Kurze Hosen, voll und weniger voll

15. September 2008, 15:37
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In der heute beginnenden Champions League der UEFA krachen Reiche mit Armen auf dem Feld der Ehre und des Verdienstes direkt aufeinander. Favoriten sind wieder die Geldsäcke aus England, Italien und Spanien

Wien - Manchester United hat gut stinken. Der englische Meister verfügte 2006/2007 über ein Budget von rund 315 Millionen Euro und geht die Champions League 2008/ 2009 mit der Ruhe an, die ein dicker Finanzpolster bietet. Die englische Premier League hat sich seit Mitte der 1990er-Jahre - dank der TV-Lizenzen - zum Kapitalmekka des Fußballs entwickelt. Zwar ist Real Madrid (351 Mio. Euro Umsatz 2006/2007) der Bestverdiener, doch in der "Money League" der Analysten von Deloitte rangieren sechs englische Klubs (ManU, Chelsea, Liverpool, Arsenal, Tottenham und Newcastle) unter den Top 20. Dazu drei Spanier (Real, Barcelona, Valencia), vier Italiener (Milan, Roma, Inter, Juventus), vier Deutsche (Bayern, Schalke, HSV, Bremen) sowie zwei Franzosen (Lyon, Marseille).

Kein Wunder also, dass die Uefa ihren großen Ligen und besten Märkten wieder bis zu vier Champions-League-Tickets gewährt. Dort erzielen wiederum die Klub- und Uefa-Sponsoren den besten Widerhall auf ihre Werbebotschaften, wovon wiederum die TV-Sender profitieren.

Wo Euro sind, fliegen Euro zu: ManU hat einer Studie der Universität von Coventry zufolge auf dem Weg zum Sieg in der Champions League 2007/2008 145 Millionen Euro verdient.

Österreichs Bundesliga-Vereine verdienten 2006/2007 zusammen 151 Millionen Euro, sechs Millionen mehr als ManU. Red Bull Salzburg steht schätzungsweise ein Viertel des Bundesligakapitals zur Verfügung. Doch Vizemeister Salzburg hat die Champions League verpasst und tritt am Donnerstag im Uefa-Cup beim FC Sevilla an.

Einer Studie der Finanzanalysten von Deloitte zufolge gibt Chelsea, UCL-Finalist 2007/2008, am meisten für Spielergagen aus, fast 160 Millionen Euro (2006/2007). Von den acht UCL-Viertelfinalisten 2007/2008 kamen sieben aus den Top 20 von Deloittes "Money League" 2006/2007 - vier davon aus England, außer ManU und Chelsea (4., 283 Mio. Euro) noch Liverpool: (8., 199) und Arsenal (5., 263), dazu Barcelona (3., 290), AS Roma (10., 158) und Schalke (16., 114). Achter Viertelfinalist? Der Exote Fenerbahçe (87 Mio. Euro).

Doch Reichtum garantiert Glück nicht immer. Real Madrid ist zwar noch vor ManU der kapitalkräftigste Klub (2006/2007: 351 Mio. Euro), schied allerdings im UCL-Achtelfinale aus. Die Geldsäcke von Bayern München (7., 223) schafften es nicht einmal ins Uefa-Cup-Finale: 1:5 im Semifinale gegen Russlands Meister St. Petersburg.

Morgen brechen die Bayern bei Steaua Bukarest in die UCL auf, die Bremer mit ihren Bankerldrückern Prödl und Harnik empfangen heute die zyprischen Giganten von Anorthosis Famagusta, an denen die Rapid zerschellte. Anorthosis ist viel kapitalschwächer als die vom russischen Rohstoffkonzern Gasprom gesponserte Schalke, die von der freilich auch nicht mittellosen Atlético Madrid in der Quali 1:4 vorgeführt wurde.

Die Marktführer (siehe Tabelle) aus England, Spanien und Italien stellen in der heurigen Champions League je vier Vereine, die Franzosen drei, die Deutschen, Rumänen, Portugiesen und Ukrainer je zwei. Die Weißrussen haben Bate Borisow hineingebracht (gegen Anderlecht), die Niederlande haben nur PSV, da Twente Enschede an Arsenal nicht vorbeikam. Die reichen Glasgow Rangers hatten gegen Kaunas (Litauen) ihr Erweckungserlebnis. Fenerbahce ist auch wieder da, aber die Türkei gilt noch eher als Märchenland denn als Teil des Fußballmarktes. (Johann Skocek; DER STANDARD Printausgabe 16. September 2008)

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    Auch der PSV Eindhoven bereitet sich unter Huub Stevens vor, die Niederländer treffen Dienstag auf Atletico Madrid.

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