Präfekt von Pando festgenommen

16. September 2008, 19:31
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Leopoldo Fernández soll für Massaker an Regierungsanhängern mit mindestens 15 Toten verantwortlich sein - "Häuptling von Pando" regiert seit dreißig Jahren und ist reichster Mann der Provinz

La Paz - Einer der prominentesten Widersacher des bolivianischen Präsidenten Evo Morales, der Präfekt der Urwaldregion Pando, Leopoldo Fernández (56), ist wegen eines Massakers an Bauern und Studenten festgenommen worden. Soldaten hätten den als "Häuptling von Pando" bekannten Politiker, dessen Stellung entfernt der eines Landeshauptmannes ähnelt, in der Provinzhauptstadt Cobija etwa 1.200 Kilometer nördlich von La Paz in Gewahrsam genommen, berichtete das bolivianische Fernsehen.

Fernández widersetzt sich - wie die Präfekten der vier anderen von der Opposition dominierten Regionen Beni, Santa Cruz, Tarija und Chuquisaca - der von Morales betriebenen gerechteren Verteilung des Reichtums im Lande. Der Präsident möchte die wohlhabenderen Regionen im Osten und Süden des südamerikanischen Landes zugunsten der überwiegend verarmten Indigena-Mehrheit im westlichen Hochland zur Kasse bitten.

Reichster Mann in Pando

Die Festnahme von Fernández, der in den vergangenen 30 Jahren nicht eine Wahl verloren hat, könnte den gerade erst begonnenen Dialog zwischen Regierung und Opposition gleich wieder abwürgen. Fernández gilt als reichster Mann in Pando und soll vielen seiner Familienangehörigen lukrative Posten zugeschanzt haben. Als seine derzeit wichtigste Aufgabe hatte er die Durchsetzung einer weitgehenden Autonomie seines Departements von der Regierung in La Paz bezeichnet.

Morales bezichtigt Fernández, gedungene Mörder angeheuert zu haben, die am vergangenen Donnerstag nahe der Ortschaft Porvenir das Feuer auf Anhänger der Regierung eröffnet hätten. Nach Angaben der Regierung starben dabei mindestens 15 Menschen, 30 wurden verletzt und mehr als 100 gelten seither als vermisst. Augenzeugen berichteten von bis zu 30 Toten.

Nach Festnahme nach La Paz geflogen

Fernández, der der konservativen Partei Acción Democrática Nacionalista (ADN) angehört, hatte sich am Vortag bereiterklärt, notfalls auch die von Morales geforderte Gefängnisstrafe von 30 Jahren Haft zu akzeptieren - jedoch nur, wenn seine Schuld in einem fairen und rechtsstaatlichen Prozess festgestellt worden sei. Dies werde jedoch nicht gelingen, denn tatsächlich sei die Regierung in La Paz schuld an der Gewalt. Fernández wurde sofort nach der Festnahme nach La Paz geflogen. Am Montag hatte das Militär in Cobija bereits zwölf Personen festgenommen, die illegalen bewaffneten Banden angehört haben sollen. Auch sie wurden bereits nach La Paz geflogen.

Die Staats- und Regierungschefs der im Staatenbund Unasur organisierten Länder Südamerikas hatten bei einem Krisengipfel zu Bolivien am Vortag in Chile unter anderem auch die Einsetzung einer Kommission beschlossen, die die Geschehnisse von Porvenir untersuchen soll. Darüber hinaus vereinbarten sie, den Dialog in Bolivien sowohl als Vermittler als auch logistisch zu unterstützen. In der Sache stellten sie sich jedoch überraschend eindeutig hinter Morales und kritisierten dessen Gegner wegen der Gewalt gegen staatliche Einrichtungen und wegen der Missachtung der "legitimen" Regierung in La Paz. (APA/dpa)

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    Leopoldo Fernández, Präfekt von Pando

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    Ein bolivianischer Demonstrant fordert in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires die Inhaftierung Fernández' wegen Mordes.

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