Installation thematisiert Inzest in Amstetten

18. September 2008, 12:31
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In Rom ergründet die Kunst-Installation "Im Namen des Vaters" psychologische Mechanismen von schockierenden Fällen

Rom - Der Inzestfall in Amstetten ist in Rom zum Thema einer Kunstinstallation geworden. Ein Fotograf, ein Regisseur und ein Journalist haben sich mit dem Fall auseinandergesetzt, indem sie die psychologischen Mechanismen von schockierenden Fällen und die Rolle der Medien ergründen. "Im Namen des Vaters" ist der Titel der Installation, die im Herzen Roms bis 29. September zu sehen ist.

Die Installation ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil hat man Zugang zu einem Würfel. Die Wände, der Boden und die Decke sind mit Zeitungen, Zeitschriften und Bildern über den Inzestfall bedeckt. Der Besucher kann auch die Stimme von Radio- und TV-Journalisten hören, die über den erschütternden Fall berichten.

Ein kleiner Gang führt zu einem größeren Würfel. Im Mittelpunkt befindet sich eine Pyramide aus 24 Fernsehschirme. "Es sind 24, wie die Jahre, die Elisabeth F. im Keller verbracht hat", sagt Alessandro Geraldini, Sprecher der Gruppe, die die Installation entworfen hat. Die Bildschirme senden ein einziges Bild in verschiedenen Farben: Das Bad und das Wohnzimmer im Keller. Rundherum hört man die Geräusche eines normalen Tags.

In einem dritten Saal sieht man sieben Bilder, die das "Monster" zeigen. Die Rollen werden vertauscht, der Peiniger wird lächerlich gemacht und in Sündenbock umgewandelt. Die Atmosphäre ist surreal und enthält eine Anspielung an Aristoteles, der die Tragödie als "Mimesis" betrachtet: Indem der Zuschauer intensiv Leidenschaften erlebt, befreit er sich davon und fühlt sich erleichtert und bereinigt. Die Information ist verdaut.

"Mit dieser Installation wollen wir zum Nachdenken anregen und die Reaktionen ergründen, die schockierende Nachrichten in den Menschen auslösen. Wir haben den Fall von Amstetten gewählt, nicht um Österreich zu kriminalisieren, sondern um die psychologischen Mechanismen zu vertiefen und erforschen, die die Medien mit ihren beängstigenden Berichten auslösen", sagt Geraldini. (APA)

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