Neues Kapitel bei Bankenrettungen

15. September 2008, 19:03
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Die US-Notenbank und der Einlagensicherungsfonds mussten schon oft Hilfe leisten

Die Anstrengungen der US-Notenbank Fed, die großen Banken ihres Landes aufzufangen, bilden ein neues Kapitel in der Geschichte von Bankrettungsversuchen.

  • Panik von 1907: Ein Massenansturm auf die US-Bank Knickerbocker Trust löste Panik an der Wall Street aus. Banken forderten Kredite zurück, die Aktienkurse stürzten ins Bodenlose. Beruhigung brachte der Banker J. P. Morgan, der sich mit anderen Bankern zusammenschloss und Liquidität bereitstellte. Die führte 1914 zur Gründung der US-Notenbank Fed.
  • Weltwirtschaftskrise, 1930: Kreditbeschränkungen und Darlehensausfälle brachten in den 30er-Jahren das Aus für 9000 US-Banken. Nach einem Börsencrash zogen besorgte Kunden massenhaft Geld von den Banken ab. Präsident Roosevelt rief 1933 eine dreitägige Bankschließung aus, um die erhitzten Gemüter zu beruhigen. Der Einlagensicherungsfonds FDIC wurde gegründet.
  • Commonwealth Bank, 1972: Die Commonwealth Bank in Detroit war die erste Bank mit einer Bilanzsumme von mehr als einer Milliarde Dollar, die vom FDIC mit 35,5 Mio. Dollar ausgelöst wurde. Dieses Geld sah der Fonds nie wieder.
  • First Pennsylvania, 1980: Die US-Bank First Penn wurde 1782 als eine der ersten US-Privatbanken gegründet. In den 70er Jahren geriet sie in Schieflage, da sie die hohen Zinszahlungen auf Einlagen nicht stemmen konnte.
  • Continental Illinois, 1984: Continental Illinois ist die größte Bank, die bisher von Fed und FDIC gerettet wurde. Das Geldhaus schlitterte durch faule Kredite, mit denen die Ausbeutung von Öl- und Gasvorkommen finanziert werden sollte, in die Insolvenz.
  • Einlagen- und Darlehenskrise, 80er: Zwischen 1986 und 1989 musste der Einlagensicherungsfonds 296 Banken zu Hilfe eilen. Die Geldhäuser hielten Anlagen im Wert von 125 Mrd. Dollar und waren durch faule Kredite in Bedrängnis geraten. Über 740 Institute wurden aufgelöst oder konsolidiert.
  • Hedgefonds-Zusammenbruch, 1998: Massive Verluste des US-Hedge-Fonds Long Term Capital Management schreckten die Finanzmärkte. Auslöser waren Ausfälle russischer Staatsanleihen. Die Fed organisierte eine Geldspritze von 3,625 Mrd. Dollar. (bpf, APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe,16.9.2008)
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