Sinkender Rohölpreis könnte Inflation bändigen

16. September 2008, 17:44
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Der Preisauftrieb hielt in Österreich mit 3,7 Prozent im August an und war auch in der Eurozone mit 3,8 Prozent nur unwesentlich schwächer als im Juli. Der sinkende Ölpreis könnte nun für Entspannung sorgen

Wien/Brüssel - Die Teuerungswelle, die in den vergangenen Monaten über Österreich geschwappt ist und im Juli zu einem Rekordinflationsstand von 3,8 Prozent geführt hat, ebbt nur langsam ab. Für den Monat August hat die Statistik Austria im Jahresabstand eine Inflationsrate von 3,7 Prozent (siehe Grafik) errechnet. Preistreiber waren einmal mehr Treibstoffe und Heizöl sowie Nahrungsmittel.

"Ob wir den Höhepunkt der Inflation schon gesehen haben, hängt davon ab, ob die Energiepreise sinken oder steigen", sagte der Inflationsexperte des Wirtschaftsforschungsinstituts, Josef Baumgartner, dem STANDARD. "Sollten die Rohölpreise auf derzeitigem Niveau (knapp 100 Dollar je Fass zu 159 Liter; Anm.) verharren, könnte die Inflationsrate bis Ende des Jahres sukzessive auf unter drei Prozent sinken, bei einer deutlichen Verbilligung von Rohöl sind auch 2,5 Prozent möglich."

Am Dienstag jedenfalls gaben die Rohölpreise unter dem Eindruck der internationalen Finanzkrise kräftig nach. US-Leichtöl verbilligte sich um 2,8 Prozent auf 93,03 Dollar (65,74 Euro) - der niedrigste Stand seit Mitte Februar 2008. Das Nordseeöl Brent wurde mit einem Abschlag von drei Prozent bei 91,35 Dollar gehandelt.

Den Einfluss der Energiepreise auf die Inflationsentwicklung veranschaulichte Baumgartner an einem Beispiel: "Von den 3,7 Prozent August-Inflation entfallen 1,1 Prozent auf Mineralölprodukte, das ist knapp ein Drittel." Zusammen mit Nahrungsmitteln, die sich in den vergangenen Monaten ebenfalls stark verteuert haben, mache der Anteil an der Gesamtinflation mehr als 50 Prozent aus.

Inflationsdämpfer Kommunikation

Einziger Inflationsdämpfer im Jahresabstand war im August wie in den Monaten davor die Ausgabengruppe "Nachrichtenübermittlung" mit einem durchschnittlichen Preisrückgang von fünf Prozent. Dafür waren in erster Linie Verbilligungen bei Telefon- und Faxdienstleistungen (minus 4,5 Prozent) sowie Internetentgelt (minus 20 Prozent) verantwortlich.

Während Sprit im Monatsabstand billiger geworden ist (Superbenzin um durchschnittlich 3,1 Prozent, Diesel um 6,3 Prozent), haben sich beispielsweise Flugtickets (plus 12,5 Prozent) Erdbeeren (plus 26,2) und Übernachtungen im Ausland (plus 5,5 Prozent) im August gegenüber dem Vormonat Juli verteuert.

Im Euro-Raum ist die Inflation von 4,0 auf 3,8 Prozent leicht zurückgegangen. In Großbritannien ist die Teuerung im August auf 4,7 (Juli: 4,4) Prozent gestiegen, den höchsten Wert seit 16 Jahren.
(Günther Strobl, DER STANDARD, Printausgabe, 17.9.2008)

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