"Ein bisschen mehr als Dose"

16. September 2008, 15:40
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Studenten-Kochbücher wollen den Mythos widerlegen, in Uni-Jahren ernähre man sich von Pizza und Bier - Allzu kompliziert darf es aber nicht werden - Ein derStandard.at-Interview

"Studentenfutter", "Studentenfutter Multikulti" und "Grünfutter": An wen sich Bücher mit den erwähnten Titeln richten, ist nicht schwer zu errraten. Kochbücher für Studierende sind seit einigen Jahren Trend am Buchmarkt. derStandard.at sprach mit Carola Reich, Redaktionsleiterin im deutschen Oetker-Verlag, über das Leben zwischen Dosenravioli und Bio-Küche, die Abkehr vom Junkfood und den Trend zu weniger Fleisch. Die Fragen stellte Anita Zielina.

derStandard.at: Frau Reich, wie genau kommen denn die Rezepte für "Studentenfutter" ins Buch namens "Studentenfutter"?

Reich: Wir haben ganz generell ein Archiv mit rund 35.000 Rezepten. Dann stellen wir uns die Frage: Was ist Studenten wichtig, worauf legen wir Wert? In unserem Verlag arbeiten ganz viele Leute in der Altersgruppe zwischen 20 und 35. Die haben viel Input geliefert. Außerdem gibt es noch die freien Rezeptentwickler, die über die Auswahl drüberschauen, Tipps und Zusatzinfos organisieren.

derStandard.at: Was muss ein Studentenrezept können?

Reich: Es darf, das ist ganz wichtig, nicht zu kompliziert sein. In unseren "normalen" Kochbüchern sind viele Rezepte drin, die Studenten nie machen würden. Man kann davon ausgehen, dass viele Jugendliche zu Hause nicht mehr lernen, wie man kocht. Für sie ist das dann oft der erste Kontakt mit dem Thema "Küche".

Die Anlässe, zu denen dann gekocht wird, sind allerdings sehr unterschiedlich: Jemand kocht für sich alleine, weil er nicht immer von Pizza leben will; Ein anderer hat Besuch in der Wohngemeinschaft; oder jemand will einmal etwas Besonderes für seinen Schatz kochen. Und zwar nicht nur Frauen für Männer, sondern auch umgekehrt. Für alle diese Gelegenheiten sind im Buch Rezepte drin.

derStandard.at: Was ist mit den Zutaten, worauf legen Sie da Wert?

Reich: Ein Kochbuch für Studenten kann natürlich ein bisschen pfiffiger, ein bisschen internationaler sein als ein normales Kochbuch. Trotzdem sollte man für die Rezepte nicht allzu viele Zutaten benötigen, diese sollten außerdem leicht zu bekommen sein. Und der Preis spielt da auch eine Rolle, halbwegs günstig kann natürlich auch nicht schaden.

derStandard.at: Ist der Mythos vom Studenten, der sich nur von Junkfood und Bier ernährt, also endgültig obsolet?

Reich: Naja, es wird schon welche geben, die das praktizieren. Aber sicher nicht alle. Unser nächstes Kochbuch in der Studenten-Reihe heißt zum Beispiel "Grünfutter". Vegetarische Rezepte waren immer schon gefragt, aber man erkennt in letzter Zeit ganz klar einen Trend zu vegetarischer und Bio-Ernährung. Vor allem bei Frauen, Männer sind schon noch oft so, dass sie ihr ordentliches Stück Fleisch haben wollen.

Das Feedback auf die Kochbücher ist jedenfalls sehr positiv. Wir wissen aber natürlich nicht, ob sich die Studenten das Buch alle selber kaufen, da wird wohl auch die eine oder andere Oma ein Geschenk machen, nach dem Motte: "Kind, koch Dir doch mal was Gescheites".

derStandard.at: Was ist für Sie das Parade-Studentenrezept? Gibt es so etwas?

Reich: Schwer zu sagen, Nudeln mit irgendwelchen Saucen sind natürlich immer beliebt. Wir haben auch ein Rezept für einen Auflauf mit Dosenravioli im Buch, der kommt extrem gut an. Ein bisschen mehr als Dose, aber eben nicht zu aufwändig. (Anita Zielina, derStandard.at, 16.9.2008)

  • StudentenfutterVerlag Dr. Oetker; Auflage: 1 (Oktober 2007)

    Studentenfutter
    Verlag Dr. Oetker; Auflage: 1 (Oktober 2007)

  • Studentenfutter MultikultiVerlag Dr. Oetker; Auflage: 1 (24. April 2008)

    Studentenfutter Multikulti
    Verlag Dr. Oetker; Auflage: 1 (24. April 2008)

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