"Die Alternative für die AUA ist Lehman Brothers"

16. September 2008, 18:29
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Ryanair-Vizechef Michael Cawley war am Dienstag auf Stippvisite in Wien. Aus seiner Sicht ist das Rennen um die AUA quasi gelaufen, es führe kein Weg an der Lufthansa vorbei

Wien - Für Michael Cawley, den zwei Meter großen Iren aus der Führung der Billigfluglinie Ryanair, ist die Sache so gut wie gegessen: "Es wird die Lufthansa", sagt er auf die Frage, wen er als künftigen Eigentümer des österreichischen Carriers Austrian Airlines sieht. Air France-KLM sei "nur dabei, um den Preis in die Höhe zu treiben", so der Ryan-Vizechef am Dienstag in einem Gespräch mit Journalisten am Flughafen Wien. Und die russische S7? "Die hat rechtliche Probleme, wenn sie die Mehrheit übernimmt. (Die AUA würde in diesem Fall sofort den Status einer EU-Airline verlieren, mit allen Konsequenzen bei Landerechten etc., Anm.) Außerdem wird das Wachstum des russischen Markts überschätzt, die Ökonomie ist vom Ölpreis angetrieben."

Cawley - seine rasant wachsende Airline will in vier Jahren nach Passagieren die größte der Welt sein und befindet sich in harter Konkurrenz zur Lufthansa - sagt für Austrian und für den Flughafen Wien eine düstere Zukunft voraus, sollten die Deutschen den Zuschlag der ÖIAG erhalten. "Die Austrian Airlines würde erstickt werden." Die Langstrecke würde nur mehr von der Lufthansa bedient werden, behauptet Cawley. "Nach New York zu fliegen, wird für Sie teurer werden, und es wird nur mehr über Frankfurt gehen", so der Ryanair-Mann.

Alternative: Lehman Brothers

Aber die AUA habe wenig andere Möglichkeiten als die Partnersuche, gesteht der Airliner ein. "Die Alternative für die AUA ist Lehman Brothers", sagt er unter Anspielung auf die jüngsten Bankenkrachs in den Vereinigten Staaten.

Ryanair selbst reduziert im Winter die Flüge nach Salzburg. "Zu teuer", sagt Cawley. Man habe mit dem Flughafen über eine Gebührenreduktion verhandelt, sei aber auf keinen grünen Zweig gekommen. "Das ist gefährlich für die Tourismusdestination Salzburg", sagt Cawley. Aber es gehe nicht anders, das Geschäftsmodell der Ryanair funktioniere nur, indem Flughäfen mit möglichst geringen Gebühren angeflogen werden.

Wien sei für die Iren nach wie vor "off limits", weil "einer der teuersten Flughäfen in Europa. Sie müssten um 60 bis 70 Prozent mit den Gebühren runter", so Cawley.

Er bestreitet auch nicht, dass er vom Management des Flughafens gefordert habe, dass Ryan gratis in Wien landen dürfe, weil man im Gegenzug kaufkräftige Passagiere bringen würde, die über den Umweg der Shops und Gastronomie für Umsatz sorgen würden. "Ich weiß, das war die Maximalforderung. Aber es gibt Airports - ich sage Ihnen nicht, welche - die bezahlen uns, damit wir hinfliegen."

Aber er sei überzeugt, sagt er, dass die "einzige Chance" für die gesamte Industrie sei, "mit den Preisen hinunterzugehen". Cawley sieht sein Geschäftsmodell auch nicht gefährdet, wenn der Ölpreis auf 200 Euro gehen würde. Denn die Ölpreise gelten für alle. Als Beleg nennt Cawley, dass Austrian Airlines im August einen 2,5-prozentigen Rückgang bei der Anzahl der Passagiere hinnehmen musste, während Ryanair um 19 Prozent zugelegt habe. (szem, DER STANDARD, Printausgabe, 17.9.2008)

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    Die Konkurrenz in Europa sieht die Lufthansa als AUA-Partner als so gut wie fix an. Im Rennen sind auch Air France-KLM und S7.

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