"Das ist eine Minimalzusage"

16. September 2008, 12:57
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Das Verteidigungs-ministerium hat zugesagt, die umstrittenen Bundesheer-Tafeln am Ulrichsberg zu verhängen - Den Gegner des Ulrichsberg-Treffens reicht das nicht

Wie jedes Jahr findet heuer am 19. Oktober das Treffen ehemaliger Wehrmachtsoldaten, Angehöriger des österreichischen Bundesheeres und Veteranenorganisationen am Kärntner Ulrichsberg statt. Und wie jedes Jahr führt dieses Gedenken an die im zweiten Weltkrieg Gefallenen zu heftigen Reaktionen. Vor allem die Teilnahme von Mitgliedern des österreichischen Bundesheeres stößt den Kritikern sauer auf. Mittlerweile hat Verteidigungsminister Norbert Darabos zugestanden, Tafeln mit dem Bundesheer-Logo, die derzeit noch auf dem "Ehrenhain" stehen, zu verlegen. Damit reagierte Darabos Ende April auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Wolfgang Zinggl.

Verhängt statt verlegt

Grund für die Verlegung ist die Nähe mehrerer Tafeln zu Institutionen der ehemaligen deutschen Wehrmacht, sagt Answer Lang, der Pressesprecher von Darabos im Gespräch mit derStandard.at. Nun will man die Tafeln zu denen des Roten Kreuz oder der Feuerwehr stellen, "Hilfsorganisationen, denen wir uns näher verbunden fühlen", sagt Lang. Da sich die Verlegung in diesem Jahr nicht mehr ausgehen wird, werden die Tafeln beim morgigen Treffen lediglich verhängt werden und im kommenden Jahr an einen anderen Platz gebracht.

"Minimalzusage"

Zufrieden sind die Gegner des Treffens aber bei weitem nicht: "Es ist eine Minimalzusage, die da gemacht wird", sagt Rosa Plüsch, Sprecherin der Gemeinschaft der Gegner des Ulrichsbergtreffens. "Denn eigentlich ist es eine Frechheit, dass österreichische Soldaten überhaupt beim Kärntner Ulrichsbergtreffen dabei sind. Das Bundesheer erkennt zwar das Problem der NS-Nähe und -verherrlichung am Ulrichsberg, schreitet aber nur inkonsequent ein.""

Auch für Wolfgang Zinggl ist der Kompromiss nicht ausreichend: "Das ist ein erster Schritt, aber im Grunde hat das Bundesheer dort nichts verloren", sagt er. "Österreich sollte lieber alles tun, um sich von nationalsozialistischen Gedankengut zu distanzieren." Auch den Grünen Studenten (GRAS) reicht das Verlegen der Tafeln nicht. Sie fordern die Untersagung der Teilnahme des Bundesheeres und ein klares Zeichen von Darabos gegen dieses jährliche Treffen. (saju, derStandard.at, 15.9.2008)

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    "Das Bundesheer erkennt zwar das Problem der NS-Nähe und -verherrlichung am Ulrichsberg, schreitet aber nur inkonsequent ein."

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