Signa Holding wächst kräftig

18. September 2008, 14:17
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Immo-Investor Benko sieht sich als "Profiteur" der Finanzkrise, da es zur Zeit weniger Konkurrenz und günstige "Schnäpp­chen" am Markt gibt

Wien - In der massiven internationalen Immobilien- und Finanzkrise sieht sich der österreichische Immo-Investor Rene Benko als "Profiteur", da man nun leichter günstige "Schnäppchen" erwerben kann und sich am Immobilienmarkt weniger Konkurrenten tummeln. Dafür sind Refinanzierungen um ein halbes Prozent teurer als sonst, sagte der Tiroler am Donnerstag im Klub der Wirtschaftspublizisten in Wien.

Der 31-jährige Unternehmer hat heuer bereits eine halbe Milliarde Euro investiert, bis Jahresende soll die Milliarde voll sein: "Wir haben einige hundert Millionen Euro in der Kriegskasse." Benko steckt das Geld seiner Signa Holding bevorzugt in den relativ stabilen gewerblichen Markt in Wien bzw. Österreich, verfolgt seine Projekte u.a. in Italien, Deutschland - und jetzt auch in London.

In der Londoner City steht der Erwerb von zwei größeren, langfristig vermieteten Bürohäusern in Verhandlung im Volumen von je 150 bis 200 Mio. Pfund (189 bis 252 Mio. Euro). Bei einem Kauf wird dafür ein eigener Fonds gegründet werden, derzeit laufen zehn.

"Selfmade-Millionär"

In den USA sieht sich der "Selfmade-Millionär" schon länger intesiv um. In den nächsten zwei, drei Monaten werde er dort aber angesichts der Finanzkrise nichts kaufen, sondern einmal abwarten.

Durch die Krise kann man "in Europa jetzt zu günstigeren Preisen Immobilien einkaufen", außerdem sei "die Konkurrenz im großvolumigen Bereich jetzt eingeschränkt". Banken und Investoren seien in dem Krisen-Umfeld nervöser geworden. Bei ihm selbst läuft das Geschäft ungehindert: "Ich kann nach wie vor ohne Probleme eine dreistellige Millionen-Finanzierung bekommen, eben mit mehr Eigenkapitalquote."

Bei seinen Vorhaben liege die Eigenkapitalquote anfangs bei einem Drittel und sinke später bis auf ein Fünftel. 2005 bis 2007 seien bis zu 100 Prozent Fremdkapital möglich gewesen. An Eigenkapital habe er heuer bisher 300 Mio. Euro über Fonds und strategische Joint-Ventures etwa mit Raiffeisen einsammeln können. Mit dem teureren Refinanzieren könne er leben: "Gute Immobilien-Investments halten das aus - es schmälert aber meinen Gewinn."

Schlangestehen für Luxushotel in Wien


In die von ihm erworbenen drei "Bank-Zentralen" in Wien - das Bawag-Hauptgebäude Tuchlauben, die Ex-Länderbank-Zentrale Am Hof und die frühere "Z" in der Vorderen Zollamtsstraße - möchte der Immo-Investor Rene Benko insgesamt "jedenfalls mehr als eine halbe Milliarde Euro" stecken. 150 Mio. Euro Eigenkapital stünden dafür bereits in seiner Signa-Gruppe bereit, sagte der Tiroler am Donnerstag im Klub der Wirtschaftspublizisten in Wien.

Am Hof soll ein Luxushotel entstehen, dafür stünden potenzielle Betreiber derzeit Schlange, darunter etwa Ritz-Carlton, Kempinski, Mandarin Oriental. Baubeginn sei nicht vor Ende 2009, eine Fertigstellung sei 2011 möglich. Rund um die BAWAG schwebt Benko an den Tuchlauben und rückseitig in der Seitzergasse eine Fußgängerzone vor, eventuell auch überdacht. Dieses "Luxus-Karree" solle mit "edlen Shops" und gehobener Gastronomie ausgestattet sein. Eine Verbindung von Ex-Länderbank und Bawag-Gebäude sei sinnvoll, sollte sich das Hotel Richtung BAWAG ausdehnen. Die nun dem US-Investor Cerberus gehörende frühere Gewerkschaftsbank ist dort noch bis Herbst 2009 eingemietet. Für Länderbank und Z aus dem Bank-Austria-Immo-Imperium hat Benko dem Vernehmen nach 170 Mio. Euro gezahlt, die Liegenschaft Tuchlauben hat er schon früher von der BAWAG erworben.

Millionen-Investition in Wien

Den Wiener Immobilienmarkt sieht Benko als deutlich unterbewertet an. Preisrückgänge habe es bei den von ihm präferierten besten Innenstadtlagen keinerlei gegeben: "Das wird dort auch in Zukunft nicht passieren, weil es dafür immer wieder Käufer bzw. Nutzer gibt. Die Nachfrage nach 'Innenstadt-Perlen' wird bleiben." In Europa habe es logischerweise in London die stärkste Preiskorrektur nach unten gegeben, "London war aber auch am meister overpriced."

Die Buchwerte der heimischen börsenotierten Immobilien-Aktien bezeichnete Benko als durchwegs gut, die Aktienkurse lägen um die Hälfte darunter. Seine Signa-Gruppe, an der er selbst ein Prozent persönlich und weitere 52,5 Prozent über seine Stiftung hält (den Rest von 46,5 Prozent sein Geschäftspartner Karl Kovarik), überlege in Europa den Einstieg entweder bei einem größeren Immo-Unternehmen oder bei mehreren kleineren. An einer kleineren in Österreich, etwa Warimpex, ist er nicht interessiert, aber die steht ja auch nicht zum Verkauf. Die Signa-Gruppe zählt laut Benko europaweit mittlerweile 100 Mitarbeiter. Seine sechs Vorstände in den drei operativen AG's bekommen jeweils über eine Million Euro Jahresgage. Außerdem dürfen sie sich, über Stock-Options, zwischen 5 und 25 Prozent an den AG's beteiligen, inklusive anderer Spitzenmanager mit bis zu 30 Prozent. (APA)

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    Rene Benko

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