüht einen Vergleich mit dem Spitzensport: "Es geht uns Physikern im Moment wohl so wie Skifahrern, die sich jahrelang auf die Olympiaabfahrt vorbereitet haben. Und dann wird das Rennen doch noch einmal in letzter Minute verschoben." Die Spannung sei jedenfalls riesengroß gewesen.

Doch jetzt ist einmal für längere Zeit die Luft draußen. Denn nachdem der Large Hadron Collider (LHC) durch eine Panne im Kühlsystem am vergangenen Freitag lahmgelegt wurde, soll der Teilchenbeschleuniger LHC erst im März 2009 neugestartet werden.

Tatsächlich sei der Schaden etwas überraschend gekommen, so der österreichische Physiker, der technischer Leiter eines der Teilexperimente des LHC ist. "Eigentlich hat man geglaubt, dass bei der Abkühlungsphase am ehesten Probleme auftreten würden. Auch die elektrischen Tests haben noch alle geklappt." Für die Beschleunigung der Teilchen muss im LHC nämlich eine Betriebstemperatur von minus 271,3 Grad herrschen.

Doch nach dem Bilderbuchstart sei es, wie Cern-Sprecher James Gillies erklärt, zu hohen Verlusten des zur Kühlung benötigten Heliums gekommen, was wiederum darauf hinweise, dass eine defekte Starkstromleitung zwischen zwei Magneten die Ursache der Störung gewesen sein dürfte. Da die Magneten erst bei Raumtemperatur untersucht werden, würde zumindest eine weitere Woche vergehen, ehe man mehr weiß. Erst dann kann es zu Inspektionen vor Ort kommen.

Eigentlich wollte man bis Mitte November weitere Tests und auch schon erste Kollisionen durchführen - und sei auch schon relativ knapp davor gestanden, so Fabjan. "Wir haben zwei Monate für Kollisionen verloren, die allerdings noch nicht mit maximaler Energie durchgeführt worden wären." Der "psychologische Rückschlag" sei trotzdem groß, meinte auch Cern-Generaldirektor Robert Aymar.

Nun also hat man einfach die ohnehin geplante Wartungspause der Riesenmaschinen vorverlegt, die am Cern traditionell für die Wintermonate geplant ist, weil da die Stromkosten am höchsten sind. Schließlich verbraucht der LHC in etwa so viel Strom wie eine Kleinstadt.

"Die Physiker werden sich in der Zwischenzeit in Form halten und weitertrainieren", so Fabjan, der noch einmal den Vergleich mit dem Spitzensport bemüht. Das geht unter anderem damit, dass man bei den Detektoren kosmische Teilchen zur Kalibrierung benützt und nicht die beschleunigten aus dem LHC. Denn schließlich wolle man für den Neustart im März 2009 bestens vorbereitet sein. (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25. 9. 2008) 

 

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