"Hotel Stadthalle" wird zum Öko-Hotel

18. September 2008, 14:38
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Hotelchefin Reitterer baut ihr Haus zum weltweit ersten innerstädtischen "Null-Energie-Hotel" mit Photovoltaik-, Solaranlage, Windrädern und Wärmepumpe um

Probewohnen im Passivhaus-Hotel - läuft alles nach Plan, wird das ab November 2009 im Wiener "Boutiquehotel Stadthalle" möglich sein. Eigentümerin Michaela Reitterer - sie ist auch Vorsitzende der Wiener Hoteliervereinigung - erweitert demnächst ihr Drei-Sterne-Plus-Haus in der Hackengasse (15. Bezirk) um einen Passivhaus-Zubau, der dafür sorgen wird, dass das gesamte Hotel "weltweit das erste Stadthotel mit Null-Energie-Bilanz sein wird", erklärte Reitterer am Donnerstag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Wiens Umweltstadträtin Ulli Sima (SPÖ). Soll heißen: Mithilfe des Energiegewinnungskonzepts des Zubaus wird mindestens genau so viel Energie erzeugt, wie im ganzen Hotel verbraucht wird.

Energie aus Wind und Sonne

Schon vor einigen Jahren erwarb Reitterer das nebenan liegende Objekt, welches nun abgerissen und dem neuen sechsstöckigen und knapp 21 Meter hohen Passivhaus-Zubau Platz machen wird. 38 neue Zimmer entstehen damit, zusätzlich zu den bereits bestehenden 44. Ab dem 1. Obergeschoß - darunter war es wegen der nötigen Anbindung an das Bestandsgebäude nicht möglich, wie Techniker und Energieplaner Gerhard Heiling berichtete - wird die Gebäudehülle bis ins Dachgeschoß auf Passivhaus-Niveau mit einem Heizwärmebedarf von 9 kWh/m² gebracht.

Bereits im bestehenden Hotel wird die Sonnenenergie mittels einer 130 Quadratmeter großen Solaranlage genutzt und das Regenwasser zur Bewässerung des Gartens gesammelt. Künftig wird das Grundwasser per Wärmepumpe zur Energienutzung verwendet, und auch die Kühlung des Hotels wird aus dem Brunnenwasser gespeist. Eine 77 Quadratmeter große Photovoltaikanlage und zwei Windräder auf dem Dach sollen den Strom liefern. Die Toilettenspülungen werden durch Regenwasser gespeist, und Reitterer denkt auch daran, das Regenwasser der umliegenden Dachrinnen "anzuzapfen". Die Gesamtkosten für Um- und Zubau belaufen sich auf 4,5 Millionen Euro.

Rabatt für Rad- und Zugfahrer

Gesamtheitlich ist auch das dahinterstehende Konzept gedacht: Schon vor der Erweiterung habe man sich "eine eigene Art von Umwelt-Charme auf die Fahnen geschrieben - und diesen leben wir auch", so Reitterer. Künftig bekommen in ihrem Hotel Gäste, die per Rad oder Zug anreisen, zehn Prozent Ermäßigung auf den Zimmerpreis.

Sie selbst bekam für ihr Haus schon das Umweltzeichen der Republik Österreich sowie das EU-Umweltzeichen verliehen. Für die erste Phase des Umbaus schließt Reitterers Hotel nun für drei Monate, die Wiedereröffnung ist im November 2009 geplant - und dieser Zeitplan müsse auch eingehalten werden, "weil wir bereits die ersten Buchungen haben", mahnte die Hotelchefin augenzwinkernd. 2011 wird im Hotel außerdem ein Passivhaus-Kongress stattfinden.

"Probewohner" als willkommene Gäste

Reitterer wendet sich auch ganz explizit an potenzielle Passiv-Häuslbauer als Gäste, die sich dort mit der Thematik Passivhaus vertraut machen können. "Ein paar Tage im Boutiquehotel Stadthalle sind eine kostengünstige Möglichkeit herauszufinden, wie es sich in einem Passivhaus mit Null-Energie-Bilanz lebt." Laut Planer Heiling wird es auch Bildschirme im Hotel geben, auf denen die wichtigsten Informationen über die Funktionsweise des Passivhauses abgerufen werden können. (Martin Putschögl, derStandard.at, 18.9.2008)

  • Links auf dieser Computergrafik der geplante Passivhaus-Zubau, der den Bestandsbau um einige Meter überragen wird. Der idyllische Innenhofgarten des Altbaus bleibt bestehen. Auch den wilden
Wein, der die gesamten Hoffassaden überwuchert, bemühe man sich bei
den Arbeiten zu erhalten, versprach Hotelchefin Reitterer.
    bilder: hotel stadthalle

    Links auf dieser Computergrafik der geplante Passivhaus-Zubau, der den Bestandsbau um einige Meter überragen wird. Der idyllische Innenhofgarten des Altbaus bleibt bestehen. Auch den wilden Wein, der die gesamten Hoffassaden überwuchert, bemühe man sich bei den Arbeiten zu erhalten, versprach Hotelchefin Reitterer.

  • Die Mehrkosten gegenüber einem "konventionellen" Hotelbau liegen bei etwa zehn Prozent. Insgesamt dürften sich die Investitionen jedoch innerhalb von acht Jahren amortisieren, erwarten...
    bilder: hotel stadthalle

    Die Mehrkosten gegenüber einem "konventionellen" Hotelbau liegen bei etwa zehn Prozent. Insgesamt dürften sich die Investitionen jedoch innerhalb von acht Jahren amortisieren, erwarten...

  • ...Energieplaner Gerhard Heiling und Hotelchefin Michaela Reitterer (re.), die am Donnerstag gemeinsam mit Stadträtin Ulli Sima die Pläne präsentierten.

    ...Energieplaner Gerhard Heiling und Hotelchefin Michaela Reitterer (re.), die am Donnerstag gemeinsam mit Stadträtin Ulli Sima die Pläne präsentierten.

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