"Ich glaube, dass es Populisten dringend braucht"

15. September 2008, 13:26
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Der Tiroler "Rebell" Fritz Dinkhauser stellte sich den Fragen der Userinnen und User - Das Protokoll zur Nachlese

"Wir sind die einzige Bürgerpartei Österreichs." Fritz Dinkhauser, Spitzenkandidat des Bürgerforums Österreich, steht im derStandard.at-Chat dazu, ein Populist zu sein. Das sei notwendig, um "die politische Wahrheit und die politische Realität ans Licht zu bringen".

Er glaubt nach wie vor an den Einzug in den Nationalrat. "Ich hoffe auf das gute politische Gefühl der Österreicher und auf 4%", sagt er. Wenn sein Plan allerdings nicht aufgehen sollte, dann will er zurück nach Tirol gehen und dort seine Arbeit fortsetzen: "Am Bürgermodell für ein gerechtes Österreich weiterarbeiten. Halleluja!"

Scharfe Kritik übt Dinkhauser an seiner ehemaligen politischen Heimat ÖVP: "Die ÖVP hat ihre christlich-sozialen Wurzeln sträflich über viele Jahre über Bord geworfen."

ModeratorIn: Guten Tag! Wir begrüßen Fritz Dinkhauser im Chat und bitten die UserInnen um Fragen!

Fritz Dinkhauser: Es ist für mich eine Ehre, den Usern einer meiner Lieblingszeitungen zu begegnen.

C.Schmitt: Sehen sie sich selbst eigentlich auch als "Rebell"?

Fritz Dinkhauser: Ja, Sozialrebell - das Notwendige in unserer Zeit.

ModeratorIn: IUserfrage per Mail: st Ihre Partei FRITZ ein "Tiroler BZÖ"? Also viele Stimmen in Tirol, aber im Rest des Landes quasi bedeutungslos? Warum sollte jemand der nicht aus Tirol kommt, Sie dennoch wählen?

Fritz Dinkhauser: Es ist genau das Gegenteil - ich würde sagen wir sind die einzige Bürgerpartei Österreichs. Ohne Parteibuch in dem die Parteimitgliedsbeiträge nur der Bürgergesinnung verpflichtet sind.

immun man: Viele Fritz-Wähler aus meinem Umfeld wären enttäuscht, wenn du (angenommen, du würdest den Einzug schaffen) nach Wien gehen würdest. Was hat für dich politische Priorität, Tirol oder Österreich?

Fritz Dinkhauser: Erstens ist es eine Chance für Tirol, weil 80% der Entscheidungen für Tirol in Wien fallen. Tirol wird ständig in vielen Fragen des Föderalismus über den Tisch gezogen. Weder das Finanzamt, die Bundesbahn noch die Post oder Bankinstitute haben ein tiroler Eigenleben. Die Transitfrage wird in Wien und in Europa entschieden. Die Entscheidung einer Österreich-Kandidatur war nicht nur aus finanziellen und privaten Motiven eine sehr sehr schwierige Entscheidung, sondern weil ich mich im hohen Maße der tiroler Bevölkerung politisch verpflichtet fühle. Viele tausend ÖsterreicherInnen und viele Ärzte haben mich gedrängt, diese gesamtösterreichische Entscheidung einer Kandidatur zu fällen. Nicht nur Tirol, sondern ganz Österreich muss gerechter werden in Fragen der Sozial-, Steuer-, Gesundheits-, Pflege- und Wirtschaftspolitik. Ich bitte die Tiroler um Verständnis und Toleranz für mein Vorgehen. Ich werde alles für Tirol tun.

Bernhard Rathmayr: ihnen wird oft vorgeworfen sie hätten kein richtiges programm. was entgegnen sie diesen vorwürfen?

