"Lieber bankrott, als in den Händen von Banditen"

18. September 2008, 17:44
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Alitalia-Rettung ist am Donnerstag gescheitert - Als Lösung bleibt nur das Grounding, auch wenn die Gewerkschaften eine Fortsetzung des Flugbetriebs garantierten

Die Chance auf Sanierung der maroden Alitalia geht gegen Null. Der Präsident der Compagnia Aerea Italiana (CAI), Roberto Colaninno, hat am Donnerstag das Kaufangebot für die "neue Alitalia" zurückgezogen, nachdem das von Colaninno gesetzte Ultimatum um 16 Uhr abgelaufen war.
Damit bleibt der italienischen Fluggesellschaft als einzige Lösung das "Grounding" - auch wenn die Gewerkschaften vorerst eine Fortsetzung des Flugbetriebs garantierten. Die Linksgewerkschaft CGIL und die Pilotengewerkschaft ANPAC hatten noch kurz vor Ablauf des letzten Ultimatums einen letzten Versuch unternommen, den Dialog offenzuhalten, und ein Gegenangebot (mit geringeren Gehaltskürzungen und weniger Entlassungen) zu jenem der CAI eingereicht und diese zur Überprüfung ihrer Offerte aufgerufen. "Der Beschluss der Investorengruppe, das Angebot zurückzunehmen, ist äußerst dramatisch. Dieses Verhalten ist unbegreiflich, weil es Lösungsmöglichkeiten gab. Wir wenden uns jetzt an den Sonderkommissar der Alitalia in der Hoffnung, das Unternehmen so lang wie möglich noch am Leben zu halten" , sagte ANPAC-Sprecher Fabio Berti.

Den Verhandlungsabbruch feierten die Piloten schließlich: "Lieber bankrott als in den Händen von Banditen" , betonte ein Piloten-Sprecher. Im Zuge der CAI-Rettung wären 1000 der 3000 Piloten-Stellen gestrichen worden.

Colaninnos "Aus" kam nicht überraschend, er hatte bereits zu Wochenmitte gedroht, sein Übernahmeangebot für die überlebensfähigen Teile der sonst konkursreifen Airline zurückzuziehen, falls die Belegschaft den Sanierungsplan "Phönix" nicht akzeptiere. Am Abend machte er ernst, weil nur drei Gewerkschaftsgruppen zustimmten, sechs für ihre Schützlinge aber bessere Bedingungen herausholen wollten.

Alitalia-Sonderverwalter Augusto Fantozzi leitete am Donnerstag das Verfahren ein, um Teile der Belegschaft der Fluggesellschaft auf Kurzarbeit umzustellen. Betroffen ist das Personal von 34 Maschinen, die wegen der finanziellen Schwierigkeiten der Alitalia nicht mehr fliegen. Die Kurzarbeit wird in Phasen 831 Piloten, 1.383 Flugbegleiter und 2072 Mitglieder des Bodenpersonals betreffen.

Mehr als fraglich ist, ob Ministerpräsident Silvio Berlusconi noch vermitteln kann. Er hatte im Frühjahr die Übernahme durch AirFrance-KLM vereitelt und das Klima mit CGIL vergiftet, indem er ihr politische Motive für die Ablehnung unterstellte. Nun läuft der Countdown: Der 300-Millionen-Euro-Überbrückungskredit ist verbraucht. Geld für Kerosin gibt es nur mehr bis Ende September.  (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, Printausgabe, 19.9.2008)

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    Erstmals wurden Alitalia-Mitarbeiter auf Kurzarbeit gesetzt. Wie es bei der Airline weitergeht, weiß niemand.

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