Wirtschaft in stürmischen Gewässern

17. September 2008, 11:20
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Die BA-CA-Experten sehen Österreichs Wirtschaft zur Zeit am Rande des Stillstands und erwarten einen "rauen Winter", 2009 soll es ähnlich aussehen

Wien  - Österreichs Wirtschaft bewegt sich im zweiten Halbjahr am Rande des wirtschaftlichen Stillstandes, befinden die Ökonomen der Bank Austria, nachdem der Konjunkturindikator der Bank im August zum sechsten Mal in Folge zurückgegangen ist. Mit einem Rückgang von 1,5 auf 1,3 Punkte hat der Indikator seinen Sinkflug prolongiert. Es ist dies der am längsten andauernde Rückgang seit 2001.

Der seit Monaten sinkende Indikator lasse darauf schließen, dass der österreichischen Wirtschaft ein längerer Konjunkturwinter beschert werden könnte als ursprünglich erwartet, so der stellvertretende Chefvolkswirt der Bank Austria, Stefan Bruckbauer, am Mittwoch in einer Aussendung.

Guter Jahresauftakt

Angesichts des guten Starts ins laufende Jahr halten die Ökonomen der Bank Austria aber an der Wachstumsprognose von zwei Prozent für 2008 fest. Die Eintrübung des internationalen Konjunkturklimas werde der heimischen Wirtschaft voraussichtlich aber stärker und länger zusetzen als bisher angenommen. Angesichts der jüngsten Entwicklungen auf den Finanzmärkten seien die Risiken für die Wachstumsaussichten zudem weiter abwärtsgerichtet.

"Die heimische Wirtschaft muss sich im kommenden Winter warm anziehen und erst gegen Mitte des nächsten Jahres wird das Konjunkturtal voraussichtlich durchschritten sein. Die österreichische Wirtschaft wächst 2009 bescheidene 1,2 Prozent", prognostiziert der stellvertretende Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer.

Eine entscheidende Rolle für die fortgesetzte Abnahme des Indikatorwerts spielten die ungünstigen internationalen Rahmenbedingungen, die auf die Stimmung in der europäischen Industrie drücken. Während die Industrie deutlich weniger Zuversicht zeige, habe sich die Stimmung der heimischen Konsumenten im August - wenngleich auf tiefem Niveau - stabilisiert.

Äußere Impulse schwächen sich ab

Die Industrie stehe in einigen Ländern vor einer Rezession und die Konjunkturrisiken im Zusammenhang mit der angespannten Lage im internationalen Finanzsektor als Folge der US-Immobilienkrise haben sich in den vergangenen Tagen noch erhöht. Nach Einschätzung der Ökonomen der Bank Austria werden die externen Konjunkturimpulse in den nächsten Monaten daher noch schwächer ausfallen als vor wenigen Wochen angenommen. Nur eine geringfügige Erleichterung versprechen dagegen die für die Exportwirtschaft verbesserte Wechselkursrelation zum US-Dollar und der jüngste Ölpreisrückgang.

Aufgrund des deutlichen Rückgangs der Ölpreise wurde die Inflationsprognose für den Jahresdurchschnitt 2008 geringfügig auf 3,3 Prozent gesenkt. Für 2009 erwarten die Ökonomen nun eine durchschnittliche Teuerung von 2,5 Prozent. Der träge Inflationsrückgang werde sich kaum positiv auf das verfügbare Einkommen der Haushalte auswirken und den Konsum daher nur wenig stimulieren. "Der Konsum wird voraussichtlich auch 2009 nicht das Potenzial haben, eine konjunkturelle Trendwende einzuläuten. Die Hoffnungen der österreichischen Wirtschaft ruhen einmal mehr auf möglichen Impulsen aus dem Ausland", so Bank-Austria-Ökonom Walter Pudschedl. (APA)

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