Fritz Dinkhauser: Mein Programm: Einerseits das Programm das uns zur zweitstärksten Kraft in Tirol gemacht hat: www.fritz-dinkhauser.at und andererseits das neue Programm für Österreich: www.listefritz.at Auszugsweise einige Punkte: Neue Steuerpolitik: Sofortige Umsetzung einer Steuer-Strukturpolitik. Erstens: Herabsetzung des europäischen Höchsteinstiegssteuersatzes von 38,33% auf 28%. Herabsetzung des Höchststeuersatzes von 50% auf 44% und hinaufsetzung der Grundlage von 50 000 Euro auf 60 000 Euro. Steuerfreibetrag für 13. und 14. von 10 000 Euro und jährliche Abgeltung der Inflationsrate bei Arbeitern und Angestellten und Rentnern und Pensionisten, wobei bei dieser Personengruppe auch eine Wertanpassung nach dem jeweiligen Bruttoinlandsprodukt erfolgen soll. Die Frage der Erbschafts- und Vermögenssteuer sollte mit 400 000 Euro steuerfrei begrenzt sein. u.s.w. In der Frage Gesundheitspolitik: Keine Zwei-Klassen-Medizin. Freie Arztwahl, Sanierung des Abganges der Krankenkassen durch den Staat. Nachdem die Politik durch die Übertragung von artfremden Aufgaben an die Kassen dieses Defizit verursacht hat. Abgeltung der Beitragsausfälle der Arbeitgeber in Millionenhöhe. Ausfälle durch Rezeptgebühren-Befreiung an sozial Schwache. Wochengeld-Reduzierung von Sozialversicherungsbeiträgen bei Arbeitslosen, Rentner, Pensionisten, Studenten u.s.w. Bildung: Muss für alle kostenlos sein. Wir haben auch hier eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Jeder in Österreich muss einen Bildungsabschluss haben. Wir brauchen die zweite und dritte Chance. Es gibt andere Modelle wie Studiengebühren. Arbeitereinkommen Netto 1200, zwei Kinder, wohnhaft Lienz, ein Sohn studiert in Graz, 200 Wohnkosten, 240 Lebenskosten, 100 Euro Studiengebühren bzw. 379 im Quartal Studiengebühren. Bekleidung und Leben? Dafür bleibt kein Geld mehr. Auch für das Studium der Tochter bleibt kein Geld mehr. Es muss für alle kostenlos sein: Kindergarten, Studium, Krabbelstube.

ÖNorm: S.g. Hr. Dinkhauser, wie hoch schätzen Sie die Chancen ihrer Liste ein, in den Nationalrat zu kommen?

Fritz Dinkhauser: Die Rahmenbedingungen haben sich zwar seit Antreten durch die Kandidatur von Heide Schmidt und Jörg Haider sowie die Nichteinbindung in die Fernsehduelle verändert. Vorher war nach Meinungsumfragen das Chancenpotential bei 16% und real 6% bei der NR-Wahl. Ich hoffe auf das gute politische Gefühl der Österreicher und auf 4%.

David Seppi: Wuerden Sie eine Minderheitsregierung von SPOe oder OeVP stuetzen?

Fritz Dinkhauser: Eine Minderheitsregierung macht aus Erfahrung wenig Sinn. Österreich braucht dringend, um international wirtschaftlich überleben zu können, eine stabile Regierung, die mehr als 1 1/2 Jahre tätig ist.

Abu Simbel: eine koalition övp + fpö/bzö + ihre liste. vorstellbar für sie?

Fritz Dinkhauser: Das ist ja eine völlig unrealistische Variante. Mit und ohne "Du"-Wort-Entzug des Herrn Strache an Herrn Haider.

bloodynoob: Herr Dinkhauser man wirft Ihnen aus allen Richtung vor ein Populist zu sein, wie stehen Sie zu diesen Behauptungen?

Fritz Dinkhauser: Ich glaube, dass es Populisten dringend braucht, um die politische Wahrheit und die politische Realität ans Licht zu bringen. Es ist eine Frage des Bürgermutes und der Zivilcourage.

bzoe.org - Die Spaßpartei: Sind Sie mit 68 nicht schon etwas zu alt für die Politik? Denken Sie, Sie verstehen die Anliegen der Jugend überhaupt?

Fritz Dinkhauser: Es ist nie eine Frage des Alters, wie wir auch in Amerika und an vielen anderen Stellen sehen. Jung ist man im Kopf. Die Frage der Vitalität hätten sich die Tiroler stellen müssen. Ich glaube, dass man ab einem gewissen Alter nicht mehr die Eigeninteressen, sondern die Interessen der Jungen mehr im Kopf hat. Und das Korrektiv ist in der eigenen Familie mit 5 Kindern und 11 Enkelkindern. Diese Frage ist mir dort nicht gestellt worden. Die haben das interessant, spannend und richtig gefunden.

Manfred Bieder: Was macht Willi Molterer falsch?

Fritz Dinkhauser: Er sitzt am Tandem, am zweiten Platz. Dort kann man schlecht lenken. Sozialpolitik kann man nicht am Ende, sondern muss die gesamte Periode praktiziert und vor allem nach außen glaubwürdig vermittelt werden. Die ÖVP hat ihre christlich-sozialen Wurzeln sträflich über viele Jahre über Bord geworfen.

Abu Simbel: was halten sie von wolfgang schüssel - könnten sie mit ihm zusammenarbeiten?

Fritz Dinkhauser: Er ist hochintelligent und hat nicht die Gnade der Demut zum richtigen Zeitpunkt abzutreten. Eine Zusammenarbeit ist aus der Erkenntnis der Realpolitik nicht mehr denkbar.

Abu Simbel: mit wem können sie sich die beste zusammenarbeit im parlament vorstellen?

