Tote Meerschweinchen, kranke Verwandte und Angst vor Blitzen

17. September 2008, 17:44
47 Postings

Wenn ein Termin nicht eingehalten werden kann, muss eine passende Ausrede her - derStandard.at hat sich bei Lehrenden umgehört, was sich Studierende so einfallen lassen

Die Seminararbeit hätte schon längst auf dem Tisch des Professors liegen sollen. Und die geblockte Lehrveranstaltung am Wochenende, auf die hat man in der Hitze des Gefechts ganz vergessen. Was tun? Eine gute Ausrede kann jedenfalls nicht schaden, denken sich viele StudentInnen. Eine Umfrage unter Professoren und Lehrenden zeigt, wie es um die Ausreden-Kreativität der Studierenden steht. Neben Zahnschmerzen, Verkehrsunfällen und Problemen mit dem Meerschweinchen stoßen wir vor allem auf Eines: überraschende Ehrlichkeit

***

"Die Standardausrede ist "Ich habe keine Zeit", also zuviel Stress oder viel rundherum zu tun. Es kommt aber immer darauf an, wie man auf die Studierenden zugeht. Weil sie wissen, dass sie mir nichts vormachen brauchen, sind die meisten Studenten einfach ehrlich und sagen den Grund, warum sie den Termin nicht einhalten können. - Einmal kam kam von einer Studentin aus einem eher abgelegenen Dorf in Tirol eine witzige Erklärung. Sie hat mir erzählt, dass ein Gewitter war und sie sich so davor gefürchtet hat, dass der Blitz einschlagen könnte. Deswegen habe sie den Computer ausschalten müssen und war nicht in der Lage, die Arbeit zu schreiben." Johannes Prischl, Mozarteum Salzburg, Abteilung Musikpädagogik

"Ich bin relativ tolerant mit Prüfungsterminen, deswegen sagen die Studenten auch die Wahrheit. Wenn jemand noch zuwenig gemacht hat, oder es unterschätzt hat, sagt er das im Normalfall einfach. Am Anfang ist es noch vorgekommen, dass hin und wieder jemand behauptet hat, er hätte einen Verkehrsunfall gehabt. Wie ich aber angefangen habe, Polizeiberichte zu verlangen, hat sich das wieder gelegt. Aber ich sage: Wie man in den Wald hineinruft, so hallt es zurück. Mir ist es lieber, die Studenten sagen die Wahheit und wir vereinbaren einfach einen anderen Termin." Alfred Stelzl, Medizinische Universität Graz, Institut für Anatomie

"Ich bin da eine schlechte Ansprechperson, bei mir gibt es nur selten Seminararbeiten. Außerdem ist es bei mir so - und das wissen die Studierenden - dass es völlig egal ist, wieso etwas nicht da ist. Das klingt vielleicht ein bisschen hart, aber die verantwortlichen Studierenden müssen ohnehin selbst mit den Konsequenzen leben. Ich kann sowieso nichts daran ändern, wenn jemand etwas zu spät abliefert. Das sind bei mir relativ klare Verhältnisse und mir kommt vor, dass das die gerechteste Lösung ist. Aber wie gesagt: So eine Situation kommt gar nicht häufig vor." Alexandra Kuhnle-Schadn, FH Krems, Unternehmensführung und E-Business Management

"Meist sind entweder Großmutter oder Großvater gestorben. Dann wird noch oft genannt, dass so viele andere Dinge zu tun waren, dass es sich nicht ausgegangen ist und dass die Arbeit deswegen nachgeliefert wird. An dritter Stelle steht, dass sie erkrankt sind. Das sind soweit die beliebtesten Ausreden." Wolfgang Andexlinger, Leopold-Franzens Universität Innsbruck, Institut für Städtebau und Raumplanung

"Die häufigste Ausrede ist - eigentlich ist sie gar nicht witzig - "Ich bin nebenbei beruftstätig". Gerade habe ich ein E-Mail von einem Studenten bekommen, der mir schreibt, dass er zwar einen 40-Stunden-Job hat, aber gerne bei mir studieren würde. Er könnte so gut wie nie anwesend sein, erkundigt sich aber, ob das machbar wäre. Prinzipiell nimmt die Berufstätigkeit große Ausmaße an. Die Hausarbeit steht also häufig in Konkurrenz zum Job und dann ist die Frage, vor wem habe ich mehr Angst: vor meinem Boss oder vor der Uni? Eine weitere häufige Ausrede, und die ist ein bisschen lustig, ist "Ich habe es nicht gewusst". Der Klassiker sind dann natürlich auch noch Krankheiten in allen Varianten." Bernad Batinic, Johannes Kepler Universität Linz, Institut für Pädagogik und Psychologie

"Ich bekomme in letzter Zeit keine Ausreden mehr. Die Studierenden geben wenn dann ehrliche Antworten, warum sie etwas nicht bringen, nämlich dass sie es zeitlich einfach nicht geschafft haben. Früher wurden mir öfter Todesfälle in der Familie oder Krankheiten genannt. Alles in Allem erlebe ich die Studierenden als sehr zuverlässig, die meisten halten die Fristen ein." Eva Flicker, Universität Wien, Institut für Soziologie

"Das mit den Terminen ist bei uns kein Problem. Wenn einer seine Seminararbeit nicht abgibt, dann kann er zur Diplomprüfung nicht antreten. Manchmal sagt der Student dann wieso, aber man kann ja eh nichts machen. Es gibt nur wenig Fälle, wo Ausreden helfen, man bekommt ja nichts geschenkt bei uns. Ich will die Ausreden meistens gar nicht hören. Wenn mir der Studierende vorher sagt, dass er den Termin nicht einhalten kann, dann müssen wir uns sowieso etwas überlegen. Da ist es mir dann eigentlich auch egal, wieso er nicht kann." Herbert Müller, Technische Universität Wien, Institut für Festkörperphysik

"Oft ist es gar nicht so witzig was die Studenten vorbringen, sonders wie sie es formulieren. Vor Kurzem habe ich zum Beispiel ein Mail bekommen, wo ein Student recht lapidar schreibt, dass er "leider" noch in Peru sei und deswegen nicht an der Lehrveranstaltung teilnehmen könnte. Ansonsten wird bei Abgaben von Arbeiten meist der Zeitfaktor genannt. Wir bieten auch einen berufsbegleitenden Studiengang an, das heißt diese Studierenden stehen voll im Berufsleben. Für die Erstellung von Seminararbeiten hat man oft bis zu vier Monate Zeit - am Tag der Abgabe kommen dann trotzdem manche Studierende mit der Ausrede, sie haben die vergangenen Tage so viel zu tun gehabt. In so einem Fall weise ich sie dann schon darauf hin, dass man sich die Zeit besser einteilen muss. Eine andere Geschichte, die mir leider nur mehr teilweise in Erinnerung ist, hatte mit einem Meerschweinchen zu tun. Ich weiß nicht mehr, ob es nur krank war, oder verstorben ist, jedoch wurde es mir als Verhinderungsgrund genannt." Anna Humenberger, FHWien, Studiengang Marketing & Sales der WKW

(Sophie Preisch, derStandard.at, 17.9.2008)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Angst vor dem Gewitter ist nur eine von vielen Möglichkeiten, einen verpassten Abgabetermin zu erklären.

Share if you care.