Johanna Dohnal: Große Koalition "schrecklich"

18. September 2008, 12:15
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ÖVP sehe Frauen nicht als Individuen, meinte die Pionierin österreichischer Frauenpolitik bei der Präsentation ihrer "Innensichten österreichischer Frauenpolitiken"

Wien - Für die SPÖ-Frauenrechtlerin Johanna Dohnal ist die Große Koalition "schrecklich". Nicht zuletzt, weil die ÖVP Frauen nach wie vor nicht als Individuen sehe. An die Ankündigung der Volkspartei, ein einkommensabhängiges Karenzgeld einführen zu wollen, will sie nicht so recht glauben, wie sie erklärte.

Partei mit ähnlicher Basis suchen

Dohnal präsentierte am Mittwochabend ihr Buch zu den "Innensichten österreichischer Frauenpolitiken" im Bruno-Kreisky-Forum in Wien. Eine Wunschregierung für Dohnal wäre eine SPÖ-Alleinregierung, da sich diese aber nicht ausgehen werde, müsse man eben eine andere Partei mit einer ähnlichen Basis suchen, um eine Regierung zu bilden.

Zum Abgang von Noch-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, als dessen Anhängerin sie gilt, wollte sie nicht Stellung nehmen. Sie schätze Gusenbauer nach wie vor sehr und werde sicher noch kundtun, was sie sich über die SPÖ-internen Vorgänge der letzten Monate denke - allerdings erst nach den Wahlen, sagte Dohnal. Jetzt gehe es erst einmal darum, dass die SPÖ gewinne, betonte sie bei der Präsentation ihres Buches.

Rückblick auf zwei Jahrzehnte Frauenpolitik

Das von Erika Thurner und Alexandra Weiss herausgegebene Werk ist eine Sammlung von Vorlesungen, die die Frauenrechtlerin als Gastprofessorin an der Universität Innsbruck 2006 und 2007 gehalten hat. Dohnal wirft dabei humorvoll und teils recht persönlich einen Rückblick auf zwei Jahrzehnte Frauenpolitik - angefangen von den Reformen der 1970er Jahre über die Institutionalisierung der Frauenpolitik als eigenes Politikfeld bis hin zur Zusammenarbeit mit der Autonomen Frauenbewegung und den Auseinandersetzungen innerhalb der SPÖ.

Eine Kostprobe gab es in Form einer Lesung durch Kammerschauspielerin Elisabeth Orth. Danach erinnerte sich die ehemalige Ministerin im Podiumsgespräch mit Journalistin Christa Zöchling an ihren Karriereverlauf zurück. Ihr frauenpolitisches Engagement erklärte sie einerseits damit, dass sie schon immer einen "inneren Gerechtigkeitssinn" gehabt habe. Außerdem hätten sie auch ihre persönliche Erlebnisse - Dohnal heiratete sehr früh und wurde Mutter zweier Kinder - geprägt.

"Schreckliche Große Koalition"

Für ihr Ausscheiden aus der Politik im Jahr 1995 seien mehrere Faktoren, unter anderem die Große Koalition, die "schrecklich" sei, sowie Umbildungen innerhalb ihrer eigenen Partei verantwortlich gewesen.

Dohnal wurde am 14. Februar 1939 in Wien geboren. Nach der Pflichtschule erlernte sie den Beruf eines Industriekaufmannes und arbeitete als kaufmännische Angestellte.

Sie war zunächst bei den Kinderfreunden, später als Bezirksrätin, tätig. 1972 wurde sie Wiener Landesfrauensekretärin der SPÖ, 1973 Abgeordnete des Wiener Landtages und Gemeinderates. Bruno Kreisky holte sie 1979 als Staatssekretärin für Frauenfragen in die Regierung, elf Jahre später wurde - unter Franz Vranitzky - das Staatssekretariat zum Ministerium aufgewertet.

1987 wurde Dohnal auch Bundesvorsitzende der SPÖ-Frauen und stellvertretende Parteivorsitzende. Johanna Dohnal ist geschieden, Mutter zweier Kinder, und lebt heute in Niederösterreich. (APA)

Johanna Dohnal. Innensichten österreichischer Frauenpolitiken. Innsbrucker Vorlesungen.

Die Pionierin österreichischer Frauenpolitik gibt in diesem Werk einen Überblick über die Entwicklung von Frauenpolitik in Österreich von den ersten frauenpolitisch relevanten Reformen der 1970er-Jahre über die Institutionalisierung der Frauenpolitik als eigenem Politikfeld bis hin zur Zusammenarbeit mit der Autonomen Frauenbewegung und den Auseinandersetzungen innerhalb der SPÖ.

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Studienverlag

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    Foto: APA/Barbara Gindl

    Dohnals "Innensichten" ermöglichen Einblicke in die Mechanismen österreichischer Politik sowie deren männlich geprägte Strukturen.

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