Kursgemetzel an den Börsen weltweit

16. September 2008, 15:24
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Kurse rasselten in den Keller - Öl- und Industriemetall-Preise abgestürzt - Notenbanken pumpen Milliarden in den Markt

Wien - Die Finanzkrise in den USA hat die Kurse auf den Weltbörsen in den Keller rasseln lassen. Die Wall Street verzeichnete am Montagabend (Ortszeit) den stärksten Einbruch seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001, die Leitbörsen in Fernost und Europa zogen nach. Der Tokioter Index Nikkei-225 fiel auf das tiefste Niveau seit mehr als drei Jahren, der heimische ATX ebenso.

Zu den größten Verlierern zählen Versicherungs- und Bankenaktien. Die Papiere des angeschlagenen Versicherungsriesen American International Group (AIG) stürzten in New York um gut 60 Prozent ab, in Frankfurt sackten deren Titel um elf Prozent ab. Deutsche Anleger flüchteten sich am Dienstag vermehrt in Staatsanleihen. Sowohl die japanische Notenbank als auch die Europäische Zentralbank und die Bank of England pumpten Dutzende Milliarden Euro in den Geldmarkt.

Zur Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers kamen innerhalb kürzester Zeit der Notverkauf der Merrill Lynch an die Bank of America sowie die unsicheren Zukunftsaussichten des Versicherungsriesen American International Group (AIG). Die AIG braucht dringend frisches Kapital. In der Nacht auf Dienstag haben die Rating-Agenturen Standard and Poors, Fitch und Moodys die Bewertung für AIG gesenkt. Die US-Notenbank Fed hat Finanzkreisen zufolge mittlerweile die Investmentbank Morgan Stanley damit beauftragt, alle Optionen für AIG zu prüfen.

Dow auf Tiefststand seit 9/11

Die US-Finanzkrise trieb die Börsen weltweit in den tiefroten Bereich. Der New Yorker Dow Jones sank auf 10.917,51 Punkte - ein Minus von 4,42 Prozent. Der technologieorientierte Nasdaq gab um 3,60 Prozent auf 2.179,91 Punkte nach. Die Verlustwelle schwappte nach dem Feiertag vom Montag auf die Leitbörsen in Fernost über. Der Nikkei-225 Index in Tokio rutschte 4,95 Prozent auf 11.609,72 Punkte ab und markierte damit das tiefste Niveau seit mehr als drei Jahren. Auch die anderen Handelsplätze in Fernost, darunter Hongkong, Singapur und Sydney verzeichneten klare Rückgänge.

Die europäischen Aktienmärkte setzten einen Tag nach dem "schwarzen Montag" ihre Talfahrt fort. Der DAX in Frankfurt notierte um 15:00 mit 5.866,60 Punkten und einem Minus von 3,27 Prozent. Der FT-SE-100 der Börse London reduzierte sich um 4 Prozent auf 4.995,80 Punkte. Klare Abschläge mussten auch die Märkte in Paris und Zürich verbuchen. Der ATX fiel um 15:00 erstmals seit Juli 2005 unter 3.000 Punkte.

Zu den größten Verlierern zählten die Aktien von Versicherungskonzernen. Die Aktien der Schweizerischen Rückversicherungs-Gesellschaft (Swiss Re) rutschten 8,85 Prozent auf 56,65 Schweizer Franken ab. Die Papiere des größten britischen Versicherer Aviva verloren 4,60 Prozent auf 467,00 Pence. Allianz sackten um 4,23 Prozent auf 99,50 Euro ab.

Bankentitel unter Feuer

Auch Bankentitel blieben weltweit unter Druck. Industrial & Commercial Bank of China (ICBC) sackten um 7,3 Prozent auf 4,45 Hongkong Dollar ab und China Construction rutschten um 8,2 Prozent auf 5,15 Hongkong Dollar ab. In Europa brachen UBS-Papiere um weitere 11,29 Prozent auf 17,83 Franken ein, der Kurs der britischen Großbank Barclays hat nach Gesprächen mit Lehman Brothers weitere 9,18 Prozent auf 287,00 Pence verloren. In Wien büßten Erste Group 4,06 Prozent ein, Raiffeisen International fielen um 9,04 Prozent. Deutsche Anleger flüchteten heute zunehmend in Staatsanleihen.

Die Preise für Öl und Industriemetalle befanden sich ebenfalls im Sinkflug. Auch Gold verbilligte sich, obwohl es in Krisenzeiten häufig als sicherer Anlagehafen gilt. Bereits am Vortag waren die Notierungen für Öl und Basismetalle abgerutscht. Der Preis für ein Fass US-Leichtöl der Sorte WTI rutschte um 2,8 Prozent auf 93,03 US-Dollar (65,74 Euro) und erreichte damit den niedrigsten Stand seit Mitte Februar. Nordseeöl der Sorte Brent verbilligte sich je Barrel um drei Prozent auf 91,35 US-Dollar. Auch der OPEC-Ölpreis rauschte nach unten und stand am Montag bei 91,35 US-Dollar je Barrel.

Unterdessen stellte die Europäische Zentralbank (EZB) den Banken zusätzlich 70 Mrd. Euro, die Bank of England (BoE) 20 Mrd. Pfund (25,2 Mrd. Euro) zur Verfügung. Damit wollen die Währungshüter sicherstellen, dass sich die Banken weiterhin untereinander Geld leihen. Bereits am Montag hat die EZB gegen Liquiditätsengpässe 30 Milliarden Euro in den Geldmarkt gepumpt. Auch die japanische Notenbank versorgte den Markt mit einer Finanzspritze von 2.500 Mrd. Yen (16,7 Mrd. Euro). Am heutigen Abend wird der Offenmarktausschuss der US-Notenbank Fed - nach Börsenschluss in Europa - seine Zinsentscheidung bekannt geben. (APA/dpa/Reuters/AFP)

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