Observatorium in Niederösterreich wird auch das schwächer werdende Erdmagnetfeld erforschen

17. September 2008, 14:11
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Zweite Ausbaustufe in Muggendorf hat begonnen - bislang konzentrierten sich die Forscher vor allem auf Erdbeben- und Gezeitenforschung

Wien - Mit der zweiten Ausbaustufe des Conrad Observatoriums der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) wird das im Mai 2002 eröffnete Zentrum in Muggendorf bei Pernitz (NÖ) um eine Einheit für Geomagnetismus erweitert. Der symbolische Spatenstich für den Ausbau erfolgte am Mittwoch auf der Hohen Warte in Wien. Wissenschafter wollen mit dem Observatorium für Geomagnetismus (GMO), dessen Inbetriebnahme für 2011 geplant ist, "einen Beitrag zur Beobachtung des Weltraumwetters" liefern und rechtzeitig vor Sonnenstürmen warnen, die Störungen in der Nachrichtenübermittlung hervorrufen können.

Mit der ersten Baustufe des Conrad Observatoriums, die 2002 fertig gestellt wurde, konzentrierten sich die Forscher vor allem auf Erdbeben- und Gezeitenforschung. Der Ort bei Muggendorf wurde vor allem wegen der Entfernung zu Störquellen wie Verkehrswege oder Industrieanlagen ausgewählt. Zentraler Bauteil der bestehenden Anlage ist ein 150 Meter langer horizontaler Tunnel, in dem sich die Instrumentensockel für die Erdbeben-Sensoren befinden. Außerdem wurden vier vertikale Bohrlöcher (drei mit 100 und eines mit 50 Metern Tiefe) in den Berg getrieben, in die ebenfalls Seismometer hinabgelassen werden können. Schließlich wurde für das supraleitende Gravimeter - womit auch geringste Veränderungen der Erdanziehungskraft registriert werden können - ein großer unterirdischer Messraum geschaffen.

Inbetriebnahme rechtzeitig für Sonnenaktivitätsmaximum

Im Gegensatz zu diesen seismischen Instrumenten wird das GMO der Erforschung des Erdmagnetfeldes dienen. Unser Planet besitzt ein eigenes Feld, das durch Dynamowirkungen im flüssigen Teil des Erdinneren aufgebaut wird. Beeinflusst wird dieses irdische Magnetfeld unter anderem von Teilchen, die von der Sonne in Form des sogenannten Sonnenwindes kommen. Der Ausstoß dieser Strahlung variiert im Rhythmus der Sonnenaktivität im Abstand von etwa elf Jahren. 2011/2012 wird ein derartiges Maximum erwartet, dabei könnte es - wie auch schon in der Vergangenheit mehrfach passiert - zu Störungen elektrischer Anlagen bis hin zu Ausfällen etwa von Energieversorgungsnetzen kommen.

Unabhängig von der Sonnenaktivität beobachten die Wissenschafter seit einiger Zeit ein Schwächerwerden des irdischen Magnetfeldes, dessen Schutzfunktion vor den Sonnenwinden laut Peter Melichar von der ZAMG damit abnimmt. Die Ursachen dafür sind noch nicht erforscht.

Die Daten des Conrad Observatoriums werden auch in die Monitoringsysteme der UN-Atomtestbehörde CTBTO eingespeist. Die Kosten von rund sechs Millionen Euro für die neue Ausbaustufe übernimmt zu zwei Drittel das Wissenschaftsministerium und zu einem Drittel das Land Niederösterreich.  (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Computer-Animation vom Inneren des 150 Meter langen Tunnels von Muggendorf

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