Flug Wien-Brüssel einfach

17. September 2008, 19:34
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In der EU-Hauptstadt wird kräftig genetzwerkt. Die politischen Fäden laufen natürlich auch nach Brüssel, werden aber weniger offensichtlich gezogen als in der Heimat

In der EU-Hauptstadt wird kräftig genetzwerkt. Die politischen Fäden laufen natürlich auch nach Brüssel, werden aber weniger offensichtlich gezogen als in der Heimat. Die Rückkehr dorthin gestaltet sich oft schwierig.

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Wien - Die Karriereleiter sind schon viele Austrokraten in Brüssel hinaufgeklettert. Obwohl sie Österreicher sind, wie oft geätzt wird. Denn die strategische Förderung nationaler Kader in den EU-Institutionen stand lange Zeit nicht im Fokus der Wiener Regierung. Vor allem der etwa bei Briten oder Franzosen massiv geförderte Austausch zwischen der eigenen Hauptstadt und der EU-Metropole funktioniert kaum.

"Aus den Augen aus dem Sinn", beschreibt ein Brüssel-Kenner den Umstand, dass Heimweh-geplagtes Personal in Österreich oft Klinken putzen muss. Ausnahmen bestätigen die Regel: Michael Losch gelang der Sprung vom Fischler-Kabinett zum Sektionschef im Wirtschaftsministerium; Stefan Lehne, Osteuropa- und Balkan-Stratege von EU-Chefdiplomat Javier Solana, wurde kürzlich als politischer Direktor ins Außenamt geholt.

Weniger glimpflich verlief die Rückkehr von Wolfgang Burtscher, der nach seiner Bestellung zum Verfassungsrichter nach vier Monaten die Koffer packte und zurück in die EU-Generaldirektion Landwirtschaft zog. Außer für Trainees, die meist von Kammern oder Ministerien geschickt werden, ist der Schritt nach Belgien oft mit einem Einfach-Ticket verbunden.

Erst Wolfgang Schüssel und dann Alfred Gusenbauer widmeten sich verstärkt den Europa-Ressourcen - zuletzt Signal dafür war der Wechsel von Judith Gebetsroithner, Gusenbauers Frau in Brüssel, vom Kabinett der Kommissarin Benita Ferrero-Waldner in die EU-Vertretung, wo sie die Abteilung für "Personalagenden in den Institutionen" leitet. Da trifft es sich gut, dass mit Leopold Radauer ein Gesinnungsgenosse die Personalagenden im Rat der Mitgliedsstaaten verantwortet. Auch die Achse zum früheren ÖGB-Mann, Heinz Zourek, der nun als Generaldirektor für Unternehmen und Industrie als ranghöchster Österreicher in EU-Diensten fungiert, ist mehr als stabil. Die Ständige Vertretung ist seit der Bestellung von Hans-Dietmar Schweisgut ohnehin rot geführt. In der Frankfurter EU-Institution Europäische Zentralbank sitzt mit Gertrude Tumpel-Gugerell ebenfalls eine gestandene Sozialdemokratin im Direktorium.

Da haben es die Schwarzen - trotz VP-Kommissarin - nicht leicht. Richard Kühnel wurde kürzliche von Ferrero an die Spitze der EU-Mission in Wien gehievt. Die Fäden werden von Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung gezogen, die als effiziente Vermittler eigenen Corps an Institutionen und Europaabgeordnete gelten. So schleuste die IV einst Harald Friedl bei Ferrero ein, bevor dieser in die Pressestelle von Wilhelm Molterer wechselte - ein kleines Dankeschön für die industrielle Unterstützung im Präsidentschaftswahlkampf. Vor allem die VP-Mandatare unter Othmar Karas sind dankbare Abnehmer von Personalnachwuchs aus der Wirtschaft. Und zeigen sich dafür auch erkenntlich.

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