Käthe Leichter-Staatspreis an Eva Kreisky

18. September 2008, 14:55
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Frauenministerin Silhavy: Forscherin habe Geschlecht als soziale und politische Kategorie in der Politikwissenschaft verankert

Wien - Frauenministerin Heidrun Silhavy hat am Mittwochabend den Käthe Leichter-Staatspreis für Frauen, Geschlechterforschung und Gleichstellung in der Arbeitwelt an Univ.-Professorin Dr.in Eva Kreisky überreicht.

Die Professorin für Politikwissenschaften und Vorständin des Instituts für Politikwissenschaft habe den Weg von Käthe Leichter aufgenommen und konsequent weiter geführt. "Sie hat Geschlecht als soziale und politische Kategorie in der Politikwissenschaft verankert", betonte Silhavy.

Kreiskys Beitrag zur Frauenpolitik

Kreisky zeige in ihrer Arbeit ganz deutlich die dramatische Auswirkung des Neoliberalismus, als Projekt männlicher Eliten, auf das Geschlechterverhältnis. Sie mache offensichtlich, dass für die Wirtschaft nur noch männliche Prinzipien wie Flexibilität, Leistungsorientierung und Durchsetzungsvermögen gelten, während Frauen ins "Private" gedrängt werden und sich damit traditionelle Geschlechterrollen verfestigen. "Mein Wunsch ist es, dass Frauen sich nicht an männliche Strukturen anpassen müssen, sondern dass Frauen die Welt verändern. Eva Kreisky leistet enorm wichtige Arbeit für die Frauenpolitik", sagte Silhavy.

Pionierin

Silhavy betonte die Bann brechende Beutung von Käthe Leichter (1895 - 1942), der ersten Frauenreferentin der österreichischen Arbeiterkammer, für die Entwicklung der Frauenpolitik. "Sie ist die erste gewesen, die sich mit der Situation, vor allem der einfacheren Frauen, auseinander gesetzt hat und deren Erfahrungen in den Mittelpunkt von Analysen und Erhebungen gestellt hat." Leichter habe als erste das Thema Frauen nicht aus der Perspektive der Männer abgehandelt, was auch auf eigene Lebenserfahrung zurück zu führen war: Leichter musste sich etwa ihre Zulassung zum Studium erst gerichtlich erstreiten.

Weitere Preisträgerinnen

 

Die vier Käthe Leichter-Preise 2008 der Österreichischen Nationalbank, des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung, des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur und der Arbeiterkammer Wien gingen an, Mag.a Dr.in Johanna Hofbauer, a. o. Univ.-Professorin am Institut für Soziologie und empirische Sozialforschung der Wirtschaftsuniversität Wien; an MMag.a Dr.in Gabriele Michalitsch, Lehrbeauftragte an der Wirtschaftsuniversität Wien und am Institut für Politikwissenschaft; an Direktorin Mag.a Viktoria Kriehebauer Schulleiterin der Höheren Lehranstalt für Wirtschaftliche Berufe und der Schule für Wirtschaft und Tourismus "HLW/HLT Wassermanngasse" in Wien; und an Dr.in Michaela Judy, Leiterin der Volkshochschule Ottakring. (red)

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Käthe Leichter-Staatspreis

Der Käthe Leichter-Preis wird seit 1991 vergeben. Er geht auf die Initiative von Univ.-Doz. Dr. Herber Steiner, dem Gründer der Internationale Tagung der Historiker der Arbeiterbewegung (ITH) und Mitbegründer und erstem Leiter des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes zurück. Die Realisierung des Preises wurde von der damaligen Frauenministerin Johanna Dohnal unterstützt.

Über die Vergabe des Preises entscheidet eine Jury. Sie ist unter anderen zusammen gesetzt aus Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Frauen- und Geschlechterforschung sowie maßgeblichen Persönlichkeiten der Interessenvertretungen der ArbeitnehmerInnen und anderer PreisstifterInnen.

  • Der frauenspezifische Zugang zur Arbeitswelt, die Geschlechterforschung
und das Schließen der Gehaltsschere zwischen Männern und Frauen seien
auch heute Kernthemen der Frauenpolitik, hieß es als Begründung für die
Vergabe an Eva Kreisky.
    foto: standard/regine hendrich
    Foto: Standard/Regine Hendrich

    Der frauenspezifische Zugang zur Arbeitswelt, die Geschlechterforschung und das Schließen der Gehaltsschere zwischen Männern und Frauen seien auch heute Kernthemen der Frauenpolitik, hieß es als Begründung für die Vergabe an Eva Kreisky.

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