Inflation - Gefühlte Ohnmacht

16. September 2008, 18:03
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Es ist der tägliche Einkauf, der den Konsumenten immer öfters die Schweißperlen auf die Stirn treibt - Von Günther Strobl

Es ist der tägliche Einkauf, der den Konsumenten immer öfters die Schweißperlen auf die Stirn treibt. Ob die Semmeln beim Bäcker, das Fleisch beim Metzger oder die Packung Nudeln im Laden ums Eck: Alles wird teurer. Dass auch die Strom- und Gaspreise kräftig gestiegen sind, nehmen die Kunden meist erst bei Eintreffen der Jahresabrechnung wahr, wenn es wieder einmal nachzuzahlen heißt und höhere Vorschreibungen für die Zeit danach ins Haus flattern. Dass elektronische Geräte billiger sind und auch Telefonieren und Faxen weniger kostet als vor einem Jahr, ist ein schwacher Trost, wenn gleichzeitig die Mieten in die Höhe schnalzen, weil sie indexgebunden sind, und die Inflation eben so hoch ist, wie sie ist. Gefühlte Ohnmacht.

Während die Ursachen der Inflation, nämlich der dramatische Anstieg der Rohstoffpreise seit dem Spätsommer 2007, rasch gefunden waren, ist es mit der Bekämpfung der Inflation schlecht bestellt. Bis auf Appelle an öffentliche Stellen, Tarife einzufrieren, und beschwörende Worte an Gewerkschaften, die anstehenden Lohnverhandlungen mit Augenmaß zu führen, gibt es wenig konstruktive Vorschläge.

Nun könnte ausgerechnet Rohöl, dessen Preisausschläge die Inflation dramatisch nach oben getrieben haben, für Entspannung sorgen. Seit Juli sind die Rohölpreise von einem Rekordstand bei fast 150 Dollar je Fass auf unter 100 Dollar gefallen - Folge der zunehmend düsteren Aussichten für die Weltwirtschaft. Geht das so weiter, könnte die Inflation bis Jahresende deutlich unter drei Prozent sinken. Die Arbeitslosigkeit aber wird steigen. Das ist die Kehrseite der Medaille, auch eine Art Ohnmacht. (Günther Strobl, DER STANDARD, Printausgabe, 17.9.2008)

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