"Brain Painting"-Vorführung auf Workshop in Graz

15. September 2008, 15:18
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Expertentagung zum Thema Brain-Computer-Interface

Graz - Die Gedankensteuerung von Computern, das sogenannte Brain-Computer-Interface (BCI), kann Menschen mit extremen Bewegungsseinschränkungen nicht nur das tägliche Leben erleichtern. "Es wird auch versucht, Unterhaltung für Patienten durch BCI zu ermöglichen", erklärt Gernot Müller-Putz vom Institut für Semantische Datenanalyse/Knowledge Discovery der Technischen Universität (TU) Graz. Wie diese Steigerung der Lebensqualität funktionieren kann, soll unter anderem der deutsche Künstler Adi Hoesle bei einer Darbietung im Rahmen des am Freitag beginnenden "BCI-Workshops" an der TU Graz demonstrieren.

Hoesle wird bei seiner "Brain Painting"-Vorführung zeigen, wie ein Bild durch Gedanken entsteht: Das dient als Beispiel dafür, dass BCI neben Alltagsunterstützung auch Freizeitaktivitäten erschließen und dadurch die Lebensqualität von Patienten weiter verbessern könnte. Noch seien allerdings technologische Hürden zu überwinden, so Müller-Putz. Ein wichtiges Beispiel sei die Entwicklung von alltagstauglichen Sensoren, die Gehirnströme mit ausreichender Signalstärke messen können. "In ungefähr fünf Jahren sollte abzusehen sein, was mit BCI wirklich alles möglich ist", meint der Wissenschafter.

BCI heute und morgen

Warum BCI noch nicht die Verbreitung und Beachtung von Eye-Tracking-Lösungen gefunden hat, erklärt Müller-Putz: "BCI ist von der Technologie her deutlich komplizierter." Gedankenströme seien von Person zu Person unterschiedlich, was ein aufwändiges Training und starke individuelle Anpassungen erforderlich mache. Doch: "Die BCI-Forschung entwickelt sich in den vergangenen Jahren rasant und erschließt auch neue Anwendungsfelder." An der Universität Tübingen beispielsweise werde mit Patienten mit Amyotropher Lateralsklerose (ALS) zusammengearbeitet, um ihnen mittels BCI Kommunikation zu ermöglichen. Zwar können ALS-Betroffene auch in späten Stadien noch ihre Augenbewegungen kontrollieren und Eye-Tracking-Systeme nutzen. Doch könne da das Offenhalten des Augenlids eine hohe Anstrengung bedeuten, die bei einem BCI-System wegfallen würde, so Müller-Putz. In Graz wiederum werde daran geforscht, wie die BCI-Technologie mit Neuroprothesen kombiniert werden könnte, um Querschnittgelähmten rudimentäre Bewegungen wie das Greifen mit der Hand zu ermöglichen. Wie Gedanken einen Rollstuhl bewegen könnten, wird Thema eines Vortrages auf dem Grazer BCI-Workshop sein.

Dass einige Unternehmen damit werben, bereits oder in Kürze Gedankensteuerung für Computerspiele anbieten zu können, könne er ohne konkrete Kenntnis der jeweiligen Technologien nicht bewerten, so Müller-Putz. Zumindest ein Teil der Systeme sei aber nicht direkt mit medizinisch orientierten Ansätzen vergleichbar, da sie auch Eingaben wie Gesichtsmuskelbewegungen nutzen. Darauf verzichte echte BCI, da sie auch und speziell für Personen geeignet sein soll, die zu gezielten Muskelbewegungen nicht mehr in der Lage sind. (pte/red)

 

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