"Wir haben keinen Favoriten"

16. September 2008, 18:27
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Der italienische Vizeminister für Industrie und wirtschaftliche Entwicklung, Adolfo Urso, zeigte sich im Gespräch mit über die Sanierung der maroden Fluglinie Alitalia zuversichtlich.

STANDARD: Die Sanierung der Fluggesellschaft Alitalia wurde in den letzten Tagen von den autonomen Gewerkschaften infrage gestellt. Wie sehen Sie die Chancen, dass der Rettungsplan doch noch umgesetzt wird?

Urso: Ich bin zuversichtlich. Vier große Gewerkschaftsgruppen haben bereits ihre Zustimmung gegeben. Die Gesellschaft Compagnia aerea italiana (Cai) ist bereit, weitere Zugeständnisse zu machen und hat ihre Deadline verschoben. In den nächsten Tagen werden die neun Gewerkschaftsgruppen, welche die 20.000 Alitalia-Beschäftigten vertreten, untereinander diskutieren. Spätestens bis Monatsende sollte es zur Einigung kommen.

STANDARD: Bekanntlich hat sich Air France bereit gezeigt, eine strategische Allianz mit der neuen Alitalia zu schließen und eine Minderheitsbeteiligung an der Airline zu erwerben. Nun hat Regierungschef Silvio Berlusconi zu Wochenbeginn wissen lassen, dass Lufthansa der Wunschpartner der Regierung sei. Gibt es Favoriten?

Urso: Wir verhandeln mit mehreren Fluggesellschaften, darunter auch Air France/KLM und Lufthansa. Wir haben keinen Favoriten.

STANDARD: Italiens Unternehmer bemühen sich, die obligatorische Ursprungsbezeichnung auf gewisse Konsumgüter noch während der französischen EU-Präsidentschaft einzuführen. Wie stehen dafür die Chancen?

Urso: Um das Projekt umzusetzen fehlt uns die Zustimmung eines großen EU-Landes, etwa Deutschlands oder Großbritanniens. Die Regierung hat beschlossen, in diesem Herbst eine europaweite Kampagne durchzuführen, um die Verbraucher zu sensibilisieren. Es ist lächerlich, dass es heißt, man will die Interessen der Unternehmer - etwa Italien, Frankreich oder Spanien - bzw. des Handels (Deutschland, Großbritannien, skandinavische Länder) schützen.

Es geht rein um den Verbraucher. Er hat das Recht zu wissen, woher die zu kaufende Ware stammt. Die Ursprungsbezeichnung soll auch als "Preisberuhigung" für Importware fungieren. Das Projekt wird kaum während der französischen EU-Präsidentschaft umgesetzt werden, da wir einer gemeinsamen EU-Politik zur Bekämpfung der Raubkopien den Vorzug gaben.(Thesy Kness-Bastaroli, DER STANDARD, Printausgabe, 17.9.2008)

Zur Person

Der 51-jährige Adolfo Urso flankiert bereits zum zweiten Mal Industrieminister Claudio Scajola (2001-2006) bei seiner Aufgabe, eine gezielte Industriepolitik in Italien einzuführen. Der promovierte Soziologe ist Mitglied des gemäßigten Flügels der Alleanza Nazionale (AN).

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