Slowenischer Premier bezahlte für "Exklusivinterview"

16. September 2008, 11:06
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Journalistin bewundert "Wärme und Milde" in Jansas Augen - Zeitungsinterview scheiterte an Forderung, Fragen schriftlich einzureichen

Laibach - Nachdem er vom finnischen Fernsehen als bestechlich dargestellt wurde, geht der slowenische Ministerpräsident Janez Jansa bei Medienkontakten auf Nummer sicher. In einem für einen amtierenden Regierungschef eher ungewöhnlichen Schritt gab er einem landesweit wenig bekannten Regionalfernsehsender im nordostslowenischen Murska Sobota ein viertelstündiges "Exklusivinterview" und bezahlte auch noch dafür.

Dass es sich um eine bezahlte Einschaltung von Jansas Slowenischer Demokratischer Partei (SDS) handelte, war nur kleingedruckt im Abspann zu sehen. Wie die Tageszeitung "Dnevnik" (Dienstagsausgabe) berichtet, bietet der Privatsender "TV Idea - Kanal 10" seinen politischen Auftraggebern für wohlfeile 8.400 Euro ein "Siegerpaket" an, das Werbespots, Porträts und ein Interview beinhaltet. Dabei werden "auch inhaltliche Wünsche" der Kandidaten berücksichtigt, "sofern dies im Einklang mit der journalistischen Ethik steht".

Unwürdiger Journalismus

"TV Idea"-Chefredakteurin Brigita Bavcar schien in Sachen journalistische Ethik keine besonders strengen Maßstäbe an sich anzulegen, als sie Jansa interviewte. Nachdem der Regierungschef erneut seine Unschuld in der Patria-Rüstungsaffäre beteuert und das finnische öffentlich-rechtliche Fernsehen sowie slowenische Journalisten wegen der Korruptionsvorwürfe gegen ihn scharf angegriffen hatte, sagte die Journalistin: "Mein Kommentar: Das ist unprofessioneller und dem Berufsstand unwürdiger Journalismus, wenn überhaupt." Nach der nächsten Frage wünschte sie Jansa viel Erfolg im "Kampf gegen Tycoons (Oligarchen)" und schwärmte schließlich auch den "warmen und sanften Augen" ihres Gesprächspartners.

Kein Vorwahl-Interview mit Jansa bekam dagegen die führende Tageszeitung des Landes, "Delo". Als einziger der Spitzenkandidaten verlangte der Regierungschef nämlich, dass ihm die Fragen im Voraus schriftlich vorgelegt werden. Allerdings stellte sich Jansa den Fragen des regierungskritischen Blatts "Dnevnik". Das Interview geriet zu einer Abrechnung mit der Zeitung, die Jansa bezichtigte, die Schmiergeldvorwürfe gegen ihn mitinszeniert zu haben. "So viele Lügen, wie ich in den vergangenen 20 Jahren in ihrem Blatt gelesen habe, obwohl ich es nicht oft lese, kann man kaum woanders lesen", sagte Jansa in dem am vergangenen Wochenende veröffentlichten Interview. Auf den Hinweis der "Dnevnik"-Journalisten, dass noch alle Berichte der Zeitung gestimmt hätten, sagte er sarkastisch: "Und Elefanten können fliegen."

Finnischer Privatsender nahm Jansa aufs Korn

Wenig Glück hatte Jansa vorige Woche auch mit einem Interview für den finnischen Privatsender "Nelonen", in dem er seinen Standpunkt zu den im öffentlich-rechtlichen Sender YLE erhobenen Korruptionsvorwürfen darstellte. Das Jansa-Interview wurde in der Infotainment-Sendung "maria!" ausgestrahlt, deren Moderatorin Maria Veitola die von Jansa erhoffte Ernsthaftigkeit im Umgang mit dem Thema vermissen ließ. Sie schenkte dem Premier nach dem Interview einen vorgefertigten Brief an den Weihnachtsmann - dem Jansa schreiben könne, falls er sich im Gefängnis wiederfinde, so der sarkastische Kommentar Veitolas - und versuchte auch andere hochrangige slowenische Gesprächspartner wie Innenminister Dragutin Mate oder Chefanklägerin Barbara Brezigar mit kleinen Geschenken zu "bestechen".

Nach dem Interview rief Veitola dem verdutzten Regierungschef den aus dem Science-Fiction-Epos "Star Wars" entlehnten Gruß "May the force be with you" (Möge die Macht mit dir sein) nach - möglicherweise eine Anspielung an Jansas von seinem langjährigen politischen Gegenspieler Janez Drnovsek geprägten Spitznamen "Fürst der Finsternis". (APA)

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