Deutsche Ökonomen warnen

16. September 2008, 17:26
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Steinbrück: Abschwung, aber im Gleichgewicht

Berlin - Einerseits schicken die Nachrichten von der Wall Street Schockwellen rund um die Erde, andererseits lässt der Inflationsdruck etwas nach - Ergebnis: Die Wirtschaftsprognosen sind unsicherer denn je.

Im Sog der Finanzkrise werde sich etwa die konjunkturelle Talfahrt in Deutschland beschleunigen, ließen führende Wirtschaftswissenschafter wissen. Das gewerkschaftsnahe Institut IMK sieht Deutschland auf dem Weg in eine Rezession und rechnet für 2009 nur mit einem mageren Plus von 0,4 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt. Das Essener RWI-Institut zeigt sich mit einer Prognose von 0,7 Prozent nur wenig optimistischer. Finanzminister Peer Steinbrück warnt vor neuen Ausgaben: "Die Wirtschaftskonjunktur dreht in einen Abschwung." Er warnte aber vor Schwarzmalerei. Die deutsche Wirtschaft sei robust genug, um nicht aus dem Gleichgewicht zu geraten.

Der Sinkflug des Ölpreises und der Kursverfall des Euro zum Dollar haben allerdings dazu beigetragen, dass sich die Rahmenbedingungen etwas verbessert haben. Diese Entwicklungen dämpften auch die Skepsis, wie das aktuelle ZEW-Barometer der Konjunkturerwartungen zeigt. Es stieg im September deutlich auf minus 41,1 von minus 55,5 Zählern, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung mitteilte.

Die Umfrage erfasst die Reaktion auf die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten aber nur zu einem kleinen Teil, da ein Großteil der Daten vor Bekanntwerden der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers erhoben wurde.

Ein Indikator für die abkühlende Konjunktur ist weiters, dass die europäischen Pkw-Neuzulassungen im August 2008 gegenüber dem Vorjahresmonat um knapp 16 Prozent auf 805.840 Einheiten zurückgegangen sind. Im Gesamtjahr schrumpfte der Automarkt um vier Prozent. (ag, DER STANDARD, Print-Ausgabe,17.9.2008)

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