Menschen fliehen auch nach Regierungswechsel

16. September 2008, 16:03
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Täglich kommen weiter rund tausend Simbabwer in Südafrika an

Musina - Auch nach dem Ende des Machtmonopols von Präsident Robert Mugabe fliehen die Menschen weiter aus Simbabwe. Wie die südafrikanische Einwanderungsbehörde mitteilte, treffen täglich mehr als 1.000 Menschen in einem Übergangslager für Asylsuchende ein. Das Lager war vor zwei Monaten an der Grenze eingerichtet worden. Der Bauer Robin Mucheana erklärte am Dienstag, er sei geflohen, weil er sich Saatgut oder Dünger nicht leisten könne. Jetzt suche er Arbeit jenseits der Grenze. Er habe aber große Hoffnungen nach dem am Montag unterzeichneten Abkommen zur Teilung der Macht.

Das von Mugabe und seinem langjährigen Rivalen Morgan Tsvangirai nach monatelangem Ringen unterzeichnete Abkommen soll das südafrikanische Land aus dem Chaos herausführen. Der 84 Jahre alte Mugabe bleibt Präsident, allerdings mit eingeschränkten Befugnissen. Tsvangirai wird Ministerpräsident, der Oppositionspolitiker Arthur Mutambara, dessen Fraktion sich von der Partei Tvangirais abspaltete, sein Stellvertreter.

Sechsköpfiges Kabinett

Die Einigung sieht konkret die Schaffung eines sechsköpfigen Kabinetts und einer Regierung aus 31 Ministern vor. 15 Ministerposten gehen an Mugabes ZANU-Partei, 13 an Tsvangirais Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) und der Rest an die MDC-Splitterpartei Mutambaras, der ebenfalls unterzeichnete. Tsvangirai wird auch Mitglied des Sicherheitsrats und die Regierungspolitik mitbestimmen.

Die neue Führung erwartet laut dem Abkommen von Großbritannien Entschädigungszahlungen für die Enteignungen von Landbesitzern während der Kolonialzeit. Das Land, reich an fruchtbarem Ackerland und Bodenschätzen, wurde unter der jahrzehntelangen Alleinherrschaft des zunehmend diktatorisch regierenden Mugabe völlig heruntergewirtschaftet. Viele weiße Farmer wurden enteignet, deren Besitzungen oft an Günstlinge des Staatschefs weitergegeben, die nicht vom Fach waren.

Das Abkommen zur Machtteilung war unter Vermittlung des südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki zustande gekommen, dessen Haltung in dem simbabwesischen Konflikt allerdings ebenfalls umstritten ist. Lange hatte Mbeki seinem Amtskollegen Mugabe die Stange gehalten. Die EU und die USA begrüßten die Einigung Mugabes mit der vorher verfolgten Opposition mit großer Skepsis und Zurückhaltung. Die Union will die Sanktionen gegen Simbabwe vorerst aufrecht erhalten. (APA/AP)

 

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