Was nicht schlecht ist, kann besser werden

16. September 2008, 17:51
29 Postings

SPÖ-Sportsprecher Wittmann glaubt, mit den bestehenden Strukturen viel bessere Resultate erzielen zu können

Peter Wittmann ist die personifizierte Sozialpartnerschaft im Sport. Er war Sportstaatssekretär, derzeit ist er nur Präsident der Bundes Sportorganisation (BSO), Präsident des "roten" ASKÖ und als Nationalratsabgeordneter Sportsprecher der SPÖ. Und votiert energisch für die Unabhängigkeit. Wittmann: "Man hat sich nach dem 2. Weltkrieg für das Modell des autonomen und nicht-staatlichen Sports entschieden. In vielen anderen Bereichen versucht man die staatliche Kontrolle zurückzudrängen, nur im Sport wird von einigen die Veränderung in Richtung Staatssport gewünscht."

Also wünscht er auch nicht, die drei Dachverbände ASKÖ, SPORTUNION und ASVÖ zusammenzulegen. Weil die NGOs, so Wittmann, in der Gesellschaft eine immer wichtigere Rolle spielen. Was nicht heisst, dass die (staatlichen) Förderungen nicht viel effizienter verteilt und deren Verwendung nicht viel strenger kontrolliert werden könnte. Nicht zuletzt eine Lehre aus den abgelaufenen Sommerspielen in Peking.

Aber es ist nicht die vordringliche Aufgabe des Staates, den Leistungssport zu füttern, sondern alle Kinder zu einem bewegungsreichen Leben anzuhalten. Das geht nicht ohne einen Paradigmenwechsel in der Schule, weg von der Körperfeindlichkeit, die in der Bildungspolitik von Elisabeth Gehrer (VP) zum Ausdruck kam, und hin zu einem vielfältigen Angebot an Bewegung. Was auch dem Gesundheitssystem gut tun würde.

Wittmann: "In diesem Zusammenhang würde ich mir wünschen, dass in den Medien nicht nur Ergebnisberichterstattung, sondern auch sportpolitische Berichterstattung stattfindet." Die BSO habe hier auch eine Bringschuld, sie muss als Dachverband der Dach- und Fachverbände den Sport thematisieren und schmackhaft machen, sagt Wittmann leicht selbstkritisch. "Das haben wir in der Vergangenheit zu wenig gemacht." Sport sollte in der Ganztagsschule einen fixen Platz haben. Jeden Tag. Wittmann: "Dabei können uns die Vereine sehr helfen. Ich stelle mir ein polysportives Angebot vor."

Wollen Bund und BSO die politische Lösung eines Bildungsdefizits outsourcen? Das Bildungsministerium würde sich nämlich die Anstellung von Turnlehrern und deren Aus- und Weiterbildung sparen, und die Verbände und deren Trainer würden als billigere Quasi-Lehrer deren Aufgaben übernehmen.
Nein, sagt Wittmann und skizziert eine Win-Win-Situation. "Wir kriegen professionelle Betreuer in die Schule, die Verbände können sich dadurch sofort Trainer leisten, denn der Sportlehrer kann am Abend im Verein weiter arbeiten."
Und der Clou: Die in der Schule arbeitenden Trainer kriegen "on the job" einen breiten Überblick über die Talente. Wittmann: "Wir machen damit ein breites Spitzensportscouting gleich mit."

Wittmann war vom Abschneiden in Peking nicht so negativ überrascht wie Sportstaatssekretär Reinhold Lopatka. "Wir haben noch nie so viele Plätze zwischen eins und zehn gehabt", sagt er. Selbstverständlich müsste, wie von Hans Holdhaus (IMSB) unlängst angeregt und von Dieter Brosz (Grüne) unterstützt, der Mitteleinsatz in den Verbänden endlich effizient kontrolliert werden. Immerhin hält er die Berichterstattung des ORF für "beispielhaft", auch wenn in den Medien die Olympiabilanz nur an den (drei Medaillen) gemessen wurde.

Um die Investitionsfreude nicht zu bremsen, plädiert er für ein "Modell der steuerlichen Absetzbarkeit" von Sponsorbeiträgen. Auch die Rolle der Mountainbiker als Touristen sei nicht zu unterschätzen, der Ausbau von Gletschern hingegen sei eher an seine Grenzen gelangt. Auch Werbebeschränkungen (Fast Food, Softdrink) findet Wittmann kontraproduktiv, da einschlägige Unternehmen oft als Hauptsponsoren zu Gelingen von Karrieren oder Events beitragen.

Wie Sport als Integrationsmotor allgemein zum Gelingen der Gesellschaft seinen Teil leistet. Wittmann: "Fördern kann man diesen Prozess dadurch, indem wir so viele Menschen wie möglich zum regelmäßigen und aktiven Sport bringen. Durch alle Alters- Berufs- und Herkunftsschichten." (Johann Skocek, DER STANDARD, Printausgabe, Mittwoch, 17. September 2008)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Peter Wittmann: "Ich wünsche mir, dass in den Medien nicht nur Ergebnisberichterstattung, sondern auch sportpolitische Berichterstattung stattfindet."

Share if you care.