Wenig Freude bei Medizinern über mehr Studienplätze

16. September 2008, 14:52
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Medizin-Uni Graz kann sich moderate Ausweitung vorstellen - Ärztekammer warnt vor "weitgehend freiem Zugang" - Zusätzliche Universitäten müssten errichtet werden

Wien - Auf wenig Gegenliebe stoßen jüngste Vorschläge von SPÖ, FPÖ und Grünen, den Zugang zum Medizinstudium zwar nicht völlig freizugeben, dafür aber die Anfängerplätze drastisch aufzustocken - von derzeit 1.500 auf 2.400 bis zum Wintersemester 2011. Für den Vizerektor der Medizin-Uni Wien (MUW), Rudolf Mallinger, wären für die Umsetzung der Vorschläge "zwei bis drei neue Unis" nötig. Und auch das wäre "nicht in drei Jahren" zu bewältigen, so Mallinger gegenüber der APA. Der Rektor der Medizinischen Universität Graz, Josef Smolle, kann sich lediglich "eine moderate Erhöhung" vorstellen.

"Rückfall in alte Zeiten"

Ein freier Zugang zum Medizinstudium kommt für Smolle keinesfalls in Frage. Das wäre ein Rückfall in die alten Zeiten, und die seien alles andere als "gute alte Zeiten" gewesen, mit "wenig Praxis bei der Ausbildung, überfüllten Hörsälen und 60 Prozent Drop-out-Quote", so Smolle. Eine moderate Anhebung der Studienplätze seien für seine Universität denkbar, allerdings müssten die Mehrkosten voll und ganz übernommen werden. Auch dürften derlei Änderungen nicht "handstreichartig" sondern in Absprache mit allen Beteiligten beschlossen werden. Um die Qualität vor allem der praktischen Ausbildung zu halten, müsste etwa erwogen werden, mehr Krankenhäuser zu involvieren.

Zusätzliche Universitäten gefordert

Für Mallinger ist der Plafond für Studienplätze an der MUW erreicht, man stoße bereits jetzt an die oberste Grenze der Kapazitäten. Mit 740 Plätzen für Studienanfänger sei man auch im internationalen Vergleich eine sehr große Universität. Um wirklich 2.400 Studienplätze zur Verfügung stellen zu können, müssten zusätzliche Universitäten eingerichtet werden, ist Mallinger überzeugt. Der Vizerektor betonte, dass man auch bei 2.400 Anfängerplätzen nicht von einem freien Zugang sprechen könnte. So habe es für das letzte Aufnahmeverfahren alleine in Wien 6.000 Bewerber gegeben.

"Keine Rede von Ansturm"

Walter Dorner, Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), warnte in einer Aussendung vor einem "weitgehend freien Zugang für das Medizinstudium". Das Vorhaben konterkariere "jahrelange Bemühungen zur Modernisierung und Qualitätssteigerung der Medizinerausbildung im Kern", sagte Dorner. Das neue Medizin-Curriculum, das Übungen in praxisnahen Kleingruppen und am Krankenbett vorsehe, werde durch eine Massenöffnung ad absurdum geführt. Ganz allgemein sprach Dorner angesichts der Vorschläge von einem "Wahlkampf der Oberflächlichkeiten".

SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser konterte, dass keine "Massenöffnung" der Medizin-Unis gefordert würde. Es gehe lediglich um jährlich rund 350 neue Medizinstudenten, aufgeteilt auf drei Standorte. Von einem Ansturm sei keine Rede.

"Aufstockung der Studienplätze nicht realisierbar"

Für die Wirtschaftskammer (WKÖ) wäre die Abschaffung der Studienbeiträge eine "sozialpolitische Mogelpackung". Die Beiträge hätten sich bewährt, so gebe es heute mehr Studierende pro Geburtenjahrgang, es treten mehr zu Prüfungen an als früher. Nicht zuletzt seien die Studienbeiträge durch Stipendien an Bedürftige ein Beispiel für soziale Treffsicherheit staatlicher Förderleistungen. Die Aufstockung der Studienplätze in Medizin hält Michael Landertshammer, Leiter der Abteilung Bildungspolitik in der WKÖ, für nicht realisierbar, da die nötige räumliche und personelle Infrastruktur nicht vorhanden sei. (APA)

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    An der Medizin Uni Wien stoße man bereits jetzt an die oberste Grenze der Kapazitäten, sagt Vizerektor Mallinger.

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