Letztes Album von Esbjörn Svensson

17. September 2008, 13:58
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Fantastisches e.s.t.-Vermächtnis: "Leucocyte" macht Verlust nach dem tragischen Tod des Schweden für die Jazzwelt noch einmal deutlich

Wien - Es ist ein schwerer Abschied: Mit dem Album "Leucocyte" (ACT) hat das schwedische Jazztrio "e.s.t." seinen letzten Longplayer herausgebracht. Denn Namensgeber Esbjörn Svensson ist im Juni bei einem Tauchunfall ums Leben gekommen. Das durchgängig herausragende Album macht bewusst, wieviel neues Leben der schwedische Pianist noch für den Jazz hätte bringen können.

Exzess ohne Netz und Boden

Das Album wurde während einer Australien-Tournee aufgenommen und lag bereits Mitte Mai 2008 beim Label "ACT" vor. Nach dem plötzlichen Tod des Frontmannes kam der Longplayer posthum heraus. Und er zeigt Svensson und seine Mitmusiker, Preisträger des European Jazz Prize 2004, bei einem musikalischen Exzess ohne Netz und Boden: Es rumort in den Blutbahnen des Jazz, wie man es schon lange nicht gehört hat. Es kracht und jault und bleibt trotzdem strukturiert genug, um Elektronik-Gestus im Rhythmus und auch den einen oder anderen Ohrwurm mitzubringen.

Nichts für Puristen

Doch über lange Strecken widmen sich die Musiker psychedelischen Klangexperimenten, kratzen tief hinein unter die Oberfläche des Klanges und der Struktur, sie wüten und klagen. Nichts für Puristen, und wahrscheinlich über große Flächen auch nicht mehr das, was man gemeinhin unter Jazz versteht. Und dadurch umso besser.

Unmöglich bleibt es zu sagen, ob Svensson, Dan Berglund (b) und Magnus Öström (dr) den Zenit ihrer Kreativität mit dem Album schon erreicht hatten. Doch "Leucocyte" bleibt. Die letzten beiden Nummern heißen "Ad Mortem" und "Ad Infinitum". (APA)

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