Akademische Fortbildung für KindergärtnerInnen hängt in der Luft

19. September 2008, 14:50
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Graz hatte für Herbst einen entsprechenden Hochschullehrgang geplant gehabt - Wirrnisse um die Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern sorgen nun für Verzögerung

Vor einem Jahr wurden die Pädagogischen Hochschulen (PH) errichtet - dies machte erst möglich, dass die Fortbildung für KindergärtnerInnen auf universitärem Sektor stattfinden kann. Doch  Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern werfen nun neue Fragen auf. 

Laut Gesetz sind die PHs dazu angehalten, Lehrgänge und Hochschullehrgänge "zur Fort- und Weiterbildung und in allgemein pädagogischen Angelegenheiten der Betreuung von Kindern und Jugendlichen einzurichten".  Mit dem Lehrgang "Frühe Bildung" wollte die PH Graz - und dem Vernehmen nach auch die PH Wien - ab Herbst den ersten gemeinsamen Hochschullehrgang für KindergartenpädagogInnen und LehrerInnen anbieten. Doch dieser Lehrgang kommt vorerst nicht zustande.

Finanzierung ungeklärt

Wirrnisse um die Zuständigkeiten für KindergärtnerInnen und LehrerInnen etwa in Bezug auf die Finanzierung sind ein Grund dafür, dass der 60 ECTS (European Credit Transfer and Accumulation Systemumfassende) Lehrgang  vorerst auf Eis gelegt wird. Denn: Für die Lehrerfortbildung ist der Bund zuständig - für die Fortbildung der KindergartenpädagogInnen das Land. Nicht zuletzt stellt sich auch die Frage: Werden KindergartenpädagogInnen, die eine akademischen Abschluss vorweisen können, auch entsprechend bezahlt?

Unterscheidung zwischen Ausbildung und Fortbildung

Während die Länder für die Fortbildung der KindergärtnerInnen zuständig sind, ist es Aufgabe des Bundes, für die Ausbildung der KindergartenpädagogInnen zu sorgen und den LehrerInnen kostenlose Fortbildung zu ermöglichen. Zu unterscheiden ist also Ausbildung und Fortbildung. Die Ausbildung der KindergartenpädagogInnen erfolgt derzeit in den Bildungsanstalten für Kindergartenpädagogik (BAKIP).

Der akademische Lehrgang "Frühe Bildung" wäre laut Ministerium als Fortbildung zu werten. Während der Bund die Kosten für die Lehrer übernehmen würde, sei es Aufgabe der Länder, Gemeinden oder auch der privaten Leistungsträger, die Kosten für die KindergärtnerInnen zu tragen.

Aus dem Unterrichtsministerium heißt es gegenüber derStandard.at, entsprechend der verfassungsmäßigen Vorgaben müsse eine Mischfinanzierung angedacht werden. Für die Lehrer solle also der Bund aufkommen - für die KindergartenpädagogInnen das Land, die Gemeinden oder private Leistungsträger. Zudem müsse auch die jeweilige Pädagogische Hochschule selbst einen Teil der Kosten tragen. Entsprechende Verhandlungen werden derzeit geführt.

Private Ausbildung in Linz

Was an der öffentlichen PH in Graz noch ein Wunschtraum ist, ist an der privaten Privaten Pädagogische Hochschule der Diözese Linz vorerst Realität. Dort existiert ein akademischer Lehrgang für Frühe Bildung an dem sowohl KindergärtnerInnen als auch GrundschullehrerInnen teilnehmen. Die künftigen "akademischen KleinkindpädagogInnen" müssen für den zweijährigen berufsbegleitenden Lehrgang 3.650 Euro berappen. Rechtlichen Anspruch auf eine finanzielle Besserstellung  haben die künftigen AbsolventInnen jedoch nicht: "Wir haben von vorne herein gesagt, dass sie keinen Anspruch auf Verbesserung haben und trotzdem kommen die Leute", sagt Rektor Hans Schachl im Gespräch mit derStandard.at. Gerade in dieser Berufsgruppe gäbe es viele Idealisten, so Schachl.

Keine Besserstellung zu erwarten

Dieser Diskrepanz ist man sich auch im Ministerium bewusst: "Es ist eine Gratwanderung: Einerseits ist dies Fortbildung wirklich gut und wichtig, andererseits muss man offen und ehrlich sagen, dass sich die Gehaltssituation durch die Zusatzqualifikation nicht ändert", so ein Mitarbeiter des Ministeriums. Die Löhne für akademisch ausgebildete KindergartenpädagogInnen müssten aber gesondert verhandelt werden, dies sei Aufgabe der Standesvertretungen und der Länder.

Der Lehrgang "Frühe Bildung" ist durchaus als ein erster kleiner Schritt in Richtung akademische Ausbildung für KindergärtnerInnen zu sehen. Wiewohl der Weg dorthin ein steiniger sein wird. Ob der Lehrgang an der privaten PH in Linz ein weiteres Mal starten darf, ist nämlich auch strittig. Die Krux an der Geschichte: "Die Ausbildung für Lehrer gehört  in den öffentlich-rechtlichen Bereich und müsste somit kostenlos sein", so Schachl. (Katrin Burgstaller/derStandard.at, 18. September 2008)

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    Viele KindergärtnerInnen würden sich gerne höher qualifizieren - eine entsprechende Ausbildung bleibt jedoch in der Planungsphase stecken.

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