Mondsee-Verkauf - Besitzerin: Angebot der Bundesforste war eine "Frechheit"

17. September 2008, 18:24
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Verhandlungen droht der Untergang - Besitzerin ist nicht mehr bereit, mit Vertretern der Bundesforste zu verhandeln - Kaufpreis: Über zehn Millionen

 Die Diskussion rund um den Mondsee-Verkauf gewinnt an Schärfe. Besitzerin Nicolette Waechter droht jetzt, einem klärenden runden Tisch nicht beizuwohnen, sollten dort Vertreter der Bundesforste Platz nehmen.


Linz - Ein runder Tisch am 13. Oktober zum vieldiskutierten Mondsee-Verkauf sollte eigentlich die Wogen glätten. Doch jetzt scheint plötzlich fraglich, ob es überhaupt zu diesem Treffen unter der Federführung von Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) kommen wird. Mondsee-Besitzerin Nicolette Waechter ist nicht mehr bereit, mit Vertretern der Österreichischen Bundesforste (ÖBf) zu verhandeln, für Pühringer ist ein runder Tisch aber nur mit den Bundesforsten vorstellbar.


Hintergrund der verhärteten Fronten zwischen Waechter und den Bundesforsten dürfte ein ÖBf-Angebot sein, dem die Mondsee-Besitzerin bereits vor zwei Monaten eine klare Abfuhr erteilte. Die Bundesforste hatten angeboten, die Bewirtschaftung des 14 Quadratkilometer großen Sees für zwei Jahre unentgeltlich zu übernehmen - mit einer Kaufoption für danach. Für Waechter "gelinde gesagt eine Frechheit".


Kein Angebot, kein Gespräch

Landeshauptmann Pühringer, der in den Bundesforsten den "idealen Käufer" sieht, schlüpfte daraufhin in die Vermittlerrolle und lud zur Aussprache.
"Natürlich bin ich prinzipiell zu einem Gespräch bereit. Aber warum soll ich mit jemandem verhandeln, der bereits aus dem Rennen ist. Ich will Vertreter aller Landtagsfraktionen dabeihaben, die Bundesforste brauche ich nicht. Deren Angebot ist vom Tisch", stellt Waechter im Gespräch mit dem Standard klar. Nachsatz: "Sollte jemand vom ÖBf dabei sein, kann man mit mir nicht rechnen."

Kaufpreis: Über 10 Millionen


Doch nicht nur auf die Bundesforste ist Waechter derzeit schlecht zu sprechen. "Auch auf den Herrn Landeshauptmann bin ich sauer. Er hat stets von 15 Millionen Euro Kaufpreis für den Mondsee gesprochen, obwohl ich ihm ein deutlich niedrigeres Angebot genannt habe. Und gesagt habe, dass ich mit dem Preis heruntergehe, sollte das Land kaufen", sagt Waechter verärgert. Wie hoch der Landespreis für den See ist, will sie aber nicht verraten: "Nur so viel, es sind über zehn Millionen Euro."


Pühringer, übrigens jeden Sommer mit eigenem Wohnwagen am Campingplatz am Mondsee anzutreffen, stellt auf Standard-Anfrage klar, den kolportierten Preis von 15 Millionen Euro "den Medien entnommen zu haben". Außerdem sei eine Preisdiskussion "unnötig", da es dafür erst entsprechende Gutachten brauche.


"Republik nicht brüskieren"


Und wer am runden Tisch Platz nimmt, sei bereits fixiert. "Die Einladungen sind draußen. Und es bestimmt immer noch der Einlader die Einladungsrunde", lässt Pühringer keine Zweifel offen, dass auch die ÖBf geladen wurden. "Die verwalten bereits drei Salzkammergut-Seen und haben somit die meiste Erfahrung und vor allem die nötige Infrastruktur." Und wie sinnvoll ist ein runder Tisch, an dem die Verkäuferin vielleicht nicht teilnimmt? Pühringer: "Ich lege Frau Waechter nahe, nicht die Bundesländer Oberösterreich und Salzburg sowie die Republik Österreich zu brüskieren."


Einigkeit herrscht bei den Einladungen zumindest bei den Salzburgern. Dort hat man Ende August ein Interesse am Mondsee bekundet und sich auch einer bundesländerübergreifenden Lösung gemeinsam mit Oberösterreich nicht verschlossen. "Eine Möglichkeit, die für mich vorstellbar ist. Kollegen der Salzburger Landesregierung sind am 13. Oktober auf jeden Fall dabei." Und da würde auch Nicolette Waechter kommen: "Gegen eine gemeinsame Lösung mit Salzburg habe ich gar nichts."


Die Reaktion der Bundesforste fällt knapp aus: Eingeladen habe das Land Oberösterreich, und man werde dieser Einladung "natürlich gerne Folge leisten". (DER STANDARD Printausgabe 18.9.2008)

 

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