"Das war kein Glück oder Zufall"

15. September 2008, 16:38
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Während Experten vom neuen GP-Sieger Vettel schwärmen, versucht der 21-jährige den Boliden flach zu halten: "Bin der, der ich vorher war"

Monza - Die ehemaligen Weltmeister überhäuften ihn mit Lob, die Medien überschlugen sich. Aber der neue Formel-1-Überflieger Sebastian Vettel blieb auch nach seinem phänomenalen Triumph von Monza auf dem Boden. "Ich glaube nicht, dass sich mein Leben ändert. Ich bin immer noch der, der ich vorher war", versicherte der jüngste Grand-Prix-Sieger der Geschichte bescheiden nach dem Sensationstriumph in Italien.

Angst, dass der aufziehende Hype um seine Person sein bisher relativ beschauliches Leben wie einst beim damaligen Jung-Star Michael Schumacher komplett umkrempeln könnte, hat der deutsche Toro-Rosso-Pilot nicht: "Das wird sich alles wieder legen."

Lob vom großen Schumacher

Schumacher schwärmte: "Das, was Sebastian vorgeführt hat, war 1a." Der siebenfache Rekord-Weltmeister und heutige Ferrari-Berater bescheinigte seinem Freund das Potenzial, eines Tages den Titel holen zu können. Dreifach-Champion Niki Lauda lobte die Leistung des Senkrechtstarters als einzigartig: "Er hat ein Riesentalent, aber er denkt auch. Er versteht Technik und weiß, wie man Auto zu entwickeln hat." Und der finnische Ex-Weltmeister Keke Rosberg garantierte: "Das war mit Sicherheit nicht sein letzter Erfolg. Da kommen noch mehrere."

Im internationalen Blätterwald rauschte es gewaltig. Die englische "Times" titelte: "Ein Star ist geboren." Die italienische "Tuttosport" schwelgte: "Vettel - das goldene Baby von Monza." In seiner deutschen Heimat feierte ihn "Bild" bereits als "neuen Schumi", während die "Abendzeitung" "Vettelissimo!" titelte.

"Ein Traum ist wahr geworden"

Der neue Kronprinz der Königsklasse konnte sein Glück nach seiner Doppelpremiere mit Pole-Position und Sieg kaum fassen: "Ein Traum ist wahr geworden. Ich werde wohl einige Tage brauchen, bis ich das richtig realisiert habe." Trotz aller Freude schätzte das für sein Alter äußerst reif und abgeklärt wirkende Super-Talent den Triumph richtig ein. "Ich bin realistisch genug. Man kann nicht erwarten, dass wir die nächsten Rennen gewinnen."

Toro Rosso kann mit den Top-Teams nicht mithalten. Monza dürfte bis auf weiteres eine "Eintagsfliege" bleiben, was die einzigartige Leistung aber nicht schmälert. Toro-Rosso-Mitbesitzer Gerhard Berger betonte vollkommen zurecht: "Der Sieg war absolut herausgefahren. Da war kein Glück oder Zufall dabei. Es war einfach eine super starke Leistung von Team und Fahrer."

Sechster deutscher Formel-1-Sieger

Eine spontane Feier mit dem italienisch-österreichischen Team am Rennabend, zwei Tage Ausspannen in seiner Schweizer Wahlheimat Walchwil am Zugersee, die sich in der Königsklasse nicht blicken lässt - dann folgt schon wieder die Alltagsroutine. "Ich bereite mich bei den Tests in Jerez auf den nächsten Grand Prix vor und fliege am Samstag nach Singapur", schilderte der Jungspund sein Programm in dieser Woche.

Vettel ist der sechste deutsche Formel-1-Sieger. Vor ihm feierten Wolfgang Graf Berghe von Trips (2), Jochen Mass (1), Rekordhalter Michael Schumacher (91), Heinz-Harald Frentzen (3) und Ralf Schumacher (6) GP-Erfolge. In der 59-jährigen Formel-1-Geschichte ist Vettel der 101. Sieger.

Ein Mann für Rekorde

Obwohl erst 21 Jahre alt und erst 22 Rennen gefahren, hat der Champion in spe schon einige Bestmarken aufgestellt: Er holte als jüngster Pilot eine Pole-Position, ist der jüngste Sieger, der jüngste Debütant mit einem WM-Punkt, der jüngste Spitzenreiter in einem Grand Prix und auch der jüngste Teilnehmer an einem offiziellen Training. Vettel aber misst all dem keine Bedeutung bei: "Ich weiß nicht, wie viele Rekorde ich jetzt halte."

Vettel verfolgt völlig andere Ziele. "Den Ehrgeiz, Weltmeister zu werden, gibt es. Aber ob ich der jüngste werde, ist mir egal", sagte der Hesse. "Mein Ziel in der Zukunft ist es, zu einem der drei Top-Teams zu kommen." Wird die Formel-1-Hierarchie nicht komplett auf den Kopf gestellt, bietet nur ein Cockpit bei McLaren-Mercedes, Ferrari oder BMW-Sauber eine echte Titelchance.

Nach seinem Wechsel zu Red Bull Racing 2009 muss der "Jungbulle" aber zumindest in den beiden nächsten Jahren versuchen, im "Einser-Rennstall" des Energy-Drink-Milliardärs Mateschitz seinen Aufstieg fortzusetzen. (APA/dpa)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Sebastian Vettel versteckt sich vor Dieter Mateschitz.

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