Fed übernimmt Versicherer AIG - AIG-Chef wird abgesetzt

17. September 2008 10:52

"Unkontrolliertes Versagen" soll verhindert werden - Staat sichert sich 79,9 Prozent-Mehrheit am Kapital - Barclays übernimmt Bereiche von Lehman Brothers

Washington - Die US-Regierung kommt dem angeschlagenen Versicherungsriesen AIG mit einem Kredit von bis zu 85 Milliarden Dollar (60 Milliarden Euro) zu Hilfe. Die Notenbank Fed teilte in der Nacht zum Mittwoch mit, der Rettungsplan solle ein "unkontrolliertes Versagen" des Instituts verhindern. Im Gegenzug werde Washington einen Anteil von 79,9 Prozent am Kapital von AIG übernehmen und ein Veto-Recht bei der Ausschüttung der Dividende erhalten.

In Medien war kurz zuvor eine Insolvenz von AIG noch am Mittwoch nicht mehr ausgeschlossen worden. Experten befürchteten für diesen Fall massive Auswirkungen auf die weltweiten Finanzmärkte. AIG hat fast 20 Milliarden Dollar Verluste angehäuft. Das hat die Kapitaldecke massiv angegriffen.

"Interessen der Steuerzahler"

Der Kredit soll eine Laufzeit von zwei Jahren haben. Als Sicherheit dient das gesamte Vermögen von AIG. "Die Interessen der Steuerzahler sind durch die Kernbedingungen dieses Kredits geschützt", betonte die Fed. Das Paket sei in enger Abstimmung mit dem Finanzministerium erarbeitet worden.

Ein Konkurs des Versicherers könne die wegen der Finanzmarktkrise bereits anfälligen Märkte untergraben, erklärte die Fed. Ein Sprecher des Weißen Hauses sagte, Präsident George W. Bush unterstütze den Rettungsplan. Die angekündigten Schritte würden unternommen, um die Finanzmärkte zu stabilisieren und den Schaden für die Wirtschaft zu begrenzen, sagte Fratto. Auch Finanzminister Henry Paulson erklärte, er stehe hinter dem Megakredit.

Sesselrücken

American International Group-Chef Bob Wilumstad soll einem Zeitungsbericht zufolge gehen. US-Finanzminister Henry Paulson habe sich persönlich dafür eingesetzt, dass der AIG-Chef durch den früheren Chef des AIG-Konkurrenten Allstate, Edward Liddy, ersetzt werde, berichtete das "Wall Street Journal" am Mittwoch.

Der ehemalige Citigroup-Chef Willumstad war erst im Juni an die AIG-Spitze gerückt, nachdem sein Vorgänger Martin Sullivan wegen hoher Verluste des Versicherers seinen Posten räumen musste. Liddy stand bis 2006 an der Spitze von Allstate und führte bis zum Frühjahr den Verwaltungsrat des Unternehmens.

Barclays übernimmt Lehmann teilweise

Die britische Bank Barclays PLC übernimmt nach eigenen Angaben die Bankgeschäfte der insolventen US-Investmentbank Lehman Brothers in Nordamerika für 250 Millionen Dollar (176 Millionen Euro). Der Hauptsitz von Lehman Brothers in New York und zwei Rechenzentren in New Jersey werden für 1,5 Milliarden Dollar erworben, wie die Bank am Dienstag mitteilte.

Betroffen wären damit etwa 10.000 Mitarbeiter. Die Sparte für das Investment-Managing ist nicht Teil des Geschäfts.

Das Abkommen bedarf der Genehmigung eines Konkursgerichts und kann abgesagt werden, wenn es nicht bis zum 24. September vollzogen wird.

Von 70 auf 2,70 Dollar

An den Märkten wurde die Rettungsaktion mit Erleichterung aufgenommen. "Gott sei Dank", rief Dan Fuss von Loomis Sayles. "AIG ist mit so vielen Menschen verbunden und berührt so viele Firmen in der ganzen Welt." In Japan stieg der Nikkei-Index im Verlauf um 2,2 Prozent. Auch hier hatten Händler vor den katastrophalen Folgen eines Kollapses gewarnt. Am Dienstag war der AIG-Aktienkurs um 45 Prozent auf 2,70 Dollar eingebrochen. Vor Jahresfrist kosteten die Papiere noch rund 70 Dollar.

Gewährsleute hatten zuvor gesagt, Banker und Regierungsvertreter seien zu dem Schluss gekommen, dass AIG am besten mit einer Geldspritze aus Washington vor der Pleite bewahrt werden könne. Investoren befürchteten, dass ein Konkurs des Versicherers weitreichendere Folgen für das US-Finanzsystem bedeutet hätte als der Zusammenbruch der Investmentfirma Lehman Brothers Anfang der Woche.

Herabgestuft

Finanzminister Paulson und Notenbankchef Ben Bernanke kamen am Dienstag mit Mitgliedern des Kongresses zusammen, um sie über mögliche Maßnahmen zugunsten von AIG zu informieren. Der Konzern war von den drei wichtigsten Ratingagenturen am Montagabend herabgestuft worden.

