Lesen, Zuhören, "Operieren": Was SchülerInnen können müssen

16. September 2008, 13:14
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Einführung von Bildungsstandards steht bevor: Unterricht und Schulbücher müssen angepasst werden - Mündliche und schriftliche Überprüfungen ab dem Schuljahr 2011/12

Wien - Was österreichische SchülerInnen in Zukunft in den Bereichen Deutsch, Mathematik und Englisch können müssen, hat SPÖ-Unterrichtsministerin Claudia Schmied mittels Bildungsstandards nun endgültig festgeschrieben. Im Verordnungsentwurf, der heute in Begutachtung geschickt wurde, sind die grundlegenden Kompetenzen, die am Ende der 4. Klasse Volksschule sowie der 4. Klasse Hauptschule/AHS-Unterstufe überprüft werden sollen, festgelegt. 

"Hören, Sprechen und miteinander Reden"

Konkret sieht das im Verordnungsentwurf so aus: Für die einzelnen Schulstufen und Gegenstände werden verschiedene "Kompetenzbereiche" beschrieben. Für die 4. Klasse Volksschule in Deutsch ist einer dieser Kompetenzbereiche beispielsweise "Hören, Sprechen und miteinander Reden". Hier geht es u.a. darum "verständlich erzählen und anderen verstehend zuhören" zu können. Dazu müssen die Schüler "Erlebnisse zuhörerbezogen erzählen, über Begebenheiten und Erfahrungen verständlich sowie thematisch zusammenhängend sprechen, und anderen aufmerksam zuhören" können. Weitere Kompetenzbereiche sind u.a. "Lesen - Umgang mit Texten und Medien", "Verfassen von Texten", in Mathematik "Operieren und Modellieren".

Schulbücher auf Bildungsstandards abgestimmt

Die Lehrer müssen laut Entwurf "den Unterricht während der gesamten Ausbildung auch auf die Erreichung dieser Lernergebnisse hin ausrichten und jeden einzelnen Schüler zu seinen besten Lernergebnissen hinführen". Das gilt  ab diesem Schuljahr bereits für alle Lehrer in den betroffenen Fächern der 1. Klassen Volksschule sowie Hauptschule und AHS. Mit den Schulbuchverlagen sei vereinbart, dass ab dem nächsten Schuljahr die ersten Schulbücher verfügbar sind, die den für die Bildungsstandards notwendigen Kompetenzaufbau in Form von Beispielen berücksichtigen, wie Josef Lucyshyn, einer der beiden Direktoren des Bundesinstituts für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des österreichischen Schulwesens (BIFIE), im Gespräch mit der APA erklärte.

Anonyme Überprüfung

Die Überprüfungen erfolgen nicht personenbezogen, weder bei der schriftlichen, noch bei der mündlichen Tests sind Name oder eine sonstige Identifikation des Schülers anzugeben. Die Schüler können sich aber mittels eines Zugangscodes im Internet über ihre individuellen Testergebnisse informieren. Alle weiteren Personen, wie Schulbehörden und Schulleiter, erhalten ausschließlich auf Klassen- oder Schulebene zusammengefasste Auswertungen. Die Lehrer erhalten Zugriff auf die nicht personenbezogenen Testergebnisse der Klasse. Daher wird es für Lehrer auch nicht möglich sein, die Testergebnisse in die "normale" Leistungsbeurteilung miteinzubeziehen.

Status quo vor Bildungsstandards

2009 wird es eine sogenannte Baseline-Testung an etwa 30 Prozent der Schulen in ganz Österreich für die 4. Klasse Hauptschule und AHS geben, 2010 erfolgen diese Baseline-Tests in der 4. Klasse Volksschule. Dabei soll der Status quo vor dem Einsatz der Bildungsstandards erhoben werden, um später einen Vergleich zu ermöglichen und feststellen zu können, ob und in welchem Ausmaß die Bildungsstandards wirksam sind, sagte Lucyshyn. Im Bereich der Naturwissenschaften, die ebenfalls abgetestet werden sollen, befände man sich noch in den Startlöchern, so Rober Allmer vom BIFIE.

Mit einer Änderung des Schulunterrichtsgesetz wurde im vergangenen Juli die gesetzliche Grundlage für die Bildungsstandards geschaffen. Die Überprüfungen sind für die 8. Schulstufe ab dem Schuljahr 2011/12 und für die 4. Schulstufe ab dem Schuljahr 2012/13 durchzuführen - und zwar österreichweit. In welchem zeitlichen Rhythmus die Schüler getestet werden, legt der Bildungsminister fest.Die Begutachtungsfrist des Verordnungsentwurfs endet am 21. Oktober. (APA/red)

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    Lesen, Zuhören, Sprechen, Umgang mit Texten und Zahlen - in diesen Bereichen müssen künftig Bildungsstandards erreicht werden.

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