Innsbrucker zittern um ihr Geld bei AIG

17. September 2008, 18:58
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Finanzkrise erfasst Cross-Border-Deals der Innsbrucker Kommunalbetriebe und Tiwag

Wien - Der Beinahe-Kollaps des US-Versicherungsriesen American Insurance Group (AIG) treibt nicht nur österreichischen Bankern und Versicherern Schweißperlen auf die Stirn. Auch bei Energieversorgern und Kommunalbetrieben steigt die Nervosität.

Der Grund: Die im vergangenen Jahrzehnt zuhauf abgeschlossenen Cross-Border-Leasings (CBL), mit denen Strom- und Kanalnetze ebenso steuerschonend an US-Trusts verleast und zurückgemietet wurden, wie Kraftwerke, Waggons und Lokomotiven. Nun zittern viele dieser Leasing-Nehmer um ihr Geld - allen voran die zu 49 Prozent plus einer Aktien im Besitz der Tiwag stehenden Innsbrucker Kommunalbetriebe (IKB). Die haben ihr Strom- und Kanalnetz samt Kläranlage 2002 auf vier CBL-Tranchen verteilt für 250 Jahre an US-Partner verleast und für 29 Jahre rückgemietet. Eine der Depotbanken, bei der ein Teil des Verkaufserlöses (laut Insidern rund 190 Mio. Euro, mit denen die Leasingraten bedient werden) veranlagt wurde, ist: die AIG. Das Transaktionsvolumen betrug seinerzeit 358 Mio. Dollar (wären derzeit 253 Mio. Euro), der erzielte Barwertvorteil 15,58 Mio. Euro).

Bei der IKB kalmiert man. "Das Depot ist sicher, weil die AIG zu 80 Prozent von der US-Notenbank übernommen wurde", versichert IKB-Vorstandsdirektor Harald Schneider. Das IKB-Geld "eines Equity-Depots" muss er bei AIG trotzdem abziehen und an ein sichereres Institut transferieren, räumt Schneider ein. Wohin? Die Berater seien diesbezüglich am Sondieren. Der Transfer kostet, denn laut CBL-Vertrag sind zusätzliche Besicherungen notwendig; man rechnet mit rund einer Million Euro. Insgesamt seien die CBL bisher aber völlig problemlos verlaufen. Dass die IKB Besicherungen in zweistelliger Millionenhöhe bereitstellen muss bzw. selbst für die 190 Mio. Euro einstehen muss, stellte auch der stellvertretende IKB-Aufsichtsratspräsident, Tiwag-Chef Bruno Wallnöfer (er war beim CBL-Deal IKB-Chef, Anm.) in Abrede. Er kenne aber keine Details, er sei zu lang weg aus der IKB.

Was Wallnöfer auf Anfrage des STANDARD wortreich versichert: Dass die Lease-and-Lease-back-Transaktionen der Tiwag von der AIG-Krise nicht betroffen seien: "Für uns ist das sehr komfortabel. AIG ist zwar Partner der Tiwag bei den CBL, aber in der Rolle eines Kapitalgebers, sondern des Gläubigers. Kritischer wäre es, wäre die AIG die Depotbank der Tiwag." Denn dann müsste man Haftungen und Absicherungen bereitstellen oder Gelder abziehen.


CBL-Experte, Rechtsanwalt Christian Klausegger von der Kanzle Binder-Grösswang sieht keinen Grund zur Panik: Die meisten CBL-Nehmer hätten mit dem Erlös ohnehin Rückstellungen gemacht, die jährlich ertragswirksam aufgelöst werden können. Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe,18.9.2008)

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