Wie viele andere Versicherer leidet AIG unter der Verschlechterung der Kreditbedingungen im Zuge der Hypothekenkrise. Sorge bereitet Anlegern vor allem, dass die riskanten sogenannten "strukturierten" Finanzmarktprodukte, die AIG versichert hat, sich immer mehr als faul herausstellen könnten. (APA/Reuters/AP)

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Jhonny Noname
 
18.09.2008 19:29
hoffentlich...

... bekommen diese Manager auch hohe Abfertiigungen.

ichbins101
18.09.2008 17:08

Wie jetzt? Hat die FED oder der Staat gekauft? Die FED ist meines Wissens ein 'Privatklub'!
Wahrscheinlich gehört bald alles der FED und der 'Staat' bezahlt und holt es sich vom Rest der Welt!-)

Hansi Huber
18.09.2008 12:50

Wird nun Ronaldo doch verkauft?
170 Mio standen im Raum.

H. D.
18.09.2008 10:29
AIG über sich

Auf der deutschsprachigen Homepage von AIG (http://www.aigeurope.com/aigweb/1,... 2,00.html) steht folgendes:

"AIG Europe S.A. ist ein Unternehmen der American International Group, eines der weltweit führenden Versicherungs- und Finanzdienstleistungsunternehmen. Unsere ausgewiesene Finanzkraft und unsere Sicherheiten, von wenigen anderen Versicherungsunternehmen erreicht, sind Bürgschaften für unsere Fähigkeit finanzielle Verpflichtungen gegenüber unseren Versicherungsnehmern einzuhalten, heute und in Zukunft."

Man möchte hinzufügen: "Und unsere Fähigkeit, uns vom Steuerzahler aushelfen zu lassen ..."

Most Schedl
18.09.2008 03:27
Ironie? Schadenfreude? Al-Kaida?

Zugegeben, irgendwie haben sich's die Amis in Ihrer weltverbessernden blinden Arroganz ja auch verdient!

Die 'Number One Capitalists" verstaatlichen ihre turbokapitalistischen Vorzeigebetriebe. Quo vadis? Hat da jemand unfreiwillig seine Hosen heruntergelassen?

Und die amerikanischen Durchschnittsbuerger werden beinhart verarscht. Paulson und Bernanke sagen voriges Jahr: 'the liquidity crisis is over'. Uebersetzt heisst das offensichtlich - Gewinne werden'ma privatisieren, und die Verluste haben jetzt die Steuerzahler zu fressen.

Und das Neueste, von McCain: "Wir haben Hinweise, dass die Al-Kaida im Iran schuld sind (weapons of money destruction)".

Hallo kleine Schaffnerin!
17.09.2008 17:36
Sind diese Pleiten und Beinahe-Pleiten nur Zufall,

oder wurden Sie bewust herbeigeführt?

Anfang des 20. Jahrhunderts gab's das ja schon mal!

Anaxagoras
17.09.2008 19:07
Die Bank of America und Barcleys zählen bestimmt nicht...

...zu den Verlierern..... Den Rest überlasse ich Ihrer Phantasie.

Rob79
17.09.2008 13:36
Es wird

ein Konzern verstaatlich gegründet - danach privatisiert - heruntergewirtschaftet und dann - wird der Staat angesudert und wieder verstaatlich.
jepp es lebe die Wirtschaft und Geldvernichtung - ups Sorry da gibts ja ein sprichwort zur "Geldvernichtung" (die gibt es ja nicht) :-)

Flugmanagement
17.09.2008 14:02

und das im Staat welcher die neoliberale Wirtschaft geradezu anbetet

Anaxagoras
17.09.2008 19:12
Eine neoliberale Wirtschaft gibt es überhaupt nicht.

Erklären Sie mir doch, was eine sog. neoliberale Wirtschaft bedeutet.

Flugmanagement
18.09.2008 08:11

Schauen Sie bitte doch in die USA oder in einem Lexikon, Fachbuch über Makroökonomie oder sogar in Wikipedia nach, bevor Sie um Nachhilfe bitten.

Jhonny Noname
 
18.09.2008 19:25
also, wie sie das ...

... so toll erklären. Alle Achtung.

Oder wissen Sie's auch nicht?

Flugmanagment
19.09.2008 00:18
Wissen tu ich es

jedoch sollten Sie und Anaxagoras des Lesens mächtig sein, es ist hier für ausschweifende in 750 Zeichen auch kein Platz.

Nachdem Anaxagoras nicht mehr reagiert hat, waren meine ganz allgemein gehaltenen Quellenverweise offensichtlich ausreichend.

Wenn ich Sie frage ob es bei Ihnen bewölkt ist bekomme ich dann ein kurzes ja stark bewölkt oder schreiben Sie mir eine metereologische Dissertation.

Jhonny Noname
 
19.09.2008 10:55
wenn sie wissen wollten ...

