Bisher keine Restitution der Bilder von Klimt und Nolde

16. September 2008, 17:59
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Provenienzforschung der Stadt Linz (noch) ergebnislos

Linz - "Wenn die Faktenlage eindeutig ist, werden wir uns zweifellos mit der Restitution befassen", sagt der Linzer Magistratsdirektor Erich Wolny. In seinem Auftrag wurde voriges Jahr für die Museen der Stadt Linz ein Arbeitskreis für Provenienzforschung eingerichtet. Ein Grund für dessen Schaffung war ein Artikel im STANDARD, wonach die Stadt Linz Gemälde von Emil Nolde und Gustav Klimt besitzt, die in der NS-Zeit geraubt wurden. Es handelt sich um Gustav Klimts Bildnis Maria Munk und Emil Noldes Maiwiese.

Im Auftrag der Erben der einstigen Besitzer forderte der Wiener Rechtsanwalt Alfred Noll bereits 2005 die Stadt auf, die Rückgabeansprüche zu prüfen. Was seitdem auch geschehe, wie Wolny versichert. "Beim Nolde-Bild kommen wir aber einfach nicht weiter", erklärt der Magistratsdirektor. "Deshalb habe ich vor sechs Monaten Noll einen Brief geschrieben - mit der Bitte, bei den Erben nachzufragen, ob sie irgendwelche Dokumente besitzen." Auf die Antwort warte er noch. Noch schwieriger gestalte sich die Nachforschung zu Klimts Frauenbildnis. Denn derzeit sei offen, ob es sich überhaupt um besagtes Portrait von Maria "Ria" Munk aus der Sammlung Wolfgang Gurlitts handle.

Alfred Weidinger, Chefkurator des Belvedere, hat in seinem im Frühjahr erschienenen Klimt-Werkverzeichnis darauf auch keine klare Antwort geben können. Er bezweifelt sogar, dass jenes unfertige Frauenbild überhaupt ein Porträt von Ria ist. Denn die Physiognomie dieser Frau finde sich, so Weidinger, auf 40 bis 50 anderen Bildern Klimts wieder. Außerdem habe er bisher "keine einzige Spur gefunden, wonach das Gemälde tatsächlich in Gurlitts Besitz gewesen ist, dessen Sammlung den Grundstock des heutigen Linzer Stadtmuseums Lentos bildet". Jedoch erhalte er in den nächsten Tagen aus dem Familienbesitz des deutschen Kunsthändlers "Kartons mit Geschäftsunterlagen aus der Zeit der späteren Galerietätigkeit von Gurlitt".

Bisher, so meint Weidinger, sehe er für die Stadt Linz keinen Anlass zur Restitution dieses Bildes. Jedoch hätte Linz schon früher mit der Provenienzforschung beginnen können. (Kerstin Scheller/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17. 9. 2008)

 

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