Über 20.000 bei Protestkundgebung gegen Regierung

15. September 2008, 19:26
posten

Opposition will Kabinett stürzen - Journalisten freigelassen

Kuala Lumpur - Die Regierung in Malaysia gerät immer stärker unter Druck. Bei einer Kundgebung mit mehr als 20.000 Teilnehmern kündigte Oppositionsführer Anwar Ibrahim am Montag an, der Sturz der Regierung von Ministerpräsident Abdullah Badawi stehe kurz bevor. Zuvor war aus Protest gegen die Festnahme von drei Oppositionellen ein Kabinettsmitglied zurückgetreten. In der Regierung mehrten sich Stimmen, die Badawi einen vorzeitigen Rücktritt nahelegten, berichteten Lokalmedien. In Kuala Lumpur kursierten Gerüchte über Unruhen und die mögliche Verhängung des Ausnahmezustands.

Trotz eines heftigen Wolkenbruchs versammelten sich am Montagabend mehr als 20.000 Menschen in einem Stadion im zentralen Bundesstaat Selangor zu der Protestkundgebung. Oppositionsführer Anwar erklärte unter tosendem Beifall seiner Anhänger, er habe nun die nötige Parlamentsmehrheit zusammen, um die seit mehr als 50 Jahren regierende Koalition im Parlament zu stürzen.

"Klare und konkrete Bewegung"

An diesem Dienstag werde es eine "klare und konkrete Bewegung" in Richtung Regierungsübernahme geben. Zuvor hatte er eine Frist bis Dienstag für die Regierungsübernahme angekündigt, die aber verstreichen dürfte. "Die Regierungsübernahme steht kurz bevor, nur den 16. September schaffen wir wegen ein paar kleinerer Probleme nicht", sagte einer seiner Mitarbeiter.

In Kuala Lumpur deckten sich Menschen mit Nahrungsmitteln und Trinkwasser ein. "Ich habe Reis und andere notwendige Sachen gekauft, weil ich nicht das Risiko eingehen will, dass ich nicht vorbereitet bin, wenn etwas passiert", sagte Aktienhändler Ng Chin Sing. "Die Regierung versucht verzweifelt, an der Macht zu bleiben, und Anwars Drohungen sind realistisch genug, um ihr Angst einzujagen." Mehrere Geschäfte haben für Dienstag einen Ruhetag angesetzt.

Die Behörden haben unter einem drakonischen Sicherheitsgesetz am vergangenen Freitag drei Kritiker festgenommen. Eine Reporterin wurde inzwischen wieder freigelassen, eine Oppositionsabgeordnete und ein prominenter Blogger waren am Montag aber noch in Haft. Der im Kabinett für Justizfragen zuständige Zaid Ibrahim trat deshalb aus Protest zurück. "Das Sicherheitsgesetz sollte nur gegen Terroristen und Leute angewandt werden, die die Regierung gewaltsam stürzen wollen", sagte er. (APA/dpa)

 

Share if you care.