Fritz Dinkhauser: Es gibt einen Grundsatz: Abgrenzen von Extrempositionen, aber nicht Ausgrenzen von Personen. Österreich braucht ein neues politisches Klima der Zusammenarbeit aller und meine Aussage bei den Verhandlungen zu der Regierungsbildung in Tirol gilt: Ein Kabinett der besten Köpfe. Ein Kabinett der besten und sozialsten Köpfe. Ein Miteinander und nicht ein Gegeneinander. Abbau von persönlichen Vorbehalten. Es geht um das Wohl der BürgerInnen.

Manfred Bieder: Sie haben für Ihren Wahlkampf eine Schauspieltruppe mit dabei. Ist die ganze Politik nur eine Bühne?

Fritz Dinkhauser: Nein. Hoffentlich nicht. Die Realpolitik ist oft mit Bildern oder über Schauspielern besser zu vermitteln als mit Reden von Politikern.

Walter KURTZ: Hierzulande scheint es ja geradezu von "Sozialrebellen" nur so zu wimmeln. Immerhin bezeichnet sich so auch HC Strache. Was koennen Sie besser als Herr Strache?

Fritz Dinkhauser: 17 Jahre Erfahrung als Präsident der AK-Tirol mit absoluter Mehrheit und Nachweis von sozialer Umsetzungskompetenz, Einrichtung der ersten Sozialmärkte in Tirol, Einrichtung eines Tiroler Beschäftigungsvereines für Arbeitslose, Einrichtung einer Arbeitsmarktgesellschaft mit allen Sozialpartnern und dem Land Tirol. Einrichtung einer sozialen Fachhochschule. Einrichtung eines Zukunftszentrums im Weichbild der Universität für die Zukunft der Arbeit und der Gesellschaft. 13 Jahre Obmann und Stellvertreter der Tiroler Gebietskrankenkasse. Das sind die Kompetenzen, die man dann hat - viele sozialpolitische Initiativen in diesem Bereich. Ich kenne außer dem Prädikat "Rebell" keine inhaltlichen Umsetzungskompetenzen des Herrn Strache.

Harper Lee Kingsley: Wie sehen denn eigentlich ihre Konzepte im Bereich Frauenpolitik aus?

Fritz Dinkhauser: Schaffung von Rahmenbedingungen in der Frage der Kindererziehung: Gratis-Kindergarten und Kinderkrippe. Leistbares Wohnen, Eröffnung von Zusatzqualifikationen, um am privaten Arbeitsmarkt gleiche Chancen zu bekommen. Schaffung von finanziellen Anreizen für Unternehmer, um die Heimarbeit von Frauen zu fördern.

stasiman: Hallo nach Wien, Hr. Dinkshauser, was wollen Sie als ehemaliger Hammerwerfen für den Sport in Österreich tun? Die Ausbeute bei Olympia im Sommer ist ja doch eher mau! LG aus München.

Fritz Dinkhauser: Nicht nur Hammer, sondern zweimal Teilnehmer bei der Olympiade im Bobfahren. Es geht darum, dass eine Lösung gefunden wird, alle öffentlichen Einrichtungen (Schulen, Sporthallen, Sportplätze) frei zugänglich sowohl für Jugendliche als auch für Sportvereine zur Verfügung zu stellen. Ein mit Lust ausgeübter Breitensport führt automatisch zu Spitzensport. Auch der öffentliche Nahverkehr müsste für Jugendliche gratis zur Verfügung gestellt werden. Grundsätzlich sind entsprechende öffentliche Mittel für den Breitensport und dem Spitzensport bereitzustellen und als Grundformel: eine Sportstunde an der Schule jeden Tag.

wincent: Was, wenn Sie nicht 4% - Unterstützung erhalten?

Fritz Dinkhauser: Dann glaube ich das getan zu haben, was jeder im Leben tun sollte: Bei seiner Absicht und Bereitschaft zu bleiben, die Bereitschaft zum Risiko. Ich glaube, dass ich mit der Absicht in Tirol anzutreten nachweislich und in Österreich auf sich gesehen etwas verändern konnte. Mehr Demokratie und mehr soziales Gewissen - siehe Milliarden-Wahlversprechen der Parteien. Wenn ich nicht 4% bekomme, dann war es das Risiko wert und ich werde meine Arbeit in Tirol fortsetzen. Und am Bürgermodell für ein gerechtes Österreich weiterarbeiten. Halleluja!

ModeratorIn: Die Chat-Stunde ist vorbei. Danke fürs Fragen stellen. Danke Herr Dinkhauser, dass sie die Fragen beantwortet haben.

Fritz Dinkhauser: Danke! Bitte um rege Wahlbeteiligung und um Ihre Unterstützung.

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