Als Linz "Kulturhauptstadt des Führers" war

16. September 2008, 15:50
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Ausstellung zum Verhältnis von Kunst und Nationalsozialismus in Linz und Oberösterreich im Vorfeld des Kultur­haup­stadt-Jahres 2009

Linz - Im kommenden Jahr wird Linz Europäische Kulturhauptstadt. Bereits jetzt widmet sich eine Ausstellung einem dunklen Kapitel der Geschichte der oberösterreichischen Landeshauptstadt: Ab Mittwoch zeigt die Schau "Kulturhauptstadt des Führers" im Schlossmuseum das Verhältnis von Kunst und Nationalsozialismus im damaligen "Gau Oberdonau".

In der Ausstellung wird auf den kulturpolitisch-zeitgeschichtlichen Hintergrund und auf das konkrete künstlerische Leben im Dritten Reich eingegangen. Details gaben Landeshauptmann Josef Pühringer, Linz09-Intendant Martin Heller und Landesmuseen-Direktor Peter Assmann in einer Pressekonferenz am Dienstag in Linz bekannt.

"Wir wollen nicht als Nazi-Land dargestellt werden, aber auch nicht verschweigen, was sich hier getan hat", betonte Pühringer. Oberösterreich habe sich im Umgang und der Bewältigung des Themas nichts vorzuwerfen. Dennoch sei es die Pflicht eines Kulturlandes sich intensiv "mit dem dunkelsten Kapitel unserer Geschichte" zu befassen. Im kommenden Kulturhauptstadtjahr nur die positiven Trümpfe zu zeigen, wäre falsch, so der Landeshauptmann. Dennoch sei es mutig, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Dabei sei ein sensibler Umgang besonders wichtig, um mit der Ausstellung nicht ein einziges "Lüftchen von Glorifizierung" aufkommen zu lassen, erklärte Pühringer.

Die Folgen des "Anschlusses"

Die Ausstellung zeigt in einem ersten Teil die konkreten Folgen des "Anschlusses" nach 1938 auf das lokale Kulturleben. Als "Heimatgau des Führers" erhoffte man sich damals einen Bedeutungszuwachs und das Image vom "provinziellen" Linz und Oberösterreich zu überwinden. Planungen für ein neues Linz wurden von Hitler bereits ab 1938 vorgenommen. Für die Neugestaltung wurden die berühmtesten Architekten des Deutschen Reiches herangezogen. Die kulturpolitischen Pläne für die Landeshauptstadt sahen zwar zahlreiche Neugründungen vor, es kam allerdings keine dieser Planungen zur Umsetzung. Hitlers persönliches Interesse an Linz habe vielfach nur in Fantasien bestanden, die um den "Heimatstadtmythos" kreisten, jedoch kaum in realer Förderung, so die Kuratorin Birgit Kirchmayr.

Hitler wollte Linz zu einer Kulturmetropole an der Donau machen. Geplant war ein monumentaler Theaterneubau am Donauufer nach Budapester Vorbild sowie eine "Prachtstraße" - ein großer Kulturplatz - in Bahnhofsnähe. Dort sollten bis 1955 ein neues Opernhaus und ein "Führermuseum" gebaut werden.

Die Schaffung dieses komplett neuen Museums wurde mit dem verheißungsvollen Titel "Sonderauftrag Linz" versehen. Das Projekt sei die herausragendste und gleichzeitig folgenschwerste kulturpolitische Planung, so Kirchmayr. Denn Hitler habe sich ein Erstzugriffsrecht auf sämtliche im "Dritten Reich" beschlagnahmten Kunstwerke gesichert. Zahlreiche Kunstgegenstände wurden unter "dubiosen Umständen" erworben, so Kirchmayr. Die Schau zeigt die Dimension dieses Vorhabens, die persönliche Verbundenheit Hitlers zu dem Projekt sowie persönliche Schicksale, die hinter dem geplanten Museum standen.

Künstler-Alltag unter Hitler

Ein zweiter Ausstellungsteil beschäftigt sich mit dem Alltag der Künstler in Oberösterreich während des Zweiten Weltkriegs. Musik und Theater zählten neben Radio und Kino zu den wichtigsten Propagandainstrumenten der Nationalsozialisten. Ab dem März 1938 wurden die Kulturinstitutionen "gleichgeschaltet", politisch oder rassisch "nicht tragbare" Künstler verfolgt, vertrieben oder ermordet und durch Parteigänger ersetzt.

Die Bildende Kunst stand in Oberdonau zwar auch unter dem Diktat der damaligen politischen Vorhaben, bis auf wenige Ausnahmen seien die Zeugnisse jedoch "überraschend moderat" und würden nur bedingt parteipolitische Inhalte aufweisen, so Kirchmayr. Gezeigt werden Werke, die zwischen 1938 und 1944 bei den Ausstellungen des Künstlerbundes Oberdonau präsentiert wurden. Darunter befinden sich Arbeiten u. a. von Leo Adler, Vilma Eckl, Alfred Kubin, Franz Sedlacek und Franz Zülow.

Im "Heimatgau des Führers" sollten sich die Literaturschaffenden besonders verpflichtet fühlen, dichterisch im Sinne des Nationalsozialismus zu wirken. Als große Vorbilder galten damals Adalbert Stifter und Franz Stelzhammer, die entsprechend der "Blut-und Boden-Lehre" vereinnahmt wurden. Die Ausstellung zeigt u. a. verbotene, verfolgte, exilierte sowie "verbrannte" Literatur gemäß der Liste des "schädlichen und unerwünschten Schrifttums" 1938 sowie Huldigungs- und Bekenntnistexte verschiedener oberösterreichischer Schriftsteller zum Thema "Anschluss". (APA/red)

Ausstellung
"Kulturhauptstadt des Führers"
Wo: Schlossmuseum Linz
Wann: von 17. September 2008 bis 22. März 2009
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 9.00 bis 18.00 Uhr; Samstag sowie an Sonn- und Feiertagen 10.00 bis 17.00 Uhr

Links

  • Das Foto zeigt Adolf Hitler beim Verlassen des Landesmuseums Linz am 8. April 1938 nach dem Besuch der Sammlung.
    Foto: APA/H.Tize-Clodi

    Das Foto zeigt Adolf Hitler beim Verlassen des Landesmuseums Linz am 8. April 1938 nach dem Besuch der Sammlung.

  • Die Ansicht der Nibelungenbrücke im Stadtzentrum von Linz um 1943 ist eines der Exponate der Ausstellung "Kulturhaupstadt des Führers".

    Die Ansicht der Nibelungenbrücke im Stadtzentrum von Linz um 1943 ist eines der Exponate der Ausstellung "Kulturhaupstadt des Führers".

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