... OB es bewölkt ist -> käme ein kurzes ja/nein (je nachdem)
... WAS eine Bewölkung ist -> käme eine Erklärung (aber auch keine Dissertation)

ich gehe davon aus, daß viele Ausdrücke, die in Foren verwendet werden unterschiedlich interpretiert werden (egal, ob es genaue Definitionen dafür gibt). Und somit sehr oft unterschiedlich verstanden werden. Bsp: "Milchmädchenrechnung". Oft wird es als Synonym f. eine einfache Rechnung verwendet. In Wirklichkeit bedeutet es: eine falsche Rechnung.

habitus
17.09.2008 13:20
was bedeutet das...

...für mich als kleinen mann? wirkt sich diese angelegenheit auch auf meinen chf-fremdwährungskredit aus, in welchen ich in kürze einsteigen will? was tun? im moment sieht das ganze ja von der leistungskurve her (noch) recht ordentlich aus. was ist zu erwarten?

ein *etwas* unsicherer beobachter

Anaxagoras
17.09.2008 19:10
Die Zinsen werden sehr bald steigen....

....weil wegen mangelnder Liquidität von Ausleihungen von Bank zu Bank gegen Null tendieren.

Joe Z.
17.09.2008 17:39

Ganz einfach:

Das bedeutet für Sie, Finger weg von Krediten jeglicher Art!

Großer Böser
 
17.09.2008 14:03
Genieren Sie sich!

Da verlieren bitterarme CEOs am laufenden Band ihren Job und der kleine Mann denkt wieder nur an sich.
mfg

habitus
17.09.2008 15:49
oh sorry...

...war mein fehler. ich sollte wirklich nicht so egoistisch sein, hehe

Schilcherfreund
17.09.2008 13:37
Hmm. Bin kein Experte, daher nur ein paar Gedanken...

Der Franken war immer eine Fluchtwährung.

Ich würde etwas Zeit mit Rechnen verbringen?
Kann ich mir die Kreditraten leisten, wenn ich die CHF zB mit x,xx % Kursverlust zurückkonvertieren muss und die Euro-Kreditzinsen auf y,yy % steigen? Wo ist die persönliche finanzielle Leistungsgrenze?

Kann ich jederzeit (= täglich, ohne irrwitzige Strafgebühren) aus dem CHF zurück in den EUR?

Was ist der Tilgungsträger? Wie hat der sich in den letzten 10, 15 Jahren (nicht drei Monaten!) entwickelt? Wie ist er zusammengesetzt?

Nicht eine kombinierte Ab- und Erlebensversicherung aufschwatzen lassen, die Absicherung gegen das Ableben gehört vom Tilgen getrennt (sonst können Sie zB nicht bei einem Kursgewinn des Fonds teilweise vorzeitig tilgen) usw.

Anaxagoras
17.09.2008 19:16
Der Franken ist keine Fluchtwährung wegen der Stabilität...

..oder der Zinsen, sondern ausschließlich wegen des schweizer Steuerrechts.

Von Ihnen würde ich mich nie beraten lassen.

Schilcherfreund
17.09.2008 20:40
Danke für die Freundlichkeiten

Können Sie mir die Stelle in meinem Posting nennen, an der ich als Grund für den Status des CHF als Fluchtwährung dessen Stabilität oder die Zinsen erwähnt hatte?

Wenn Sie sich die Charts anschauen, dann können Sie anläßlich von Ereignissen wie Golfkrieg 1 und 2 doch eine gewisse Erstarkung des Euro erkennen, oder?

Sich nicht von mir beraten zu lassen, ist Ihr gutes Recht (abgesehen davon, dass ich kein Finanzberater bin), trotzdem wäre ich an sachlichen Gegenargumenten zu den übrigen von mir genannten Punkten schon im Interesse des fragenden Posters durchaus interessiert.

Euroumrechner
17.09.2008 12:52
Der Mensch hat versagt!

Überall herrscht Raffgier, Neid, Missgunst, Hass, Krieg, Hunger, Elend, Trauer...

Der Mensch hat versagt!
Wir sind es nicht wert, weiterhin auf diesem schönen Planeten verweilen zu dürfen.

http://veg-tv.info/Earthlings

Ich hoffe wirklich, die Menschheit wird bald durch ihre eigenen Fehler und unverbesserlicher Haltung selbst vernichten.

manfred maier
manfred maier
17.09.2008 17:05
nein, die ideologie hat versagt!

...und der mensch nützte auch hier wie bei allen anderen mgölichkeiten, die bandbreite des zur verfügung gestellten spielplatzes mit gier aus.
das kann nicht überraschen, nur das 2008 noch ein derartiges system von vorgestern wie im fundamentalistenstaat usa besteht.
bald bestand...das mag - angesichts der folgen ein schwacher - aber doch, ein trost für sie sein.

Neue Zeit - lieber LIF, statt großer Koalition !
 
17.09.2008 22:22
ad sicheres Russland:

Die wichtigsten russischen Börsen RTS und MICEX haben den Aktienhandel am Mittwoch nach starken Kursverlusten gestoppt.
Russische Banken in Not
Laut Interfax haben mehrere mittelständische und kleine russische Banken anhaltende Liquiditätsprobleme. Das Finanzministerium hatte bereits am Dienstag eine Hilfe von 475 Mrd. Rubel (13,1 Mrd. Euro) bewilligt, am Mittwoch sollten weitere Milliardensummen bereitgestellt werden.

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