Wenn die innere Ruhe fehlt

16. September 2008, 17:09
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Eine neue Umfrage zeigt: Frauen sollen im täglichen Leben deutlich stärkeren Belastungen ausgesetzt sein als Männer

Gereiztheit, Schlafstörungen, Unruhe, Erschöpfungszustände - das sind nur ein paar Auswirkungen, die zu viel Stress im Alltag hervorrufen kann. Und Frauen scheinen das besonders zu spüren. 47 Prozent der Frauen meinen nämlich, dass sie deutlich höheren Belastungen im täglichen Leben ausgesetzt sind als Männer. Abgeschwächt stimmen immerhin 35 Prozent dieser Aussage zu. Das ergab eine repräsentative Imas-Umfrage, die von Mai bis Juni 2008 unter 1.032 Österreicherinnen und Österreichern durchgeführt wurde. Die Studie, die am Dienstag in Wien präsentiert wurde, gab der österreichische Arzneimittelhersteller Apomedica in Auftrag.

"Die Hauptgründe einer erhöhten Belastung von Frauen sind Familie und Beruf, die finanzielle Notwendigkeit, arbeiten zu gehen und die Tatsache, dass es immer mehr alleinerziehende Mütter gibt", erklärt Apomedica-Geschäftsführerin Ruth Fischer.

Zwang zur Perfektion

Frauen im Alter zwischen 30 und 49 Jahren klagen am meisten über steigende Belastungen im Alltag, besonders in Relation zur Generation ihrer Mütter. 64 Prozent geben an, heute unter noch stärkerem Druck zu stehen. "Das Berufsleben hat sich in den vergangenen Jahren enorm geändert, durch das Internet, Mobiltelefone, ect. ist alles schneller und hektischer geworden. Daraus folgt mehr Stress", so Fischer.

Auch psychologische Gründe können ein Gefühl von Überforderung erzeugen, etwa, wenn man nicht "Nein" sagen kann oder wenn man als Frau übermäßigen sozialen Druck empfindet - also glaubt, eine "Superfrau" sein zu müssen, die alles mit links schafft. Fast jede Dritte fühlt sich laut Umfrage durch den "inneren Zwang zur Perfektion" in eine höhere Belastung getrieben. Berufstätige Frauen mit Kindern im Haushalt leiden sehr unter unzureichenden Kinderbetreuungseinrichtungen.

"Frauen mit Kindern sind laut Studie auch viel stärker ihren 'eigenen psychischen Zwängen' ausgeliefert. Sie glauben, immer perfekt sein zu müssen. Die Doppelbelastung als Berufstätige und Mutter wird von Frauen, insbesondere von alleinerziehenden Müttern, viel intensiver gefühlt als von Männern", meint Fischer.

Unangenehme Nebenwirkungen

47 Prozent der Frauen, die bereits Auswirkungen erhöhter Belastungen verspürt haben, klagen über innere Unruhe und Gereiztheit. Weitere "Nebenwirkungen" sind Kreislaufprobleme, Angstgefühle, Konzentrationsstörungen und Verdauungsbeschwerden. Rund ein Drittel der Befragten gab außerdem an, unter ständiger Anspannung oder depressiver Stimmung zu leiden. Erfahrungen mit Panikattacken, Burn-Out-Syndrom und Libidostörungen wiesen immerhin elf bis siebzehn Prozent auf.

Aus den Zahlen lässt sich erschließen, dass sich innere Unruhe mit zunehmendem Alter auch körperlich äußert. Bei den befragten Frauen zwischen sechzehn und 29 Jahren ist das Hauptproblem laut Studie das Gefühl der inneren Unruhe, im Alter zwischen 30 und 40 sind es vor allem Gereiztheit und Kopfschmerzen. Ab 50 kämpfen Frauen dann vermehrt mit Schlafstörungen.
"Frauen jeden Alters klagen über diese innere Unruhe - das ist höchst bedenklich. Die Menschen, und vor allem die Frauen, müssen versuchen, wieder zu ihrer verdienten inneren Ruhe zurückzufinden", findet Fischer abschließend. (beg/APA, dieStandard.at, 16.9.2008)

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