ORF will Rosenhügel verkaufen

15. September 2008, 18:18
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Die Filmstadt soll nach St. Marx übersiedeln - ORF-Finanzerfolg im ersten Halbjahr 4,9 Mio. Euro nach 11,5 Millionen

Wien - Wer hier eins und eins zusammenzählt, liege falsch, gibt ORF-Chef Alexander Wrabetz zu verstehen. Eins, das ist das mehr als halbierte ORF-Finanzergebnis im ersten Halbjahr 2008. Eins Nummer zwei, das sind Infos des STANDARD, die Anstalt wolle ihr Areal auf dem Rosenhügel verkaufen. Dort hat die traditionsreiche Filmstadt Wien ihre Studios. "Das ist eine Überlegung", bestätigt der ORF-General die Infos zum Rosenhügel grundsätzlich. Im Detail will er sie nicht kommentieren.

Filmproduzent Kurt Mrkvicka (MR Film) ist Geschäftsführer der Filmstadt Wien, an der er 35 Prozent hält, weitere drei Produzenten und Unternehmer zwischen zehn und 35 Prozent. Mrkvicka rief Montag nicht zurück. Nach Infos dieser Zeitung läuft sein Pachtvertrag mit dem ORF über das Gelände auf dem Rosenhügel bis 2014.

Media Quarter Marx in Wien-Landstraße

"Es gibt Gespräche mit Herrn Mrkvicka", sagt Claus Hofer dem STANDARD. Hofer ist Geschäftsführer des ZIT, der Technologieagentur des Wiener Wirtschaftsförderungsfonds. ZIT hat gerade Einreichpläne abgegeben für eine Erweiterung des Media Quarter Marx in Wien-Landstraße. Auf 35.000 Quadratmetern will Wien der Produktionsbranche Synergien auf kurzem Wege bieten. Mrkvicka zeige sich "interessiert", sagt Hofer: "Wir reden."

Wrabetz grundsätzlich: "Wir prüfen, wie wir unser Grundstücksportfolio optimieren können." Heuer wirke sich das aber gewiss noch nicht auf das Budget aus.

Der ORF erwirtschaftete nach STANDARD-Infos mit Finanzanlagen im ersten Halbjahr 2008 4,9 Millionen Euro - nicht halb soviel wie die zuletzt 11,5 Millionen. Ob der internationalen Finanzkrise könne man "den Finanzern keinen Vorwurf machen", sagt Wrabetz, "wir haben immerhin verdient". Für solche Risiken brauche der ORF Reserven, wie die vom Rechnungshof kritisierten 163 Millionen.

Der ORF weist traditionell und zuletzt wachsende Verluste aus dem operativen Betrieb aus, um mit den bisher hohen Finanzergebnissen unter dem Strich ausgeglichen zu bilanzieren. Einknickende Finanzergebnisse können das aus dem Gleichgewicht bringen.

Kolportiert werden Sparaufforderungen der Kaufmännischen ORF-Direktorin über 20 Millionen bis Jahresende. Auch Budgetlücken von 42 Millionen kursieren. Wrabetz will die Zahlen nicht kommentieren. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 16.9.2008)

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