Notenbanken kämpfen weltweit gegen die Krise

16. September 2008, 16:14
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Die Zentralbanken sind mit Geldspritzen fieberhaft um Eindämmung bemüht - Die EZB stellt nochmals 70 Milliarden Euro bereit, die Fed weitere 50 Milliarden Dollar

Bereits den zweiten Tag in Folge haben am Dienstag die Zentralbanken gewaltige zusätzliche Finanzmittel in die globalen Finanzmärkte gepumpt, um weitere Unternehmenszusammenbrüche in Folge der Finanzkrise einzudämmen. Von Sydney bis Frankfurt haben die Notenbanken Milliarden an Dollar und Euro aus Notfallsfonds in die Finanzmärkte eingeschossen, um eine Kreditklemme am Geldmarkt zu verhindern.

EZB stellt nochmals 70 Milliarden Euro bereit

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Dienstag 70 Mrd. Euro in die Geldmärkte gepumpt, am Montag waren es 30 Mrd. Euro. Der Bedarf der Banken lag am Dienstag bei 100 Mrd. Euro - ein Maßstab dafür, wie stark andere Quellen schon ausgetrocknet sind.

Angesichts der Zuspitzung der Finanzmarktkrise hat auch die US-Notenbank (Fed) am Dienstag weitere 50 Mrd. Dollar (etwa 35 Mrd. Euro) in den Geldmarkt gepumpt. Bereits am Montag hatte die Fed 70 Mrd. Dollar zur Verfügung gestellt, um eine Kreditklemme der Banken zu verhindern. Der von der Federal Reserve in New York bekanntgegebene Schritt erfolgte wenige Stunden vor der mit Spannung erwarteten Zinsentscheidung der US-Notenbank.

In Großbritannien pumpte die Bank of England 20 Mrd. Pfund (25,2 Mrd. Euro) in das Finanzsystem, am Montag waren es 5 Mrd. Pfund. Der Bedarf lag am Dienstag drei Mal so hoch, wie die angebotene zusätzliche Liquidität.

Geldspritzen auch in Asien

Auch die asiatischen Zentralbanken traten am Dienstag in Aktion. Japan, Australien und Indien versorgten den Geldmarkt mit Bargeld. Die Bank of Japan, die ihren Leitzinssatz am Mittwoch voraussichtlich unverändert bei 0,5 Prozent belassen dürfte, machte ihren größten Bargeldzuschuss seit fast sechs Monaten. 1,5 Billionen Yen (10,13 Mrd. Euro) wurden in den Markt gepumpt und der Premierminister traf sich mit den Top-Finanzleuten, um die Ereignisse zu diskutieren.

Die Zinssätze, zu denen sich die Banken untereinander Geld borgen, sprangen auch in Südkorea in die Höhe, und im Finanzzentrum Hongkong brachen die Aktienkurse ein, die Währungen zerbröselten.

Die Australische Notenbank pumpte rund 1,8 Mrd. Aussie-Dollar (1,0 Mrd. Euro) in das Bankensystem, der zweite Zuschuss in zwei Tagen. Die Indische Zentralbank schoss 60 Mrd. Rupien (0,9 Mrd. Euro) in den Markt, es war dies der größte Hilfe seit mindestens einem Monat. Russlands Zentralbank versorgte den Eintages-Geldmarkt mit einem Rekordwert von 14 Mrd. Dollar.

Zinsen im Interbanken-Geschäft gestiegen

Den Anstieg der Zinsen im Interbanken-Geschäft konnten alle diese Maßnahmen jedoch nicht verhindern. Für Overnight-Geld in Dollar verdoppelten sich die Zinssätze gemessen am Libor (London interbank offered rate) auf 6,43750 Prozent von 3,10625 von Montag. Das ist die höchste Rate seit Jänner 2001. (APA/Reuters)

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