Mehr Zeit nach dem Schlag

17. September 2008, 13:25
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Längere Möglichkeit zur Auflösung des Gerinnsels im Gehirn - Zweiter Schlaganfall lässt sich durch "Schienung" der Halsschlagader oder durch Operation verhindern

Wien/Heidelberg - Gute Nachrichten kurz vor dem Welt-Schlaganfall-Kongress mit rund 3.000 Teilnehmern in Wien (24. bis 27. September): Die derzeit wirksamste Therapie beim akuten Insult durch ein Gerinnsel in einem Blutgefäß des Gehirns - die Thrombolyse - lässt sich offenbar länger als bisher angenommen erfolgreich durchführen. Das haben britische Wissenschafter herausgefunden. Demnach lässt sich ein akuter Gefäßverschluss im Gehirn auch bis zu viereinhalb Stunden nach dem Auftritt von Symptomen erfolgreich behandeln.

Wettlauf mit Tod und Folgeschäden

Der Hintergrund: Rund 25.000 Menschen erleiden in Österreich pro Jahr einen Schlaganfall. Die Akuterkrankung ist immer ein Wettlauf mit Tod und drohenden Folgeschäden. Genauso wie beim Herzinfarkt kommt es darauf an, dass die Betroffenen am besten noch binnen 45 Minuten nach Auftreten der Symptome in eine spezialisierte Behandlungseinheit (Stroke Unit) kommt. Dort gibt es die Möglichkeit, ein im Gehirn aufgetretenes Blutgerinnsel mit Medikamenten aufzulösen (Thrombolyse mit dem Gentech-Arzneimittel rt-PA). Das bisher übliche Zeitfenster, innerhalb dessen man die Therapie noch durchführte, lag bei längstens drei Stunden (optimal: innerhalb von 90 Minuten).

Eine Stunde mehr Zeit

In einer großangelegten Studie, die vom britischen "Lancet" online veröffentlicht wurde, verglichen britische Wissenschafter die Resultate dieser Behandlung bei 664 Patienten, welche die rt-PA-Infusion erst drei bis viereinhalb Stunden nach dem Schlaganfall erhalten hatten, mit den Ergebnissen bei 11.865 Kranken, die binnen drei Stunden behandelt worden waren.

Fazit: Es gab praktisch keinen Unterschied. Die Sterblichkeit betrug 12,7 Prozent in der kleineren Gruppe und 12,2 Prozent in der großen Vergleichsgruppe. 58 beziehungsweise 56,3 Prozent der Patienten erholten sich vollständig. Wichtig sind die Ergebnisse vor allem deshalb, weil noch immer viele Betroffene beziehungsweise deren Angehörige zu lange bis zur Alarmierung des Notarztes warten.

Stents zur Vorbeugung

Neuigkeiten gibt es auch bei der Verhinderung eines zweiten Schlaganfalls. Laut einer unter Leitung von Wissenschaftern der Universitätsklinik Heidelberg in 33 Zentren in Deutschland, Österreich und der der Schweiz durchgeführten Vergleichsstudie mit 1.214 Patienten beugt man mit dem Implantieren eines Stents (Gefäßstütze) in die Halsschlagader oder einer Operation nach einem Insult gleichermaßen einem weiteren derartigen Zwischenfall vor.

Zwar sei das Risiko, in den ersten 30 Tagen einen weiteren Schlaganfall zu erleiden oder zu sterben, für die Stent-Patienten geringfügig höher, sagte Peter Ringleb, Oberarzt an der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg. Jedoch nicht so stark, dass von der Stent-Behandlung generell abzuraten sei. Ältere Patienten über 70 Jahren hatten der Studie zufolge ein etwas niedrigeres Risiko bei der operativen Behandlung.

Patienten unter 70 Jahren hatten ein niedrigeres Risiko bei der Behandlung mit einem Stent. Die Studie zeigt auch, dass zwischen dem fünften Tag nach dem Eingriff und dem Ende des Beobachtungszeitraums von zwei Jahren etwa jeder 50. Patient erneut einen Schlaganfall erlitt - sowohl nach einer Operation als auch nach einer Stent-Behandlung. (APA/dpa)

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    Nach einem erlittenen Schlaganfall kommt es vor allem auf eines an: Zeit

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