"Tropic Thunder": Zum Schießen komisch

16. September 2008, 18:36
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Ben Stillers Kriegsfilmparodie "Tropic Thunder"

Wien - Fünf US-Schauspieler, engagiert für einen Vietnamkrieg-Blockbuster, werden im Dschungel ausgesetzt. Ihrem Regisseur geht es darum, ihre Reaktionen auf ein reales Umfeld aufzuzeichnen. Eine Idee, die den ahnungslosen Stars so fern ist wie das nächste Wellnesshotel dem Dschungelcamp.

In Tropic Thunder, dem jüngsten US-Komödienkassenschlager, der nun die hiesigen Kinos erreicht, geht es allerdings in mehr als einer Hinsicht um Menschen, die den Unterschied zwischen Fiktion und Realität nicht (mehr) erkennen: Der gefeierte Method-Actor Kirk Lazarus (Robert Downey Jr.) etwa hat sich einer Pigmentbehandlung unterzogen, um ganz der schwarze Sergeant zu werden, den das Drehbuch vorschreibt. Jetzt nervt er seinen afroamerikanischen Kollegen Alpa Chino (Brandon T. Jackson), weil er der authentischere "brother" sein will.

Der Actionheld Tugg Speedman (Ben Stiller) wiederum ist so überzeugend, dass er sogar echte Guerilleros täuschen kann. Keiner mimt Kampf und Sterben so pathetisch. Der weiße Filmproduzent schließlich will Gangsta-Rapper sein - Tom Cruise, der ein wenig aussieht wie Roland Düringer, lässt Humor erkennen und schüttelt sein künstlich vergrößertes Hinterteil rhythmisch zum Abspann-Rap.

Bis dahin werden in dem Film, den Stiller, der Schauspieler, der im Film einen Schauspieler spielt, mitgeschrieben und inszeniert hat, fortwährend verbale Nebelbomben gezündet. Das wechselseitige Nicht- oder Missverstehen steht nicht nur im Zusammenhang mit der Lautstärke. Man verheddert sich auch in aus Film und TV bekannten Formeln, in individuellen Ticks und kulturellen Codes. Unterminierung und Umwertung von Milieus erhalten hier eine weitere ziemlich komische Drehung.

Im echten Leben meldeten sich in den USA übrigens kurz nach Filmstart Behindertenvertreter zu Wort und protestierten gegen Diskriminierung. Dass sie dabei eine Parodie von Darstellungsformen (Tugg Speedman hat in der Rolle des Forrest-Gump-artigen Simple Jack relativ erfolglos den Wechsel ins ernste Fach versucht) mit der Verhöhnung von realen Handicaps verwechselten, passt so gut zum Film, dass man es fast für eine weitere seiner eigenen Windungen und Wendungen halten könnte. (Isabella Reicher/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17. 9. 2008)

Ab Freitag im Kino

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