Rotes Bandenspiel mit der Industrie

15. September 2008, 20:03
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Im Steirerland hat sich an der schwarzen Vormacht auch nach der roten "Revolution" kaum etwas geändert - Teil 13 der Serie

Graz - Das beste steirische Netzwerk existiert in Wien. Aber das hat weniger mit Machterhalt oder -gewinn zu tun, sondern eher ein bissl mit Heimweh und Nostalgie. "Zuag'raste" aus der Steiermark, vornehmlich aus Management- und Medienebenen, treffen einander regelmäßig zum Netzwerken. Eingefädelt hat dies Ex-Asfinag-Vorstand Franz Lückler. Im Bundesland selbst ist die Szene weniger verwoben. Hier dominieren klare, schwarze Machtblöcke.

Die einzelnen Industriekapitäne flottieren aber relativ frei durch die Gegend, sie haben nur lose Andockstationen in die Politik. Der SP-Vorzeigeindustrielle Hannes Androsch findet zwar jederzeit ein offenes Ohr bei SPÖ-Landeshauptmann Franz Voves. Magna-Topmanager Siegfried Wolf, KTM-Boss Stefan Pierer, der über seine Cross-Holding bei Austria Email oder Pankl stark in der Steiermark verankert ist, und auch Magna-Boss Frank Stronach: sie alle verfügen defacto über keine Netzwerke in die ländliche Politik. Vielmehr: Wolf, Stronach oder auch Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz sind nach einschlägigen Erfahrungen mit den parteipolitischen Ränkespielen eher nur noch per E-mail erreichbar.

Seit dem Machtwechsel von Schwarz auf Rot hat sich die Gewichtung der Macht kaum verschoben. Im Einflussbereich der Landesregierung blieb vieles beim Alten - die Bezirkshauptmannschaften sind nach wie vor überwiegend unter schwarzer Führung, die Abteilungsleiter im Land noch immer zu 80 Prozent der ÖVP zuzurechnen. In die Industrie zumindest sind einige rote Kanäle entstanden. SPÖ-Landeshauptmann und Ex-Sportler Franz Voves, kennt Industriellen-Boss Jochen Pildner-Steinburg aus früheren Eishockeyzeiten. Die beiden spielen jetzt oft über die Bande miteinander. Pildner-Steinburg ist für Voves ein nicht unwesentlicher Gesprächspartner, nachdem sich ÖVP- Landeshaupmannvize Hermann Schützenhöfer eher im ÖAAB-Dunstkreis oder bei den CVlern der Karolinger heimelig fühlt.

Die wichtigste Achse aber hält Voves zum ehemaligen SPÖ-Chef Peter Schachner-Blazizek. Er ist der Mastermind hinter den großen wirtschaftspolitischen Entscheidungen. Schachner-Blazizek sitzt heute für die SPÖ unter anderem im Landesenergierkonzern Energie Steiermark AG.

Auf der schwarzen Seite steht felsenfest der große Kirchenblock. Mit der tonangebenden Medienorgel Styria. Die ökonomischen Standbeine bilden daneben der Raiffeisensektor und die Grazer Wechselseitige Versicherung. Hier spielt die Steirermusi und da haben die neuen roten Regierer nur beschränkten Zutritt. (Walter Müller , DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.9.2008)

Teil 14: Brüsseler Spitzen

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